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Ost und West · 1907-11-01 · Heft 11 (November 1907) · p. Seite 685 - 686

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 11 (November 1907)
Article
Das Kuratorium der Lehranstalt
Date
1907-11-01
Page
Seite 685 - 686 (sequence 2)
Language
German
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685 Dr. Felix Goldmann: Das Kuratorium der Lehranstalt. 686 hätten es sonst nicht erlebt, dass das Interesse an diesem' Zweige des jüdisch-wissenschaftlichen Lebens sich vom Täter auf den Sohn vererbt hat. So war Ludwig' Philippson bei der Gründung der Lehranstalt in hervorragendem Masse tätig, während sein Sohn dem Kuratorium von 1896 bis 1904 angehört hat. Ebenso ist Ludwig Geiger, der rühmlichst bekannte LiterarhistorikerundProfessoran der BerlinerUniversität, Mitglied der Verwaltung, während sein Yater Abraham Geiger dem Lehrerkollegium bis zu seinem Tode zur Zierde gereichte. .Ferner haben Carl Berthold Simon und sein SohuHerman Veit Simon an dieser Stätte ihre Kräfte in den Dienst des Judentums gestellt. Von dem Wirken des Stadtrats Moritz Meyer und seiner Söhne, der Herren Geheimer Oberregierungsrat Dr. Paul Meyer und Georg Meyer, wird weiter unten die Rede sein. — Eigentliche Gründer der damaligen, Hochschule4 waren fünf Männer, von denen zwei noch heute an ihr tätig sind. Der eine ist der im politischen Leben bekannte Sanitätsrat S a 1 o m o n Neuman li, ein freigesinnter Geheimer Kömmerzienrat L, M. Goldberger. Mann, der selber eine aus- Stellvertr. Vorsitzender, Kurator seit 1890. gedehnte Kenntnis der jüdischen Literatur mit Liebe zum Judentum verbindet. Er wurde, als er im Jahre 1905 das Amt des Vorsitzenden niederlegte, von seinen dankbaren Mitarbeitern zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Der zweite ist der Geheime Oberregiernngsrat Dr. Paul Meyer. Seinem Vater, dem Stadtrat Moritz Meyer, verdankt die Anstalt die ersten bedeutenderen Mittel, und seine Familie hat in diesem Sinne weiter gehandelt. Die Witwe Moritz Meyers hat durch grosse Stiftungen den Kuratoren manche ernste Sorge abgenommen, und der andere Sohn, Georg Meyer, wirkt noch heute neben seinem Bruder im Geiste des Vaters. Die übrigen Gründer weilen nicht mehr unter den Lebenden. Moritz Lazarus, der lange Jahre den Vorsitz im Kuratorium führte, und sein Schwager Chajim Steinthal setzten ihre ganze Kraft für das neue Unternehmen ein. Steinthal trat bald ins Lehrerkollegium über, wo er viele Generationen von Hörern als Mensch und als Dozent begeistert hat. Der fünfte, der Geheime Kömmerzienrat B. Li eher mann, ist schon sehr früh ausgeschieden. Manche Männer haben seit jenen Justizrat Hcrman Veit Simon» Vorsitzender des Kuratoriums seit 1904. Prof. Dr. Gustav Oppert. Schriftführer des Kuratoriums seit 1001. Tagen für unsere Lehranstalt ihr bestes hingegeben; und wenn wir auch nicht ihrer aller Namen hier aufzählen wollen, wissen wir wohl, ihre aufopfernde Tätigkeit zu schätzen. Die Zahl der Kuratoren ist bis jetzt noch nie verändert worden, sie beträgt — wie zur Zeit der Gründung — neun. Heute ist Vorsitzender Justizrat Dr. Herrn an Veit Simon, der einer berühmten alten jüdischen Familie Berlins entstammt. Gehörte ihr doch der erste jüdische Stadtverordnete (Salomon Yeit, 1811) und der erste jüdische Abgeordnete zum Frankfurter Parlament wie zum preussischen Abgeordnetenhause an (Moritz Veit). Justizrat Simon geniesst einen grossen Ruf als Handelsrechtler, das bekannteste unter seinen vielen Werken ist das Buch: „Die Bilanzen der Aktiengesellschaften". Er hat trotz seiner ausgedehnten Tätigkeit als Anwalt und Notar, stets eifrig für das Judentum gearbeitet; seit einem Jahrzehnt ist er auch Repräsentant der jüdischen Gemeinde, Seiner Tatkraft ist es vornehmlich zu danken, wenn das

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