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Ost und West · 1907-11-01 · Heft 11 (November 1907) · p. Seite 715 - 716

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 11 (November 1907)
Article
Aus dem Leben der Lehranstalt
Date
1907-11-01
Page
Seite 715 - 716 (sequence 3)
Language
German
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715 Dr. Max Eschelbach er: Aus dem Leben der Lehranstalt. 716 nen Städten Nordafrikas und Spaniens Lehrhäuser begründeten. Eine Prüfung der gesamten uns überlieferten Nachrichten, insbesondere auch der in der Geniza zu Kairo gemachten Funde, zeigte indes, wie Elbogen damals nachwies, daß die Erzählung, so wie sie berichtet wird, nicht zutreffend ist. Die vier Gelehrten haben garnicht zu gleicher Zeit gelebt, und wichtige Züge sind wörtlich dem Talmud entlehnt. Und doch ist jene Legende von hoher historischer Bedeutung, denn sie bringt zum Ausdruck, wie im X. Jahrhundert die babylonischen Lehrhäuser verfielen und neue in Afrika und Spanien begründet wurden. Für die Kunst einer kritischen und sorgsamen Quellenbetrachtung sind Elbogens Vorlesungen eine vorzügliche Schule. Das jüngste Mitglied des Kollegiums ist Dr. Yahuda, ein Mann, der viele Städte und Menschen gesehen hat, geboren zu Jerusalem, auf deutschen Universitäten gebildet, englischer Staatsangehöriger. Als er sein Amt an der Lehranstalt antrat, hörte ich nur noch sehr wenig Vorlesungen und kann darum auch nur wenig davon berichten. Abe: daß ein Mann, der Arabisch und Hebräisch von Jugend auf fertig spricht, und der die Lebensverhältnisse des Orients aus eigener Anschauung gründlich kennt, zur Erklärung der Bibel vieles sagen kann, was andere nicht wissen können, das ist selbstverständlich. Wenige Tage noch, und der alte Hörsaal wird geschlossen, ein neues Lehrhaus öffnet seine Pforten. Möge es eine Stätte jüdischen Wissens werden, wo tüchtige Lehrer unterrichten und tüchtige Schüler lernen. Mögen viele Männer aus ihm hervorgehen, auf die der deutsche Rabbinerstand dereinst stolz sein darf! Und wenn auch das neue Heim dereinst alt und morsch wird und zerfällt, dann möge immer noch die Lehranstalt in voller Kraft bestehen, und wenn sie dann, in hundert, in zweihundert Jahren, abermals eine neue Stätte bezieht, dann mögen die Hörer jener Zeit mit ebensoviel Dankbarkeit und Freude von ihren Lehrern sprechen dürfen, wie die heutigen Schüler der Anstalt. DER NEUBAU DER LEHRANSTALT FUER DIE WISSENSCHAFT DES JUDENTUMS.*) Allgemeines. Seit ihrer Begründung war die Hochschule, die heutige Lehranstalt, in Mietsräumen untergebracht, zunächst 1872—1875 in dem Hause Spandauer Brücke 8, sodann im Quergehäude Unter den Linden 4A, von Oktoher 1892 ab im Seitenflügel der Synagoge Lindenstrasse 48/52. Die als Wohnungen bestimmten Räume waren für die Zwecke einer Hochschule nicht sehr geeignet. Der langgehegte Wunsch nach Erwerbung eines eigenen Grundstücks konnte infolge des Mangels an Mitteln keine Verwirklichung finden; erst die hochherzige Schenkung des Eittergutsbesitzers Nathan Bernstein ermöglichte die energische Aufnahme des Planes. Allein selbst dann konnte die Angelegenheit keine rechte Förderung finden, weil es an einem geeigneten Platz für die Errichtung des neuen Gebäudes fehlte. Das Kuratorium sowohl wie das Lehrerkollegium wünschten, dass die Anstalt möglichst nahe der Universität liegen sollte. Da die Hörer der Hochschule gleichzeitig die Vorträge der Universität besuchen, musste die Möglichkeit gegeben werden, in recht kurzer Zeit, zumeist in den Zwischenpausen, den Weg von der Universität zur neuen Hochschule zurückzulegen. Es ist klar, dass der Ankauf eines passenden Bauplatzes im Herzen der Hauptstadt auf besondere Schwierigkeiten stiess. Auch waren im Kuratorium verschiedene Ansichten über die Grösse der erforderlichen Bodenfläche vorhanden. Während auf der einen Seite der Wunsch bestand, ein Grundstück zu erwerben, auf welchem die Bedürfnisse der Hochschule nach Massgabe des augenblicklichen Standes für absehbare Zeit in völlig ausreichender Weise befriedigt werden könnten, wurde von anderer Seite geltend gemacht, dass auch auf die Zukunft Bedacht zu nehmen, dass die Möglickeit einer bedeutenden Vergrösserung der Hochschule zu berücksichtigen sei. Zahlreiche Angebote wurden bezüglich ihrer Eignung geprüft, bis sich das Kuratorium dahin schlüssig machte, den Bauplatz Artilleriestrasse 14 von der Stadtgemeinde zu erwerben. Die geringe Grösse des Grundstückes, seine schiefwinklige Form, sowie der Umstand, dass es von allen Seiten von hohen Giebelwänden umgeben war, machen es erklärlich, dass sein Erwerb auch teilweisen Widerspruch fand, der jedoch gegenüber den vielen anderen Vorzügen nicht zur Geltung kommen konnte. Nachdem über den Bauplatz entschieden war, nahm die Angelegenheit einen beschleunigten Fortgang. Die Herren Architekten Hoeniger & Sedelmeier, welche dem Kuratorium schon bei den Vorbereitungen für die Auswahl der Baustelle zur Seite standen, wurden mit der definitiven Ausarbeitung der Baupläne und mit der Oberleitung des Baues betraut. Noch im Sommer 1906 konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden, und der Rohbau ist ohne Unterbrechung in kurzer Zeit aufgeführt worden. Dagegen musste der Ausbau eine Verzögerung erleiden, welche eine Folge des in diesem Jahre ausgebrochenen Maurerstreiks war. Trotzdem ist der Neubau zu dem von dem Kuratorium gewünschten Termine fertiggestellt worden. Programm. *) Aus der ..Festschrift zur Einweihung des eigenen Hei ins" von J. Elbogen und J. Honig er. Das vom Lehrerkollegium aufgestellte Programm umfasst folgende Anforderungen:

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