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Ost und West · 1907-11-01 · Heft 11 (November 1907) · p. Seite 687 - 688

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 11 (November 1907)
Article
Das Kuratorium der Lehranstalt
Date
1907-11-01
Page
Seite 687 - 688 (sequence 3)
Language
German
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687 Dr. Felix Goldmann: Das Kuratorium der Lehranstalt. 688 Max Weiss, Berlin. Rendant des Kuratoriums seit 1S99. Prof. Dr. Ludwig Geiger. Kurator seit 1906. Verdienste inbezug auf den didaktischen Teil der Verwaltung, wie Prüfungs- und Stipendienangelegenheiten, erworben. In seinem Schriftführeramte steht ihm zur Seite Justizrat Dr. Arnold Seligsohn, eine Autorität auf dem Gebiete des Patentrechts, der seit 1905 dem Kuratorium angehört und als besonnener und sachlicher Berater in allen Verwaltungsangelegenheiten seine Arbeitsfreudigkeit erweist. Das Amt des Kontrolleurs hat der schon erwähnte Georg Meyer inne. Als Rendant gehört dem Kollegium Max Weiss an, dessen ausserordentlich rühriger Propaganda es zuzuschreiben ist, wenn die Zahl der Wohltäter eine so stattliehe Höhe erreicht hat. Reichliche Hilfe findet er an Oscar Wasser man n, einem feinen Kenner des Schrifttums, einem Freunde des Wissens und des wissenschaftlichen Geistes; er ist erst seit 1906 Mitglied des Kuratoriums. In demselben Jahre stellte auch der schon erwähnte Professor Ludwig Geiger seine reiche Erfahrung und Arbeitskraft in den Dienst der Anstalt. Zwei Jahre früher hatte der Geheime Regierungsrat Professor Hermann Cohen die auf ihn gefallene Wahl zum Kurator angenommen. Cohen, von dessen Bedeutung zu reden hier überflüssig wäre — ist er doch in der Gegenwart der grösste und tiefste unter Deutschlands Denkern — hat seine Aufmerksamkeit vornehmlich den inneren Fragen des Unterrichts zugewandt und beschäftigt sich mit den pädagogischen und methodischen Angelegenheiten. Das sind die Männer, in deren Kuratorium heute seine Aufgabe durch das Vorhandensein grösserer Mittel bedeutend erleichtert sieht, vor allem darf sein Anteil an der Errichtung des neuen Heims nicht unterschätzt werden. Volle Unterstützung hat er in dem stellvertretenden Vorsitzenden, dem weithin gemeinnützig wirkenden Geheimen Kommerzienrat Ludwig Max Goldberger. Ihm verdankt die Anstalt vornehmlich auch den Ausbau und die Förderung derStiftung seiner Schwiegereltern, des Louis Simonschen Ehepaares. Schriftführer ist Gustav Oppert, der stille, emsige Gelehrte, der an der Berliner Universität das Lehrfach der indischen Philologie vertritt und durch grundlegende Werke seine Fachwissenschaft bereichert hat. Oppert ist ein rühriges Mitglied der Bibliothekskommission und hat sich grosse Händen die Geschicke derLehransta.lt ruhen, denen — in Deutschland wenigstens—dieAufgabe obliegt, die jüdische Wissenschaft zu schützen und sie in ihrer Freiheit und Unabhängigkeit zu erhalten. Wir haben ihnen keine übertriebenen Lobeshymnen gesungen, wenn wir vor den Namen fast eines jeden das bedeutungsvolle Wörtchen „bekannt" oder gar „berühmt" gesetzt haben. Es sind Männer, auf die nicht nur die Lehranstalt und die jüdische Wissenschaft, sondern die ganze Judenheit stolz ist. Sie stehen alle, seien sie auf dem Katheder und in der stillen Stube des Gelehrten, seien sie draussen im Getriebe derWelt tätig, an hervorragender Stelle ihres Berufes, deren Behauptung auch die Kraft eines ganzen, echten Mannes erfordert. Da ist es denn ein Zeichen von schönem, jüdischem Idealismus, wenn sie trotz der Alltagslast freiwillig und uneigennützig so grosse Mühen und Sorgen auf sich genommen haben. Wir, die junge Generation, die wir die Früchte ihres Schaffens genossen haben, wir danken ihnen; aber wir blicken auch über den engen Kreis der Fachgelehrten hinaus. Wir danken ihnen, dass sie es unternehmen, die jüdische Wissenschaft immer mehr zu einem gleichberechtigten Gliede der „universitas litterarum" zu gestalten und wir hoffen, dass sie, wie bisher, den konfessionellen Beeinflussungen stets einen festen Wider- Justizrat Seligsohn, Berlin. Kurator seit 1905. stand entgegensetzen werden. Ernste wissenschaftliche Arbeit der Jünger der Anstalt, Arbeit in dem Bewusstsein, dass jene Männer sie erst ermöglicht haben, wird ihnen der schönste Lohn für ihre Aufopferung sein.

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