Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- Die Israeliten Rumäniens
- Date
- 1907-04-01
- Page
- Seite 285 - 286 (sequence 7)
- Language
- German
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285 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Israeliten Rumäniens. 286 plan belaufen sich auf 155 mit 11733 Schülern, davon: 1645 Orthodoxe, 1442 Katholiken, 282 Protestanten, 8352 Israeliten und 12 verschiedener Konfession. Es gibt ausserdem 76 konfessionelle Asyle mit 2658 israelitischen Schülern und 136 Schülern anderer Konfession, ferner 23 Kindergärten. In den privaten Elementarschulen beträgt die Zahl der Lehrer 1058, davon 433 Humanen und 625 Fremde. Bukarest umfasst 58 Institute besonderen Charakters, 2 konfessionelle Asyle, 11 Kindergärten, 45 Elementarschulen mit dem staatlichen Lehrplan, 15 mit eigenem Lehrplan, 28 Mittelschulen mit dem staatlichen und 20 mit eigenem Lehrplan. Jassy zählt 21 Privatinstitute, 36 konfessionelle Asyle, 21 Elementar-, 12 Mittelschulen, 1 Kindergarten. Die Gesamtzahl der Schüler aller privaten Elementar- und Mittelschulen beträgt 29 630; davon sind orthodox 8000, katholisch 3000, protestantisch 1600, jüdisch 16800 und verschiedenen Bekenntnisses 230. Eumänien und Bulgarien. Im Monat November verbot die bulgarische Regierung den russischen Flüchtlingen und einigen rumänischen Juden den Zutritt zum Fürstentum Zar Wiedervergeltung verschloss Rumänien seine Grenzen den bulgarischen Juden. Welch schwere Störungen durch diese Massregeln in den Handelsbeziehungen zwischen Untertanen der beiden Länder hervorgerufen wurden, kann man sich leicht vorstellen. Noch sind sie nicht beseitigt. Die bulgarische Regierung hat ihre Verfügung zurückgenommen, die rumänische hingegen beeilt sich nicht, hrerseits den entsprechenden Schritt zu tun. Die Vorkommnisse in Rumänien. In verschiedenen Beziiken Rumäniens haben die wüsten Hetzereien, von denen in dem oben mitgeteilten Bericht an die Alliance Israelite Universelle die Rede gewesen ist, die traurigen Früchte getragen. Auch hat die Auspowerung der rumänischen Bauern durch die rumänischen Bojaren eine revolutionäre Bewegung hervorgerufen. Diese Bewegung richtet sich in der Hauptsache gegen die rumänischen Grossgrundbesitzer, die den rumänischen Bauer aufs äusserste bedrücken. Selbstverständlich macht die Aufstandsbewegung nicht gerade vor den jüdischen Türen halt, und so ist es erklärlich, dass auch die Juden in den betreffenden Bezirken zu leiden haben. Den antisemitischen Hetzapostein ist es hier und da gelungen, die bäuerliche Bewegung in das antisemitische Fahrwasser zu leiten. Doch das sind nur Ausnahmeerscheinungen. In der Hauptsache ist die rumänische Bauernbewegung gegen Bedrückung durch die Grossgrundbesitzer gerichtet. Die heuchlerischen Klagen über den „Landwirtschafts- Trust", von dem in dem obigen Bericht an die Alliance so viel die Rede ist, waren im vorhinein darauf berechnet, die Bauernnot in einen Zusammenhang mit den Juden Rumäniens zu bringen, denen doch sogar der Aufenthalt auf dem ilachen Lande in jeder Weise erschwert wird. Die jüdischen Pächter mussten diesem Zweck dienen. Dass man gleichzeitig den Bojaren Vorwürfe machte, weil sie jüdische Pächter und von diesen hohe Pacht nahmen, war lediglich ein Mittel, für die neue Judenhetze einen populären Vorwand zu finden. In Rumänien braucht es nun kaum eines Vorwandes, um eine Judenverfolgung hervorzurufen, und die hungernden Bauern warteten keine wiederholte Einladung ab, sich an Juden und jüdischem Eigentum zu vergreifen. Doch der rumänische Bauernaufstand ist ein regelrechter Hungeraufstand gegen die Misswirtschaft der Bojaren, und der antisemitische Anstrich ist äusserliches Beiwerk. Leider wird die Not unserer Glaubensgenossen in Rumänien hierdurch nicht geringer. Selbstverständlich haben die Alliance Iraelite Universelle und die Jewish Co Ionisation Association durch ihre Vertreter in Rumänien ohne Verzug dafür gesorgt, dass den jüdischen Flüchtlinsen und den am Ort ihrer Niederlassung geschädigten Juden Hilfe zuteil werde. DIE ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE UND DIE PERSISCHEN JUDEN. Der Präsident der Alliance Israelite Universelle, Herr Narcisse Leven, hat am 12. Februar an den französischen Minister des Auswärtigen nachstehendes Schreiben gerichtet: Herr Minister! Wir haben die Ehre, Ihre wohlwollende Aufmerksamkeit auf die Lage hinzulenken, die unseren Glaubensgenossen in Ispahan bereitet worden ist. Ein Telegramm, das wir soeben von dem Direktor unserer Schulen in dieser Stadt erhalten haben, meldet uns, dass die Geistlichkeit die Juden gezwungen hat, sich zum Tragen unterscheidender Gewänder und zum Verzicht auf den Handel im Umherziehen zu verpflichten. Zu jeder Zeit haben die Vertreter Frankreichs in Persien sich bemüht, die Israeliten gegen ähnliche Angriffe auf ihre Menschenwürde in Schutz zu nehmen, und die Intervention der französischen Vertretung bei der Regierung des Schah ist stets wirksam gewesen und mit Entgegenkommen aufgenommen worden. Wir würden Ihnen zu tiefer Dankbarkeit verbunden sein, wenn Sie die Güte haben wollten, möglichst auf telegraphischem Wege der französischen Gesandtschaft in Teheran aufzugeben, dass sie bei den hauptstädtischen Behörden die Rücknahme der gegen die Israeliten von Ispahan erlassenen Befehle erwirke. Wir richten diesen Apell an Ihren Geist der Menschlichkeit und des Liberalismus