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Ost und West · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1907) · p. Seite 561 - 562

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1907)
Article
Zwei Ärzte
Date
1907-08-01
Page
Seite 561 - 562 (sequence 4)
Language
German
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561 Dr. med. Theodor Zlocisti: Zwei Aerzte. 562;&i -1 m V'S^ >j säuberlich nach rechts und links fielen und aus den geradlinigen Furchen die Halme ernst iu die Höhe sprossten. Ein Schüler des Begründers moderner Physiologie, Johannes Müller, ein Jünger des grossen Klinikers Ludwig Traube, war er ein Mehrer ihres Erbes. Und seine umfangreichen Werke, in denen Senator das Wissen ganzer Gebiete zusammenfasste, sind nie Kompilationen gewesen, sondern Neuschöpfungen, welche die sichtende, ordnende wertende Meisterhand offenbaren. Sie bieten nur wenig Ueberraschungen, halten sich von schweifenden Hypothesen frei, in denen die Fantasie über den niederhaltenden Zwang des nüchternen Experimentes und der Beobachtung mit leichten Sinnen hinausflattert. Man hört den ernsten, schweren Schritt des Mannes in seinen Werken, dem der Reichtum des Bodens - seines Bodens! — mehrBefriedigung gibt als die unruhigen Wolken über ihm. Senators Art steht jenseits aller Poesie, die durchaus nicht die Feindin der Natur - forschung ist. Sie hat nicht jenen leisen Hauch der Mystik, die um alle ewigen Werte liegt. Sie ist intellektuell und von jenem gar zu geradlinigen Rationalismus, der fast ein Stigma der aufwärtsstrebenden Judengenerationen vom Beginn des Jahrhunderts ist. Senator adelt seine kernige Ehrlichkeit, die wie ein gesundes Balkenwerk das Heim seines Lebens durchzieht. Ehrlichkeit der Ueberzeuguug ist Ehrlichkeit der wissenschaftlichen Arbeit, des Lehrens und des Duldens! — Senator hat immer treu zum Judentum gestanden, dessen zähe Kraft in ihm wirkt. Seit vielen Jahren ist mL ffl^y- Prof. Dr. E. Mendel. er Repräsentant der jüdischen Gemeinde; und war er auch von der konservativen Partei, die unter M. A. Klausner's geistiger Führung der breiten jüdischen Masse engere Fühlung zur Gemeinde brachte, in die Gemeindestube getragen worden, so erwarb er sich bald die Hochschätzung auch der Liberalen. Er selbst ist freilich nur in dem Belang: als konservativ zu bezeichnen, als bei ihm die Pietät gegen die Tradition stärker pointiert ist. Lebendige Ueberzeugung ist sein Konservatismus nicht. Senator ist aber auch „kirchlich" zu wenig interessiert, um zu den anachronistischen Strebungen des Liberalismus eine innere Beziehung zu haben. Sein Judentum ist nicht scharf umgrenzte Weltanschauung. Es ist eine heilige Stimmung. Ein reines Gefühl des Stolzes auf die kulturschöpferischen Kräfte des jüdischen Stammes; historisches Bewnsstsein der Tätigkeit unserer Gemeinschaft! So findet er den Quell aller Treue und zugleich der Existenzberechtigung der Juden in den ethischen Inhalten der jüdischen Lehre, deren Lebenskraft nicht zu greisenhafter Dürre vertrocknet ist, und deren immanenter Expansionstrieb noch Aufgaben und Ziele in der Menschheit hat. Senator hat vor einigen Jahren die wissenschaftlichen Vorlesungen für Akademiker geschaffen, aus denen das meisterhafte Werk von Eschelbacher hervorging. Und in gleicher Richtung bewegt sich Senators Anteilnahme an der Verbreitung der „ethischen Bele<: - stellen", die stolz den Vergleich mit dem Christentum herausfordern.

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