Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1907)
- Article
- Von der jüdischen Auswanderung
- Date
- 1907-07-01
- Page
- Seite 471 (sequence 2)
- Language
- German
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471 nach ihrer bereits erfolgten Landung in New York zur Uebersiedelung nach einem entfernteren Gebiet zu veranlassen. — Im Frühjahr 1906 ist dann von einem in Berlin begründeten „Studiencomite für jüdische Kolonisation", dessen Vorsitzender das Mitglied des Berliner Lokal-Comites der Alliance Israelite Universelle, Herr Direktor Oliven ist, zum ersten Male die Anregung gegeben worden, einen Teil der jüdischen Auswanderer nach den südlichen Häfen der Vereinigten Staaten, vornehmlich nach Galveston, und nach Südamerika zu führen. Dieser Plan fand nachdrückliche Unterstützung durch die Schiffahrtspolitik des Norddeutschen Lloyd in Bremen, dessen umsichtige Leiter schon vor Jahren eine direkte Verbindung zwischen Bremen und dem Hafen Galveston in Texas errichtet hatten. Dieser Plan, der zu lebhaften Diskussionen innerhalb der jüdischen Organisationen geführt hatte, ist dann späterhin von dem bekannten Philantropen Jacob H. Schilf in New York aufgenommen, und durch dessen Freigebigkeit der praktischen Verwirklichung nähergerückt worden. Die zur Durchführung dieses Planes notwendigen Vorarbeiten hatte die unter Leitung Israel Zangwills in London stehende Jewish Territorial Organisation übernommen, die zu diesem Zweck ein besonderes Bureau in Russland errichtet hat. Nachdem die notwendigen Vorbereitungen in Russland getroffen waren, konnte die durch das Bureau der JTO in Russland organisierte erste Gruppe von jüdischen Auswanderern am 7. Juni mit dem Postdampfer „Cassel" des Norddeutschen Lloyd von Bremerhaven nach Galveston expediert werden. Diese Gruppe bestand aus 60 Personen, die sich sämtlich im besten Mannesalter befanden. Der Leiter des russischen Bureaus der JTO, Herr Dr. Jochelmann hatte die Gruppe bis nach Bremerhaven begleitet. Unser Bild führt uns die jüdischen Auswanderer kurz vor Abgang des Daiiip;crs vor. 472 Die Direktion des Norddeutschen Lloyd in Bremen, die stets den Wünschen der jüdischen Passagiere in weitgehender Weise entgegenkommt, hatte ihren Beamten, Herrn Arthur Meyerowitz, zur Expedition des Dampfers nach Bremerhaven entsandt und ein besonderes Schreiben an den Kapitän des Dampfers, Herrn Jantzen, gerichtet, in dem die jüdischen Passagiere seiner besonderen Fürsorge empfohlen worden sind. Von den amerikanischen Glaubensgenossen ist Vorsorge getroffen, dass die Ankommenden von einem Comite, das sich aus angesehenen Glaubensgenossen der jüdischen Gemeinden in Texas zusammensetzt, empfangen und in geeigneter Weise auf die einzelnen Staaten verteilt werden. Eine zweite Expedition nach Galveston folgte am 20. Juni mit dem Dampfer „Frankfurt" des Norddeutschen Lloyd. Es darf an dieser Stelle mit besonderer Genugtuung konstatiert werden, dass die von führenden Männern der „Alliance Israelite Universelle" in Deutschland ausgehende Anregung auf so fruchtbaren Boden gefallen ist. Wir dürfen hoffen, dass durch das Zusammenwirken aller beteiligten Kreise dieser Plan unseren auswandernden Glaubensgenossen sowohl wie ihrem Bestimmungslande zum Segen gereichen wird. # # * Als weiterer Erfolg der oben erwähnten Bestrebungen darf verzeichnet werden, dass die jüdische Einwanderung in Argentinien in stetiger Zunahme begriffen ist. Laut dem amtlichen statistischen Bericht der argentinischen Regierung sind im Jahre 1906 13 880 Israeliten gegen 7516 im Jahre 1905 in den Häfen Argentiniens gelandet. Diese starke Zunahme der jüdischen Einwanderung in Argentinien ist hauptsächlich dem grosszügigen Kolonisationswerk der Jewish Colonisation Association zuzuschreiben, deren planvolles Vorgehen einer solchen starken Einwanderung seit Jahren die Wege geebnet hat. Almoni. Von der jüdischen Auswanderung.