Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1907)
- Article
- Israeliten in Persien
- Date
- 1907-08-01
- Page
- Seite 575 - 576 (sequence 2)
- Language
- German
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575 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die israelitische Gemeinde in Kachan. 576 nach dem Hauptthema suchen, um das der Künstler das phantastische Gewebe geschlungen hat. Das Bestehen einer jüdischen Gemeinde in Kum und ihr Massenübertritt zum Islam ist uns aber nicht allein durch die Schrift des Babai ben Lotf bekannt geworden. In Kachan lebende Notable haben mir erklärt, sie hätten Gesetzesrollen besessen, die über 500 Jahre alt gewesen wären und yon Kum herstammten. Selbstverständlich sind diese Reliquien inzwischen in die Sammlungen unserer Glaubensgenossen in Europa übergegangen. Und heute noch, da nur ein einziger russischer Jude in Kum wohnt, hat ein ganzer Stadtteil seine ehemalige Bezeichnung behalten: „rnahale yeoudiya" (Judenviertel). Man zeigte mir dort sogar am Rand der Felder, inmitten blühender Granaten, das Mausoleum Zeporas, der Frau des Mose. Das Denkmal ist von patriarchalischer Einfachheit: Vier von einer Kuppel überragte Lehmmauern, im Innern ein einfacher Kubus aus Backsteinen, der mit Kalk getüncht und mit Inschriften bedeckt ist, die der Nachwelt die Namen der Besucher übermitteln sollen. Das Grab ist ringsum von hochstehenden Gräsern überwuchert; die Krähen haben in den verfallenden Mauern ihre Nester gebaut, und das von allen verlassene Mausoleum scheint der Vernichtung anheimgegeben. Einige Kilometer hinter Kum verschwinden die bebauten Felder, das Land gewinnt wieder das Aussehen der Wüste, und der Weg zieht sich bis an die Grenze des Horizonts zwischen Hügeln auf steinigem Boden hin. Nicht ein Wasserstrahl, nicht ein Grashalm, nicht ein frischer Ton in dieser Landschaft, nur grauer Boden und der trübe, metallische Widerschein der Felsen. Erst vor den Toren Kachans sieht man wieder bestelltos Land und hier und dort m a s:ere B a u m gm p p e n. af j? *j"M^lal Die Alliance Mädchenschule in Bagdad. (I. Klasse.) Kachan ist an die letzten Abstufungen einer Felsenkette gebaut, die das südliche Ende der Stadt umgeben. Seine topographische Lage, am Saum der sich bis Ispahan erstreckenden Sandwüste, hätte den Ort schon vor Begründung der Stadt als geeigneten Ruhepunkt für die nach dem persischen Meerbusen ziehenden Karawanen von Kamelen erscheinen lassen. Im Jahre 607 der üblichen Zeitrechnung zeichnete ein Mitglied der Familie Malek Adjar den Umkreis der Ortschaft mit Strohhalmen ab (Kah chevan), daher noch der heutige Name Kachan. Bildung der Gemeinde. Die jüdische Gemeinde Kachan ist eine der ältesten Persiens. Nach den von Geschlecht zu Geschlecht bei unseren Glaubensgenossen in dieser Stadt überlieferten Traditionen scheint die Bildung des ersten Kerns dieser Gemeinde noch vor der Eroberung Persiens durch den Islam stattgefunden zu haben. Das Fieber der Proselytenmacherei, das im Lande erst nach der Schlacht bei Nehavend nachließ (im Jahre 20 der Hedschra) und das den Übertritt der Völker Persiens zum Glauben Mohameds zur Folge hatte, war dem kleinen, eben begründeten Städtchen fern geblieben. Die Juden von Kachan ließen den Sturm vorübergehen und machten es sich zur Pflicht, allen ihren Glaubensgenossen des Fars, deren Heim durch die Heere der Khalifen verwüstet worden war, den Rettungsbalken zu reichen. Die Gemeinde von Kachan stand damals auf der Höhe; kein Kontingent von Einwanderern setzte sich dem autochthonen Stamm entgegen, der sich durch die Jahrhunderte rein erhielt und stolz auf seinen im Dunkel der Vergangenheit verschwimmenden Ursprung. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen Schirasi (Juden aus Schiras) und Jasdi (Juden aus Jesd) nach Kachan und vermehrten den Bestand der dortigen Gemeinde. — Vergebens forscht man in den Schriften der Zeit nach denGeschicken dieser Handvoll Juden, die. zehn Jahrhunderte lang von der großen jüdischen Familie losgelöst, von einer unduldsamen exklusiven Bevölkerung umgeben, unter dem Zwange lebten, alles zu vermeiden, was in ihren Sitten und Gewohnheiten dem persischen Partikularismus verdächtig erscheinen konnte, die aber trotzdem entschlossen waren, durch Jahrhunderte der Unterdrückung und Quälerei die Religion ihrer Väter zu retten. Kein Dokument hat uns ein auch nur schwaches Echo der Leiden jener Märtyrer übermittelt. Wer aber die Widerstandskraft des jüdischen Volkes kennt und die wilde Energie, mit der es seine Traditionen und seine Sitten verteidigt, braucht nur den