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Ost und West · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1907) · p. Seite 495 - 496

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1907)
Article
Narcisse Leven, Präsident der Alliance Israélite Universelle und der J. C. A., über die Tätigkeit der Jewish Colonisation Association im Jahre 1906
Date
1907-08-01
Page
Seite 495 - 496 (sequence 2)
Language
German
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495 Präsident Narcisse Leven über die Tätigkeit der Jewish Colonisation Association im Jahre 1906. 496 Tätigkeitsfeld. Die jüdische Frage ist so umfassend und. so verwickelt, dass sie die wetteifernde Teilnahme jedes guten Willens rechtfertigt. Jeder kann seinen Anteil haben und nützlieh wirken, sofern er diesen Anteil einzugrenzen und so zu ordnen versteht, dass er in die gemeinsame Tätigkeit sich einfügt. Infolge der russischen Wirren und der von ihnen angerichteten Verwüstungen war die russische Auswanderung im Jahre 1906 besonders stark. Die Vereinigten Staaten haben 186 089 Einwanderer aufgenommen. Unfraglich haben die schmerzlichen russischen Ereignisse hierbei wesentlich mitgewirkt; doch muss erwähnt werden, dass die Einwanderung in die Vereinigten Staaten schon Jahre vorher fast ununterbrochen gestiegen ist. Die Statistik gibt folgende Ziffern lür Newyork allein: 1901 38 565 Einwanderer 1902 57 641 55 1903 63 550 J? 1904 104 870 11 1905 88 533 ff 1906 156 964 7} Für Kanada ist die Statistik weniger genau. Man darf die Zahl der Auswanderer, die sich im Jahre 1906 dort niedergelassen haben, auf 9000 schätzen. Endlich beginnt die Argentinische Republik, bisher den russischen Auswanderern wenig bekannt, dank unseren Kolonien, eine grosse Zahl unserer Glaubensgenossen aufzunehmen. Im Jahre 1906 sind 13 500 von ihnen in dieses Land eingewandert. Wir sind weit entfernt von der Zeit, da es notwendig war, die Auswanderung anzuregen und ins einzelne zu organisieren. Für die jetzige Auswanderung ist die Freiwilligkeit charakteristisch. Es ist immer ein schwerer Entschluss, sich von dem Geburtsland zu trennen, das der Israelit liebt, trotz der Leiden, die er dort erduldet, und eine neue Existenz in einem Lande zu suchen, dessen Sprache und Sitten man nicht kennt. Den Juden kommt der Entschluss hart an, aber er fasst ihn und führt ihn aus freiem Willen aus. Glücklicher als die ihm vorangezogen sind, weiss er wenigstens, wohin er geht; er kommt an einen Ort, wo er freundlich aufgenommen zu werden und Arbeitsgelegenheit zu finden erwarten darf. Meist sind es Freunde und Verwandte, die ihn rufen. Wenn man sich gegenwärtig hält, dass Verfolgung und Drangsal seit 37 Jahren die Juden Osteuropas in Massen westwrärts, namentlich nach Amerika treiben, so begreift man, dass die Wege jetzt gebahnt sind, dass ein starker Strom vorhanden ist,, dass die Bewegung andauert und sich beschleunigt. Zu mächtig und zu ausgedehnt ist diese Bewegung, als dass unsere Gesellschaft oder irgend eine Gesellschaft, wie gross immer ihr Einfluss und ihre Hilfsmittel sein mögen, hoffen dürfte, sie in Händen zu halten, zu organisieren, zu leiten. Das kann nur verkennen, wem es an Wirklichkeitssinn fehlt. Damit ist nicht gesagt, dass unsere Intervention aufhören müsste. Zunächst ist die Anhäufung der jüdischen Bevölkerung in den grossen Landungshäfen, namentlich in Newyork, nicht ohne Bedenken, wäre es auch nur wegen des übergrossen Angebots bei dem Suchen nach Arbeit. Wir bemühen uns, die Auswanderer auf die verschiedenen Gebiete der Vereinigten Staaten zu verteilen. Ein unter dem Namen Rem oval Office in Newyork gebildetes Comite, dem wir alle erforderlichen Mittel liefern, hat bereits seit mehreren Jahren diesen Versuch unternommen, der ihm auch geglückt ist. Das Eemoval Office hat von Newyork nach den Binnenstädten übergeführt: im Jahre 1901 1830 Personen 9 „ 1902 3206 „ „ 1903 5525 „ „ 1904 6023 „ „ 1905 6005 „ „ 1906 6922 Die Uebersiedlung derer, denen wir Unterstützung gewähren, bestimmt viele andere, ohne jede Unterstützung den gleichen Weg einzuschlagen und sich in einer beträchtlichen Anzahl von Städten niederzulassen, in denen es bisher keine israelitischen Einwohner gab. Zur Begünstigung dieser Ausbreitung empfiehlt es sich, schon in Russland selbst die nötigen Schritte zu tun, um die Auswanderer allmählich dahin zu bringen, dass sie sich direkt in das Innere der Vereinigten Staaten begeben. Zu dem Ende braucht man ihnen in der Hauptsache blos von den neuen Gebieten Kenntnis zu geben. Hierfür sind die Informationscomites, deren Organisierung in fast allen wichtigen Städten des russischen Niederlassungsgebiets uns kürzlich geglückt ist, vorzugsweise geeignet. Diese Comites bestehen aus eifrigen, selbstlosen, der Sache ergebenen Männern, handeln nach gemeinsamen Verhaltungsmassregeln und unterstehen unserer Kontrolle. Sie treiben niemanden zur Auswanderung an; sie unterrichten blos die Auswandernden über den Weg, den sie einzuschlagen, über das

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