Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1907) · p. Seite 573 - 574

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1907)
Article
Das Unterstützungswerk der Alliance in Casablanca
Date
1907-08-01
Page
Seite 573 - 574 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2583875-2583954-2583963-2588983--07476-2589082
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

573 574 Pilgerfahrt von Zöglingen der Handwerkerschule 5. Jahrgangs nach Jerusalem. ISRAELITEN Die israelitische Q< (Spezialbericht an die A. ] Teheran, 9. Juli 1907. Kachan liegt in der Mitte zwischen Teheran und Ispahan an der großen Handelsstraße, auf der die Karawanen vom kaspischen Meer zum persischen Meerbusen ziehen müssen. Auf diesem ungeheuren, von Norden nach dem Süden Persiens durch nackte, sandige Ebenen laufenden Wege trifft man zwischen der Hauptstadt und Kachan nur auf einen einzigen Platz von einiger Bedeutung, das ist Kum. Diese Oase erhebt sich in.wunderbarer Weise mitten in kahler und trauriger Gegend, wo£man auf einer Strecke von 100 km keine einzige Baumgruppe findet, und wo kaum ein paar widerstandskräftige Ranken sich an die Felsenwand schmiegen. In früheren Zeiten hat Kum, wie Mesched und Tebris, zu den blühenden? jüdischen Gemeinden gezählt. Jetzt ist es die Stadt der Pilgerzüge, die auf der Ebene wie zum Gebet auf den Knien liegt und die goldfunkelnde Kuppel seiner Moschee wie^die schlanken Türmchen seiner 446 von Storchnestern besetzten Mausoleen gen Himmel streckt. Der Massenübertritt der Juden von Kum zum Islam fällt noch unter die Regierungszeit des Schahs Abbas I. des Großen (1557—1628). Dieser Monarch war im Besitz eines mit wertvollen Edelsteinen besetzten^Dolches, den er als eine Familienreliquie'* hoch hielt. Während einer Treibjagd war de$ Herrscher, von seinem Gefolge abgetrennt, in großer Ermüdung unter einem Baum eingeschlafen; seinen Dolch' hatte er neben sich gelegt. Bei seinem IN PERSIEN. smeinde in Kachan. , U. von Direktor Loria.) Nachdruck verboten. Erwachen war die Waffe verschwunden, und alle Nachforschungen blieben fruchtlos. Drei Monate später erfuhr man, ein Jude habe einem Juwelenhändler mehrere der Steine verkauft, die den Griff des Dolches geschmückt hatten. Schah Abbas ließ den Juden vor sich kommen, und verlangte von ihm eine Erklärung über die Herkunft der kostbaren Steine. Der Jude beteuerte seine Unschuld und blieb trotz der Folter bis zu seinem Tode dabei, daß er dem denunzierenden Juwelenhändler überhaupt nichts verkauft hätte. Zur Strafe dafür erließ Schah Abbas ein Edikt, das die Juden seines Königreichs aufforderte, zwischen dem Tode und dem Übertritt zum Islam zu wählen. Babai ben Lotl, der diese Ereignisse in einem mit hebräischen Buchstaben geschriebenen jüdischpersischen Manuskript berichtet, fügt hinzu, daß ungefähr tausend Juden dieses angebliche Verbrechen büßten, und daß mehrere Gemeinden bei diesem traurigen Ereignis verschwanden. Zu diesen muss man auch wohl Kum rechnen. Natürlich hat diese Erzählung nur zweifelhaften Wert und gehört mehr der Legende als der Geschichte an. In Persien gibt es eine Legion von Chronisten, die Geschichtsannalen nach dem Vorbild der Perraultschen Märchen schreiben, und die den Völkern, die seit dem Altertum Persien bewohnt haben, ohne Dokumentenstudium und ohne sich um die Wahrheit zu kümmern, eine sagenhafte Vergangenheit aufbauen. Deshalb muß man bei diesen Manuskripten zwischen poetischen Wendungen und wohlklingenden Worten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.