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Ost und West · 1907-06-01 · Heft 6 (Juni 1907) · p. Seite 417 - 418

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 6 (Juni 1907)
Article
Das Ackerbau-Werk
Date
1907-06-01
Page
Seite 417 - 418 (sequence 5)
Language
German
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417 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Das Ackerbau-Werk. 418 Nachstehend der Rechnungsabschluß für das Jahr 1905/06: Ausgaben: Unterricht und Unterhalt der Zöglinge Fr. 43 880,95 Schmiedewerkstatt und Tischlerei . . . 110,40 Allgemeine Ausgaben........." 12 855*45 Bibliothek...............^ 421 45 Mobiliar.............." 1 50l',05 Bauten...............v 2832,05 Apotheke..............„ 1 464,55 Prämien für die besten Schüler . . . . „ 1 562,90 Ackerland ............. „ 9 609,80 Wein.................. 2 987,35 Ölbäume und Ölkammer......... 5 992,65 Mehlfabrik.............„ 2 749,10 Kuhstall...............v 8 855,60 Bodenverpachtung............ 3 056,30 Bewässerungskultur..........„ 2 501,30 Total Fr. 98 380,90 Bodenverbesserung. Neue Ölbaumpflanzen.........Fr. 3112,45 Neuer Weinberg...........„ 601,90 Keliereimaterial........... „ 960,— Mehlfabrik, Reparaturen.......„ 2 477,60 " Summa Fr. 7150,95 Einnahmen : Pension der zahlenden Schüler .... Fr. 1 350,— Tischlerwerkstatt ..........„ 185,60 Feldbestellung............ „ LI 308,95 Weinberge und Keller........„ 4 618,85 Olivenbäume und Ölkammern.....„ 6 625,60 Mehlfabrik.............„ 8 819,55 Schweizerei.............„ 10 500,— Hausmiete ............... 2 000 — Landpacht............... 13 996,25 Bewässerungskulturen.........., 2 499,50 Verschiedenes............„ 475,95 Summa Fr. 62 380,35 RUSSISCHE VERSUCHE IN BULGARIEN, (Spezialbericht an die A. 1. U.)j Nachdruck verboten. Sofia, 15. Mai. Hier ist anläßlich des jüngsten russischen Osterfestes anfangs Mai, der Versuch erneuert worden, das Märchen vom Blutmord zu beleben. Der Vorgang soll sich in folgender Weise abgespielt haben: Die siebenjährige Tochter des Generals Veltschew, Helene, und die achtjährige Tochter eines Advokaten spielten nach beendetem Schulunterricht auf dem Schulhof. Sie wurden von der Straße aus von zwei Personen aufmerksam beobachtet. Die Kinder begaben sich nach Haus. Unterwegs erneuerten sie das Versteckspiel. Jene beiden Personen folgten von fern. Sie ergriffen die kleine Helene, als diese sich hinter dem Holzstapel eines Neubaus versteckt hatte, schlössen ihr den Mund mit einem Taschentuch und entführten sie durch entlegene Straßen an das äußerste Ende der Stadt. Unterdessen setzte die kleine Gefährtin das Spiel fort und rief: komm heraus, komm, kommt Da auf den wiederholten Anruf nichts erfolgte, glaubte sie, daß Helene nach Hause gegangen sei, und machte sich auf, das gleiche zu tun. Inzwischen waren die beiden Räuber vor einem verfallenen Hause angelangt, in das sie das Mädchen schleppen wollten. Das Mädchan aber wehrte sich, weinte und schrie. Ein Polizist kam des Weges, sah das Mädchen und trat hinzu. Als die Räuber das merkten, ergriffen sie die Flucht. Der Polizist nahm dem Kinde das Taschentuch aus dem Mund und schickte das Mädchen nach Haus, wo es erzählte, daß zwei Juden es hätten entführen wollen. Daß die Entführer Juden gewesen, habe es daran erkannt, daß sie die Sprache der Juden redeten. Der „Courier du Soir" meinte in seinem Bericht, es sei möglich, daß man es mit einem Kindesraub zu tun habe, der Gelderpressung vom Vater, dem General Veltschew. bezweckte, und daß die Urheber des verbrecherischen Versuchs sich nach Art der jüdischen Hausierer verkleidet hätten, um die Polizei auf eine falsche Spur zu leiten. Ein anderes Blatt gab der Vermutung Ausdruck, daß eine Spitzbüberei vorliege, die den Glauben an Ritualmord erwecken solle. Ein drittes Blatt wiederum behauptete schlechthin, daß tatsächlich die Absicht eines Ritualmordes vorgelegen habe. Selbstverständlich bildete der Vorfall das Tagesgespräch in der Stadt. Ueberall sah man ganze Gruppen um die Zeitungsplakate versammelt, die in großen Buchstaben ankündigten: „Raub der Tochter des Generals Veltschew! — Erklärung des Generals Veltschew I — Verhaftung von 30 Juden! — Konfrontation! — Die kleine Veltschew erkennt ihre Räuber!" Ebenso selbstverständlich ist es, daß unsere Glaubensgenossen sich beunruhigt fühlten, weil das Vorkommnis gerade in die „heilige Woche" gefallen war, und weil General Veltschew j^dem, der hören wollte, versicherte, seine Tochter sei beinahe das Opfer eines jüdischen Ritualmordes geworden. Auf die Frage von Reportern, ob er wirklich an die Blutbeschuldigung glaube, erwiderte er: „Bisher habe ich nicht daran geglaubt; aber jetzt, da mein Kind fast das Opfer geworden wäre, bin ich fest überzeugt." Die kleine Helene Veltschew verharrte bei der Behauptung, daß zwei Juden sich ihrer bemächtigt und sie in ein verfallenes Haus geführt hätten. Ihr Geschrei habe Polizisten herbeigerufen, von denen sie aus den Händen der Räuber befreit und einer zufällig anwesenden Person übergeben worden sei, die sie nach Haus gebracht habe. Unter solchen Umständen sollte es doch ziemlich leicht sein, die volle Wahrheit zu ermitteln. Man brauchte nur den Bericht der beiden Polizisten entgegenzunehmen und jene dritte Person zu verhören.

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