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Ost und West · 1907-06-01 · Heft 6 (Juni 1907) · p. Seite 409 - 410

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 6 (Juni 1907)
Article
Das Ackerbau-Werk
Date
1907-06-01
Page
Seite 409 - 410 (sequence 1)
Language
German
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409 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Das rumänische Hilfswerk. 410 500000 Frs. für das Hilfswerk zur Verfügung gestellt. Da 105000 Frs. aus Amerika und Rumänien selbst vorhanden waren, so musste zunächst nur noch für 395000 Frs. gesorgt werden. Die Alliance Israelite Universelle und die Israelitische Allianz in Wien übernehmen hiervon die Hälfte, ein Viertel wird das endische Hilfscomitee tragen, mit einem Sechstel will sich der Hilfsverein der deutschen Juden beteiligen, mit einem Zwölftel das Frankfurter Hilfscomitee für die osteuropäischen Juden. Was die Alliance Israelite Universelle und die Israelitische Allianz in Wien zur Bekämpfung der Tagesnot vorweg geleistet haben, wollen sie auf ihren Anteil nicht verrechnet wissen. Die Handhabung des Hilfswerkes steht ausschliesslich bei der Israelitischen Allianz in Wien, die sich der bestehenden lokalen Hilfs-Comitees bedient, um das Maass der zu leistenden Entschädigungen festzustellen, und ausserdem, wenn sie es für nötig hält, ein von ihr zu berufendes Comitee von kundigen Männern zu Informationszwecken heranzieht. DAS ACKERBAU-WERK. Spezialbericht an die A I. U. Nachdruckverboten. i. Die Ackerbauschule in Jaffa. Wie üblich, geben wir hier ausführliche Auszüge aus dem Jahresbericht, den der Direktor dem Central- Comitee über das Ackerbau-Werk für 1905/06 erstattet hat: Ich erwähne wie alljährlich die hauptsächlichen Vorkommnisse, die sich auf unser Internat und unsere praktischen Versuche in dem eben abgeschlossenen Erntewirtschaftsjahr beziehen. < -*JJ nterricht der Zöglinge: Unsere Anstalt hat eine Daseinsberechtigung nur dann, wenn sie den von ihren Begründern vorgezeichneten Zweck erfüllt: für die in Palästina niedergelassenen Kolonisten als Mustergut und als Versuchsschule zu dienen, körperlich und beruflich die jüdische Jugend durch Einimpfung des Geschmacks an der Landarbeit zu regenerieren. Darum beginnen wir die Darlegung der Entwicklung unserer Schule mit dem Kapitel, das von den Zöglingen handelt, den Hauptinteressenten an unserem Werk. Zahl der Zöglinge: Am 31. Oktober 1905 hatte unsere Schule 72 Zöglinge. Im Lauf des Jahres wurden i9 aufgenommen, 33 entlassen, sodaß am 31. Oktober 1906 eine Zahl von 58 geblieben war, die sich durch 27 Neuaufnahmen auf 85 hob. Drei von unseren Zöglingen sind Muselmanen. Ich bemerke bei diesem Anlaß, daß die muselmanischen Familien auf das dringendste die Zulassung ihrer Söhne erbitten, weil unsere Ackerbauschule die einzige in der ganzen Gegend ist. Das Ceutral-Comite hat dieAuf nähme als vereinzelte Vergünstigung gestattet. Von den entlassenen 33 Zöglingen hatten 5 den 5jährigen, 1 einen 4jährigen, 13 einen 3jährigen Schulkursus durchgemacht, 12 waren 2 Jahre, 2 nur 1 Jahr bei uns geblieben. Die 5 Zöglinge, die den ganzen Kursus durchgemacht haben, sind im Ausland untergebracht worden. Von den 28 anderen waren 8 Söhne von Kolonisten. Sie sind gemäß dem neuen Reglement nach 2jähriger Übungszeit zu ihren Eltern zurückgekehrt, 5 mußten aus Gesundheitsrücksichten eutlassen werden. Aus besonderen Anlässen wurden 5 Zöglinge von den Eltern heimgerufen, 7 zeigten sich für die Landwirtschaft ungeeignet, und 3 mußten wegen schlechter Führung fortgeschickt werden. Versorgung der abgehenden Zöglinge: Zur Zeit der Gründung der Kolonien in Palästina und der Schaffung neuer Landwirtschaftsschulen —die Alliance entschloß sich damals, diese Schulen mit technischem Personal auszustatten — hatten meine Vorgänger keine Schwierigkeiten, ihre abgehenden Zöglinge unterzubringen. Die einen fanden Anstellung bei den mit der Landwirtschaft noch wenig vertrauten Kolonisten. Später verwendete die I. C. A. mehrere in ihrer Verwaltung. Alljährlich nahmen Sie eine gewisse Zahl in das agronomische Institut auf. Die andern wurden meist in Egypten untergebracht, als Angestellte bei den israelitischen Großgrundbesitzern, Diese Plätze sind aber immer seltener geworden. In den Kolonien haben die Ansiedler kaum Arbeit genug für die eigenen Kinder und die zahlreichen russischen Zuwanderer. Die I. G. A. vermindert von Jahr zu Jahr die Zahl ihrer Verwaltungsbeamten. Ihre Ackerbauschulen sind mit Personal reichlich versorgt, und die Zulassung zum agronomischen Institut erfolgt nur noch ausnahmsweise. Man ist davon abgekommen, Egypten als eine Art gelobtes Land zu betrachten. Freilich ist 17;;pten nach wie vor überwiegend ackerbautreibendes Land, und mehrere Glaubensgenossen besitzen dort ausgedehnte Ländereien. Aber unsere armen jungen Leute können mit dem arabischen Landarbeiter, der sich mit einem lächerlichen Lohn begnügt, nicht konkurrieren. Ohne übermäßig anspruchsvoll zu sein, haben unsere Zöglinge, die mit einer Fülle theoretischer und praktischer Kenntnisse unsere Anstalt verlassen und danach ein Volontär jähr absolviert haben, um sich mit der egyptseihen Landwirtschaft vertraut zu machen, Anrecht auf eine angemessene Entlohnung. Übrigens bevorzugen die Verwalter der egyptischen Großgrundbesitzer die eingeborenen und muselmanischen Werkführer, die die arabischen Arbeiter mit der Peitsche traktieren, während diese Arbeiter sich von einem Fremden auch nicht einen Nasenstüber würden gefallen lassen. Keine Möglichkeit mehr, unsere Zöglinge in Egypten unterzubringen. Wir laufen Gefahr, unsere jungen Leute den landwirtschaftlichen Beruf verlassen und schlechtbezahlte, aber leichte Anstellungen im Handelsgewerbe annehmen zu sehen. Die Ungewißheit ihrer Zukunft hat die Moral unserer Zöglinge sehr beeinflußt, einige von ihnen entmutigt. Es mußte ein neuer Ausweg für sie gefunden werden. Und der scheint sich in Kanada zu bieten. Mit Hilfe

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