Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Die Lösung der Judenfrage
- Date
- 1907-10-01
- Page
- Seite 629 - 630 (sequence 1)
- Language
- German
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629 630 „Die Cösung ber Jubenfrage." €ine Antwort üOll OD. A. Klausner. Nachdruck verboten. Im Sommer biefes ]at)res \)at Dr. (Doses einer grösseren 3a\)\ von (Donnern unb frauen folgenbe vier fragen 3ur Beantwortung vorgelegt: 1. Worin besteht nad) lljxex Anschauung bas Wesen ber Jubenfrage? 2. Glauben Sie, bass bas jubenproblem ein für alle Cänber gleiches Problem ist, ober glauben Sie, bass bie Jubenfrage in ben versd)iebenen Cänbern aud} eine versd)iebene Cösung erheischt? 3. Worin besteht nad) Ihrer Anschauung bie Cöfung ber Jubenfrage? 4. Wenn Sie für bie versd)iebenen Cänber eine verscfyiebene Cösung ber Jubenfrage für nötig erachten, worin besteht biese Cösung ber Jubenfrage a) für Deutsd)lanb, b) für Rufelanb? Dr. OD ose s bat bie Antworten in einem Buch vereinigt, bas unter bem Titel „Die Cösung ber jubenfrage" bemnäd)st bei Curt Wiganb, Berltn=Ceip3ig, erscheinen wirb. Auf Wunsch bes ßerausgebers veröffentlichen wir \)\er bie Antwort, bie (D. A. Klausner ein* geschieht ha*: Sie haben bie freunblid)keit gehabt, mir vier fragen vo^ulegen. (Deine Antwort besteht in bem Bekenntnis meiner Un3ustänbigkeit. Hur wer (Ditglieb eines Be3irksvereins ist, hat bas Glück, für jebe frage eine autorative Antwort, für jebes Problem bie lösenbe Sormel bereit 3U haben. Id> bin nicht (Ditglieb eines Be3irksvereins; ich bin es so wenig, bass id) nicht einmal an ben Wert von formein glaube. Dod) ba Sie meine (Deinung 3U hören wünsehen, will id) Ihnen gern sagen, was id} über bie „jubenfrage" benhe; Ihren Cesern gegenüber müssen Sie bie Verantwortung bafür tragen, bass Sie einen Caien 3U öffentlicher Aussprache veranlasst haben. Wir Juben sinb, feit wir geschichtliches Ceben haben, anbers als anbere. Was uns anbers als anbere gemacht hat, das war unsere Religion, bie uns berief, in strenger Absonberung gegenüber allem ßeibentum bie (Dissionare bes mit bem Gottesgebanken unlösbar verknüpften (Denschheitsgec-ankens 311 sein. Unb ber Gottesgebanke besteht in ber aus (Densd)- heitsliebe geborenen, (Densd)heitsliebe be3wechenben Gerechtigkeit. Diesen (Densd)heitsgebanken haben unsere Propheten verkünbet unö uns eingeschärft unb allem anberen vorangestellt, selbst in ber 3eit, ba wir eine Dation waren unb eine Hation sein sollten. Anbers als anbere sinb wir von je gewesen, unb ben anbern gleich 3U sein haben wir von je gestrebt - balb burd) Bekehrung ber anberen 311 uns, balb burd) unsere Anpassung an bie anbern. Beibe Strömungen haben immer nebeneinanber bestanben, wir haben uns gleid)3eitig assimiliert unb abgesonbert, unb für bas eine wie für bas anbere hat es Propheten gegeben. Die Propheten beiber Richtungen haben sich vergeblich bemüht. Denn man assimiliert sich nid)t weil man will, sonbern weil man muss, unb man wiberstrebt ber Assimi* lation nid)t, weil man will, sonbern gleichfalls nur aus innerem, naturgewaltigem Drang. Dass wir für freien Willen halten, was in Wahrheit unbe* wusster 3wang ist, beruht auf Selbsttäuschung. So manche haben sid) im Cauf ber 3eiten von uns getrennt, so manche sinb 3U uns gekommen; im grossen unb gan3en ist unsere Gemeinsdjaft geblieben — anbers als anbere. Dass man unser Anberssein als eine Art Unred)t empfinbet, bas wir begehen, bass man es uns 3um Vorwurf macht - barin besteht eben bas Anberssein ber Anberen, bie ben (Den$d)heitsgebanken noch nicht voll in sid) aufgenommen haben, bie ben Gottesgebanfc&v ber Gerechtigkeit nur mit 6insd)ränkungen wollen gelten lassen. Die Abneigung gegen bje, bie anbers sinb, nimmt tausenb Vorwänbe, x\ad$ Cänbern unb Sittten unb 3eiten verschieben; sie äussert sid) hier burd) Runbgebung ber Verachtung, bort burd) 3urückset3ung, bort burd) ßanblungen ber Grausamkeit. Wir Juben haben es erfahren unb erfahren es fortgeset3t - nid)t wir allein. Wann bies aufhören wirb? Sie können mid) eben so gut fragen, wann bas messianisd)e Reich kommen wirb.