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Ost und West · 1907-07-01 · Heft 7 (Juli 1907) · p. Seite 431 - 432

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 7 (Juli 1907)
Article
Aus vergilbten Papieren
Date
1907-07-01
Page
Seite 431 - 432 (sequence 3)
Language
German
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431 Prof. A. Berliner: Aus vergilbten Papieren. 432 jüdischen Aerzte von Trastevere, Manuele und Angelus, Vater und Sohn, und ihre ganze Familie von jeder Geldsteuer und jeder persönlichen Leistung, weil, wie es in dem betreffenden Dokumente heisst, sie in der Ausübung ihrer Praxis den römischen Bürgern viele Dienste erwiesen haben, indem sie ihre grosse Erfahrung und ihren unermüdlichen Eifer mit ausgedehnter Liberalität in der Behandlung auch armer Kranken zur Geltung brachten. Als aber die Gemeinde durch eine solche finanzielle Ausnahme der erwähnten Glaubensgenossen bei der Verteilung der aufzubringenden Summe auf die einzelnen Mitglieder sich geschädigt fühlte, verweigerte die Gemeinde ihnen den Zutritt zu ihren Gotteshäusern. Da reduzierte derselbe Senat im Jahre 1385 den Tribut für die Spiele Agone und Testaccio um 30 Goldgulden, solange die 2 Aerzte und die Söhne Angelus lebten. Dafür sollte aber die jüdische Gemeinde diesen Familien den Zutritt zur Synagoge zum Anhören des hebräischen Offiziums gemäss dem Gesetze Mosis gestatten. Hierbei wird ausdrücklich hervorgehoben, dass diese beiden Juden ausser vielen anderen Verdiensten auch noch darin zu loben seien, dass sie die armen Kranken unentgeltlich behandelten. Hierin, setzt Morandi hinzu, waren sie vielleicht die einzigen Christen in Eom. Nach dem Tode Manuels bestätigte der Papst Bonifacius IX. mit erweiterter Bulle vom Jahre 1399 dieselben Eechte und Befreiungen zu Gunsten Angelos, der ebenfalls sein Arzt und Familiäre geworden war. Als ein bemerkenswertes Zeichen jener Zeit ist eine andere Bestätigung dieses Papstes, welche in der Bulle vom Jahre 1392 enthalten ist; sie ist in meiner Geschichte der Juden in Rom II S. 62 zum Abdruck gelangt. DIE JUEDISCHE PRESSE IN OESTERREICH. Von Josef Lin, Berlin. Nachdruck verboten. Die Entstehung der jüdisch-periodischen Literatur fällt mit dem Abschluß des Mittelalters für die Juden in Zentral- und Westeuropa um den Beginn des XIX. Jahrhunderts zusammen. Die neuen Geistesströmungen, welche in die finsteren Ghettos eingedrungen waren, erheischten neue Ausdrucks formen. Voran gingen die deutschen Juden, die von den Aufklärungsideen des XVIII. Jahrhunderts zuerst ergriffen wurden. Moses Mendelssohn und sein Freundeskreis leiteten die neue Phase der jüdischen Kulturgeschichte ein. Und aus diesem Kreise ging auch der eigentliche Beginn der jüdischen periodischen Literatur hervor. Die sogenannte „Berliner Hascalah" schuf sich im Jahre 1783 ein Organ in der hebräischen Monatsschrift „Hameasseff — „Der Sammler" —, zu deren Mitarbeitern auch Mendelssohn, Hartwig Wessely, Friedländer, der Philosoph Salomon Maimon, Prof. Marcus Herz und viele andere bedeutende Dichter und Denker zählten. Die Hauptaufgabe dieser ersten hebräischen Zeitschrift war, das Bildungsbestreben auch auf die große Masse der deutschen Judenheit — die zu jener Zeit in ihrer überwiegenden Mehrheit die hebräische Sprache beherrschte*) — zu übertragen. Der Einfluß der „Berliner Aufklärung" sollte aber nicht auf Deutschland allein beschränkt bleiben, sondern weit über dessen Grenzen hinausreichen. Die erste Etappe war Österreich. Die „Measfim"-Richtung fand dort zunächst beinahe unverändert ihre Fortsetzung. Die jüdisch-periodische Literatur beginnt in den Donauländern mit den sehr bedeutenden, von Schalom Kohn begründeten hebräischen Jahrbüchern „Bikkure haittim" („Zeitfrüchte"), welche in Wien 1820—1831 erschienen und nach einem Vermerk auf dem Titelblatt des ersten Bandes „ein nützliches und lehrreiches Geschäfts- und Unterhaltungsbuch zum Neujahrsgescherik für gebildete Hausväter und Hausmütter, als Prämienbuch für die fleißig lernende Jugend"**) sein sollten. Die „Bikkure haittim" wurden aber mehr als „ein Geschäfts- und Unterhaltungsbuch", — sie wurden zu einer Bildungsquelle für die österreichische Judenheit, zu einem Sammelplatz aller führenden „Maskilim" in Österreich - Ungarn. Was der „Hameassef" in Deutschland bedeutete, das wurden die „Bikkure haittim" in der Donau-Monarchie, Zu ihren hervorragendsten Mitarbeitern gehörten auch der geniale S. D. Luzatto, der geistvolle J. S. Reggio, der Sprachgelehrte J. B. Schlesinger und S. J. Rapoport, der neben Zunz der Begründer der neujüdischen Wissenschaft wurde. 1825 bis 1831 waren die „Bikkure haittim" das einzige periodische Literaturerzeugnis der gesamten Judenheit. Das Programm dieser Jahrbücher war zum größten Teile dem des „Hameassef" nachgebildet. Mehrere Auszüge aus dieser Monatsschrift wurden sogar wörtlich in den „Bikkure haittim" nachgedruckt, die in der Kopierung ihres berühmten Vorgängers schon eine gewisse geistige Unselbständigkeit zeigten. Der deutsche Einfluß zeigte sich besonders in ihrem dichterischen Teil, der mehrfach in deutscher Sprache abgefaßt und mit hebräischen Buchstaben gedruckt war. Der wissenschaftliche Teil enthielt insbesondere Bibelkritik, philologische und kulturgeschichtliche Studien. Der Charakter der „Bikkure haittim" war gemäßigt, bildend, entwickelnd, positiv, nicht polemisch, — auch hierin ihrem Vorgänger in Deutschland verwandt. Eine andere Färbung nahm *) Die Berliner Gemeinde-Bücher wurden z. B zu jener Zeit hebräisch geführt. **) Vergl. M. Weissberg: Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien. Wien 1898.

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