Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- Die Organisation der Verteidigung
- Date
- 1907-12-01
- Page
- Seite 741 - 742 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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741 Dr. Simon Bernfeld: Die Organisation der Verteidigung. 742 wir der Apologie nach jeder Richtung dringend bedürfen; sie tut uns not nach aussen hin, gegen Angriffe, die in verschiedener Form gegen das Judentum und gegen den jüdischen Stamm gerichtet werden, aber auch nach innen, gegen Missachtung und Herabsetzung des Judentums in unserer eigenen Mitte, welche durch Unkenntnis hervorgerufen werden. Die Nützlichkeit und Erspriesslichkeit kultureller Arbeit braucht nicht sofort sichtbar zu sein; verloren geht doch kein Saatkorn. Das Wort der Wahrheit kann mitunter, wo es gesprochen wird, unvernommen verhallen, aber es wird vielleicht vom Winde in die Ferne getragen, um dort auf empfänglichen Boden zu fallen. In der letzten Zeit sind unter den deutschen Juden verschiedene Organisationen entstanden, welche sich den Kampf für die Sache des Juden- ' ' r '•• tums und der Judenheit zur Aufgabe gemacht haben. Die Tatsachen haben zur Einsicht geführt, dass die Verteidigung der bürgerlichen Eechte der Juden nicht ohne die Verteidigung des Judentums möglich ist. Eein logisch genommen , könnte man ja sagen, das Judentum brauche keine Verteidigung; denn eine Wahrheit hört nicht auf Wahrheit zu sein, wenn sie tausendmal von Böswilligen und Narren begeifert wird. Aber die Praxis zeigt, dass die Herabsetzung des Judentums mit der Beeinträchtigung der bürgerlichen Eechte der Juden zusammenfällt. Solange das Judentum nicht zu seinem Eechte gelangt, werden auch die Juden niemals im sichern Besitz ihrer bürgerlichen Eechte bleiben, mögen sie ihnen auf dem Papier noch so heilig versprochen werden. Die ge- LESSER URY Moses. (Zum Artikel „Ausstellung jüdischer Künstler".) schichtliche Erfahrung lehrt auch, dass sich die Dinge immer so entwickelt haben: zuerst wurden die Juden wegen ihrer religiösen Anschauung und ihres religiösen Lebens verächtlich gemacht, dann kam ihre Entrechtung und ihre Knechtung. So trieben es die judenfeindlichen Griechen in Alexandrien, so verfuhr das christlich gewordene Eom, der fanatische Klerus in Spanien, der Mob am Ehein. Angriffe auf das Judentum dürfen uns nie gleichgültig lassen, mag unsere politische Stellung nach so gesichert erscheinen. Sie bedeuten immer die Vorzeichen eines heftigen Sturmes auf unsere bürgerlichen Rechte. Die Klugheit und der Trieb der Selbsterhaltung erheischen in solchen Fällen immer das rechtzeitige und kräftige Eingreifen zu unserer Verteidigung. Die Feindseliger,. •./■•??>«••.• keit gegen das Ju- : ' .; dentum und gegen uuserVolk wird von Böswilligen hervorgerufen. Indessen wäre die Wirkung nie eine so verheerende und vergiftende, wenn sich nicht um die Böswilligen ein Gefolge von aus Unkenntnis Sprechenden bilden würde. Die Bösen werden sich nicht belehren lassen, wohl aber viele von denen, die ihnen aus Un - wissenheit nach - sprechen. Zu diesen gehört leider auch eine grosse Zahl von Juden und Jüdinnen. Wollen wir also gegen die Anfeindungen die Verteidigung organisieren, so bleibt uns zunächst nur ein Mittel übrig: die Verbreitung der Kenntnis von allen Dingen, die das jüdische Volk und das Judentum betreffen. Der beste Teil der Apologie des Judentums ist doch die Kenntnis des Judentums, und das zu erreichen liegt vielfach in unserer Macht. OELG EM AELD E.