Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Briefe aus Arabien
- Date
- 1907-10-01
- Page
- Seite 673 - 674 (sequence 2)
- Language
- German
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673 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Briefe aus Arabien. 674 und Bedjas importierten Datteln fabrizieren. Schliesslich yerdingen sich eine grosse Anzahl Juden als Arbeiter im Hafen für den geringen Tagelohn von 0,75 Frc. bis 1 Fre. Die Umgangssprache des Landes ist arabisch, die offizielle Sprache englisch. Man spricht aber auch hindostanisch und die Somalisprache. Die Unterrichtssprache in den Schulen der Eingeborenen ist das Arabische. Ich bin in einer Schule gewesen, die ausschliesslich von kleinen Somalis besucht wird. Der Anblick ist sehr interessant. Lehrer und Schüler sind nach Landessitte halb nackt, vielleicht verlangt es auch die im Schulraum herrschende Hitze. Jedenfalls haben die eingeborenen Juden diesen Gebrauch nicht angenommen, in der von mir besuchten Talmud Thora waren die Jungen anständig angezogen. Die europäischen Schalen sind insgesamt von Geistlichen geleitet und der Unterricht wird natürlich in englischer Sprache erteilt. Die Schwestern vom guten Hirten haben eine Mädchenschule in Aden selbst, deren Schülerinnen nur aus getauften Eingeborenen bestehen. In Steamer- Point leiten die Maristen-Brüder und Schwestern je eine Knaben- und eine Mädcheüschule, in der die wenigen Kinder der europäischen Kolonie untergebracht sind, auch die der ausländischen Juden, meist Spaniolen aus der Türkei und in sehr geringer Anzahl. Selbstverständlich würde ein eingeborener Jude niemals auf den Gedanken kommen, seinen Sohn oder gar seine Tochter in eine dieser Schulen zu schicken. Die Gemeinde Aden verdient wohl, dass man sich für sie interressiert. Erstens ist sie an sich schon bedeutend mit ihren 3050 Seelen, darunter 749 Kinder in schulpflichtigem Alter. Ausserdem wächst diese Bevölkerung täglich durch die aus dem Innern Yemens zuziehenden Juden. Eine Allianceschule in Aden würde in kurzer Zeit eine Hebung unserer dortigen Glaubensgenossen aus ihrer moralischen und geistigen Minderwertigkeit bewirken. SCHULBERICHT AUS BAGDAD. Spezialbericht für die A. I. U. von Direktor Albala. Nachdruck verboten. Der Direktor der Knabenschule in Bagdad, Herr Albala, hat dem Centralcomite folgenden Bericht über die Schulprüfungen am Jahresschluss geschickt: Herr Rouet, der französische Konsul, und Herr Ramsay, der englische Konsul, haben den Jahresschluss-Prüfungen in unseren Schulen beigewohnt. Jeder der Herren hat einen Vormittag dazu verwendet, die Schüler der höheren Klassen zu befragen. In der ersten und zweiten Klasse Hess Herr Major Ramsay die Schüler ein englisches Diktat schreiben und korrigierte alle Niederschriften sofort. Dann unterhielt er sich mit der Mehrzahl der Schüler in seiner Muttersprache und konstatierte mit grosser Befriedigung, dass die jungen Leute sie ziemlich fliessend sprachen. »Die Resultate dieses Jahres sind noch besser als die des vorigen Jahres," sagte mir Herr Major Ramsay, und versprach mir, für die besten Schüler der beiden obersten Klassen Prämien zu schicken. Herr Rouet hat die Mädchen und Knaben in Geschichte, Geographie und Arithmetik examiniert und hat sich besonders für die französische Sprache interessitrt. Die Schüler der ersten Klasse hat Herr Rouet über ihr 2 Lektüre befragt und hat ihnen einige Fragen über französische Literatur gestellt. Einen jungen Mann, der besonders gut geantwortet und ihm die grössten zeitgenössischen Dichter genannt hatte, fragte er; welches die drei grössten französischen Dichter des 19. Jahrhunderts waren, und welcher ihm am besten gefiele. Der Schüler nannte Viktor Hugo, Lamartine und Musset, zählte die Werke auf, die er von diesen Dichtern gelesen hatte, und fügte hinzu: „Ich liebe Lamartine am meisten, weil er melancholisch und religiös ist." Ich muss hierbei bemerken, dass in unserer Schule kein eigentlicher Literaturunterricht erteilt wird, und dass unsere Schüler nur auf Grund ihrer privaten Lektüre geantwortet haben. Herr Rouet sagte: „Ich habe zwei sehr interessante Stunden mit Ihren Schülern zugebracht; Sie geben Ihnen einen ziemlich umfassenden Unterricht, und keine Schule Bagdads könnte den Vergleich mit Ihrer Schule aushalten." Auch in mehreren anderen Städten haben die Autoritäten ihre Sympathie für das Schulwerk der Alliance ausgesprochen. In Salonichi haben Herr Alric, der französische Konsul, und Herr Violet, der Direktor der Dette Ottomane, den Schlussprüfungen beigewohnt und ihre vollständige Befriedigung über die bewiesenen Erfolge ausgesprochen. In Jaffa sind Se. Exzellenz der Gouverneur von Jerusalem und der französische Konsul bei der Verteilung der Preise zugegen gewesen, und in Rhodus haben der Generalgouverneur der Stadt und der französische Konsul die beiden Schulprämien gestiftet.