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Ost und West · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1907) · p. Seite 501 - 502

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1907)
Article
Narcisse Leven, Präsident der Alliance Israélite Universelle und der J. C. A., über die Tätigkeit der Jewish Colonisation Association im Jahre 1906
Date
1907-08-01
Page
Seite 501 - 502 (sequence 5)
Language
German
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501 Präsident Narcisse Leven über die Tätigkeit der Jewish Colonisation Association im Jahre 1006. 502 nur, weit es unser Hauptunternehinen ist, sondern um dem weitverbreiteten Vorurteil entgegenzutreten, dass die Juden unfähig zur Landarbeit sind. Sie haben in früheren Zeiten immer Landwirtschaft getrieben und haben damit nur autgehört, weil man sie daran gehindert hat. Aber das ist alte Geschichte, die auch gebildete Leute nicht zu kennen brauchen. Habe ich doch erst kürzlich gehört, wie ein Diplomat den Juden Osteuropas den Vorwurf machte, keine Ackerbauer zu sein, und das in einem Lande, in dem sie nicht nur kein Land erwerben, sondern nicht einmal auf dem Lande wohnen dürfen! Ich hätte diesen Diplomaten gern ersucht, einmal einen Besuch in Argentinien zu machen, wenn Argentinien nicht so weit ab läge; dort könnte er sehen, mit welcher Freude und mit welchem Erfolg die Juden in einem freien Lande zur Landarbeit zurückkehren. Ist es denn nötig, Europa zu verlassen, um zu beweisen, dass die Juden zu dieser Arbeit geeignet sind? Sind sie nicht in Rumänien, soweit sie dort auf dem flachen Lande wohnen dürfen, Landarbeiter und Milchwirte, obwohl sie selbst nicht Gutsbesitzer werden können? Gibt es nicht in Kussland vor langen Jahren begründete landwirtschaftliche Kolonien, wo auf dem von der Regierung sehr eng begrenzten und ganz ungenügenden Terrain das irgend mögliche erzielt wird, und beschäftigen sich nicht in Bessarabien, Podolien, in den Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw und in den nordwestlichen Gouvernements zahlreiche jüdische Familien ausschliesslich mit Landwirtschaft? In dem Gebiet, wo seit dem Mai 1882 die Juden nicht mehr auf dem flachen Lande wohnen dürfen, haben sie vor den Toren der Städte gedeihliche Gartenindustrien geschalten. Aus unserem Bericht können Sie ersehen, was wir seit sieben Jahren zur Unterstützung der jüdischen Ackerbauer und Gärtner getan haben. Da es in Russland bei der allgemeinen, durch Verfolgungen fortwährend vergrösserten Not nicht genügt, den Landarbeitern beizustehen, haben wir ausser dem Unternehmen der billigen, gesunden Arbeiterwohnungen in Wilna und Bobruisk, der 550 Arbeiter beschäftigenden Weberei in Dubrowna, den Kooperativgenossenschaften für Tischler und Schumacher in Hornel, Bobruisk und Wilna, noch eine Reihe von Volkskreditinstituten geschaffen. Diese gewähren den Handwerkern und kleinen Kaufleuten Vorschüsse, die mit bewunderungswertem Geschick ausgenutzt werden. Die Kassen vermehren sich ungeheuer schnell. Im vorigen Jahr waren es 35, in diesem Jahr sind 59 neu begründet worden. Eine grosse Anzahl anderer ist bereits organisiert und wartet nur auf die behördliche Genehmigung zum Beginn des Betriebs. Die 35 im vorigen Jahr von uns unterstützten Institute — um nur von diesen zu reden — umfassen 29 435 Mitglieder, meist Familienväter; man darf also die Zahl der an der segensreichen Tätigkeit dieser Darlehnskassen interessierten Personen auf 150 000 schätzen. Diese Tätigkeit wird auf einem Gebiet ausgeübt, das beinahe eine halbe Million jüdischer Einwohner zählt. Die Kassen verfügten am Ende des Jahres über ein Betriebskapital von insgesamt 1 577 815 Rubel. Sie sind sehr gut verwaltet, die Höhe ihres Eeservefonds — 35 896 Rubel — beweist zur Genüge den Erfolg ihrer Unternehmungen. Sie erfreuen sich auch des Vertrauens der Ortsbevölkerung, die ihnen in immer grösserem Umfange ihre Ersparnisse übergibt. Die Darlehnsempfänger entledigen sich ihrer Verpflichtungen mit bemerkenswerter Pünktlichkeit, und dadurch wirken die Institute auf die moralische Erziehung ihrer Klienten ebenso wie auf ihre wirtschaftliche Förderung. Sie haben im vorigen Jahr, nach den Pogromen, unschätzbare Dienste geleistet. Unsere Darlehnskassen in Galizien gedeihen ebenfalls. Das Jahr 1906 hat ihnen 1890 neue Mitglieder gebracht, die Gesamtzahl ihrer derzeitigen Mitglieder ist 8639; neue Darlehnskassen werden für dieses Jahr geplant. Meine Herren, ich habe \ersucht, die wesentlichen Punkte unserer Tätigkeit hervorzuheben. Ich hätte Ihnen noch interessante Mitteilungen zu machen über unsere Arbeit an den 27Elementar- und 2 Handwerkerschulen in Rumänien, die am Ende des vorigen Jahres 5275 Schüler zählten; an den 51 Elementarschulen in Russland mit 7100 Schülern; den 40 Handwerkerschulen in diesem Lande, die eine grosse Anzahl junger Leute — im letzten Jahr 2540 — in verschiedenen Handwerken unterrichten; den 7 Landwirtschaftsschulen in Kleinasien, Galizien und Russland. Wir beschäftigen uns ernstlich mit der Zukunft der Juigend, die nicht nur gegen die gewöhnlichen Schwierigkeiten des Lebens zu kämpfen berufen ist, sondern auch gegen den traurigen Druck, den die Regierung auf die Juden ausübt; in Rumänien, wo sie vor 50 Jahren die vollständige Emanzipation der Juden versprochen hat, und in Russland, wo sie seit 40 Jahren erhoift wird. Werden die heutigen Kinder in ihrem Lande bleiben

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