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Ost und West · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1907) · p. Seite 587 - 588

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1907)
Article
Aus anderen Gemeinden Persiens
Date
1907-08-01
Page
Seite 587 - 588 (sequence 1)
Language
German
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587 58S Aus anderen Gemeinden Persiens. Nachdruck verboten. Spezialberichte an die A. I. U. — Von Loria und Lahana. Schiras, den 26. April 1907. Ich rnnss Ihnen über die beklagenswerte Lage berichten, die unseren unglücklichen Brüdern in der ganzen Provinz Fars bereitet worden ist. Das Uebel ist hier schlimmer als anderwärts, weil unsere G laubensgenossen in grosser Zahl über die Ortschaften der Provinz zerstreut sind. "Die israelitische Bevölkerung ist in den kleinen Städten und Dörfern wie folgt verteilt: Dscharum 300; Nobandagun 300; Sargun 300; Darab 150; Caserun 100; Lar 70; Dagar 150; Kowat 60; Firus-Abad 70. Am Samstag, 6. April, wurde das israelitische Viertel von Dscharum von einer grossen Zahl Muhamedaner überfallen. Unsere Glaubensgenossen wurden misshandelt und konnten erst nach sechstägiger Gefangenhaltung, die sie in ihrem Viertel zu erdulden hatten, wieder an ihre Geschäfte gehen. In Darab hatte sich ein muhamedanisches Kind verlaufen und war einige Tage unauffindlich. Man beschuldigte die Israeliten, das Kind getötet zu haben, um sich seines Blutes zum Osterfest zu bedienen. Mit Staunen und Betrübnis habe ich wahrgenommen, dass das Märchen vom Hitualmord hier fast überall verbreitet ist. Die Israeliten von Darab wurden zwei Wochen hindurch in den Bazaren belästigt, bis das Kind wiedergefunden wurde. In Lar sind die Leiden unserer Brüder alten Datums. Nach meinen Ermittelungen ist die Gemeinde von Lar an 200 Jahre alt und war zahlreich. Das wird auch von der Ueberlieferung in Schiras bestätigt. Verfolgungen und Leiden haben die Gemeinde, die mehrere Tausend Mitglieder zählte, auf nur 70 Seelen herabgebracht. Auswanderung und Uebertritt waren die Geissein, unter denen sie verkümmerte. Die Priester der Ortschaft machten es sich jüngst zur Pflicht, mit der kleinen Zahl Ungläubigen zu Ende zu kommen. Die Anwendung der bedrückendsten Ausnahmegesetze sollte dazu helfen. Wiederholt wandten sich unsere Glaubensgenossen brieflich an mich. Leider ist das von Schiras weit entfernte Lar dem Einfluss der Behörden unserer Stadt entzogen. Alle meine Anstrengungen waren vergeblich. Vor die Wahl zwischen Uebertritt oder Verbannung gestellt, entschieden sich unsere Brüder für die Verbannung. Sie wollen in Bendar-Abbas und in Dscharum eine Zuflucht suchen. Die Gemeinde Nobandagun wird von einem Teil der Behörden hart bedrängt. Nach den jüngsten Wirren verlangten die Mohamedaner von Nobandagun eine Erhöhung der von den Juden zu leistenden Abgaben, weil ein grosser Teil des Bandeis in ihren Händen sei. Der Gouverneur stimmte der Forderung gern zu, und sein Vorgesetzter, Salar-es-Sultan in Schiras, der aus dem Steuerzuschlag Gewinn erhoffte, unterstützte das Verlangen. Seit einigen Tagen sind fünfzehn Notable der Gemeinde Nobandagun in unserer Stadt. Ich stehe ihnen nach Kräften bei, eine Ermässigung der Steuern zu erwirken, die von 40 auf 200 Tornau hinaufgeschraubt worden ist. Dringe ich hier nicht durch, so will ich mich nach Teheran wenden. Die willkürliche Steigerung der Abgabe würde für die anderen Städte ein bedauerliches Präzedens bilden. Schiras, den 30. Mai 1907. Infolge der schweren Wirren und der vollständigen Anarchie in unserer Provinz wird die Lage unserer Glaubensgenossen in Fars von Tag zu Tag kritischer. In Lar gibt es keinen einzigen Israeliten mehr. Von denen, die in den Hafenorten Zuflucht gesucht haben, bin ich ohne Nachricht. Ich schliesse darausr dass sie dort Heim und Sicherheit gefunden haben. Von den nach Dscharum Geflüchteten erhalte ich betrübliche Nachrichten. Nach schwieriger und entbehrungsreicher Reise sind sie in dieser Stadt angelangt. Da die Lage unserer Glaubensgenossen in Dscharum unter der Mittelmässigkeit. ist, konnten die Auswanderer weder Unterkunft noch Unterstützung finden. Die Männer von Lars mussten ihren Gastwirten die Sefer-Tora ihrer alten Synagoge verkaufen. In dieser Woche haben sie uns mitgeteilt, dass einige von ihnen die Absicht haben, in Schiras Arbeit zu suchen. Ich habe ihnen abzureden versucht, weil ich überzeugt bin, dass sie anderwärts besser aufgehoben sein würden, als in unserer Stadt, wo das Elend unserer Glaubensgenossen ohnehin gross ist, In Schi ras selbst herrscht vollständige Anarchie. Nicht einmal die Ausländer geniessen hier SicherheitT geschweige denn unsere unglücklichen Glaubensgenossen. Der Gouverneur erklärt sich ausser Stande,, die Ordnung in der Stadt aufrecht zu erhalten und irgend jemandes Besitztum zu schützen. Die Bazare sind geschlossen, die Stadt ist dem Belieben durchziehender bewaffneter Banden überliefert, die am hellen Tage Angriffe sogar auf die angesehensten Personen wagen. Der Grosseigentümer Kawam-el-Molk, der die Macht eines wirklichen Gouverneurs ausübt, ermutigt diese Banden und reizt sie an, um die Absicht der Verfassungsfreunde zu vereiteln, die seine Entfernung nach Teheran verlangen. Die wenig zahlreichen Konservativen, die dem Kawam seine ganze frühere Macht erhalten sehen möchten, scheinen nicht zur Nachgiebigkeit geneigt. Aus der Hauptstadt ist Befehl gekommen, dass der Kawam mit seinen beiden Söhnen unverzüglich abreise; sie erklären aber, dass sie nicht aufbrechen werden, ehe sie in Schiras viel Blut vergossen haben. In einer solchen Lage wirbt man um

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