Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1907)
- Article
- Von der jüdischen Auswanderung
- Date
- 1907-07-01
- Page
- Seite 469 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2583875-2583954-2583962-2588846--07350-2588916- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
469 470 -•ia^-^rsr-' ^mmm^1 Gruppe jüdischer Auswanderer, die unter Leitung der J.T. O. am 7. Juni mit Dampfer „Cassel" des Norddeutschen Lloyd in Bremen nach Galveston expediert worden sind. x Dr. Jochelmann. VON DER JUEDISCHEN AUSWANDERUNG, m*-**«**. Die jüdische Auswanderung aus dem Osten Europas, insbesondere aus Kussland, hat in den letzten Jahren einen Umfang angenommen, wie er seit der Völkerwanderung bisher nicht zu verzeichnen gewesen ist. Die systematischen Verfolgungen haben den wirtschaftlichen Euin unserer russischen Glaubensgenossen, der mit den Ignatj ewschen Maigesetzen vom Jahre 1882 begonnen hatte, beschleunigt, und sie gezwungen, das Zarenreich in Massen zu verlassen. In dem Zeitraum von 1880 bis 1905 sind etwa 1 x/2 Millionen Juden aus Russland ausgewandert. Der Mehrzahl nach wandten sich unsere Glaubensgenossen den Vereinigten Staaten von Nordamerika zu, wo sie sich hauptsächlich in den östlichen Teilen niederliessen. Durch die Bevorzugung einzelner Städte haben sich Missstände herausgebildet, die durch den alljährlich immer grösser werdenden Zustrom zu einem ernsten Problem sowohl für die bereits dort ansässigen, wie für die hinzukommenden Glaubensgenossen geworden sind. Inzwischen war auch in Amerika bei den amerikanischen Arbeitergewerkschaften, die durch den grossen Zustrom europäischer Arbeitskräfte sich in ihrer Existenz bedroht sahen, eine einwanderungsfeindliche Bewegung entstanden, die nach und nach die amerikanische Eegierung bestimmte, die Einwanderungsbedingungen wesentlich zu verschärfen. Diese Tatsache führte zu ernsten Erwägungen, ob es nicht im Interesse unserer Glaubensgenossen zweckmässiger wäre, anstatt in den bereits übervölkerten Centren des Ostens das Proletariat zu vergrössern, die Einwanderer lieber nach den aufnahmefähigeren Gebieten des Südens der Vereinigten Staaten zu lenken. Für diese Bestrebungen ist in New York das Industrial Removal Office tätig, eine mit Unterstützung der Jewish Colonisation Association segensreich wirkende Organisation. Der Tätigkeit dieses Bureaus waren aber gewisse Grenzen gesetzt, weil es erfahrungsgeinäss schwierig ist, die Einwanderer