Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- Isaak Lewithan
- Date
- 1907-04-01
- Page
- Seite 245 - 246 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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245 Georg Hermann: Isaak Lewithan. 246 :/£;.7V> „i, - >>< i»:- , - w;-V;^ \ tf Marinemalern. Man sehe nur die lichtdurehtränkten Himmel, die wilden oder ganz zarten Wolkenformationen auf seinen Gemälden — und nie eine Wand, nie eine Kulisse, sondern immer Tiefe darin, immer wieder neue Luftschichten bis zu dem zaghaften Bild des aufgehenden Mondes, der niedrig über dem Horizont hängrt. Ein starkes Temperament, sagte ich schon, lebt in all diesen Bildern und doch ist das Temperament überall durch die Kunst gebändigt und hat nirgends Entgleisungen. Und diese Bilder hier mit dem unerhörten Peinsinn im Erhaschen der Färb- und Ton werte scheinen manchmal fast kleinlich und ängstlich und haben fast immer im Bildsinne etwas Absolut - Fertiges, etwas schier Altmeisterliches. Die Impression, die auf dem halben Wege stehen bleibt, eben der Impression zu-Liebe, um den Eindruk des Unmittelbaren nicht zu stören, schien der Kunst eines Lewithan fremd. Man verstehe mich nicht falsch. Er ist deswegen keines weg das, was man einen :;^v'< " . ''.; - * ISAAK LEWITHAN. ISAAK LEWITHAN. HERBST. Feinmaler nennt, sondern von einer unerhörten Breite und Frische, aber keines seiner Bilder macht — das wollte ich sagen — den Eindruk des Gewollten und des Experiments, sondern alle rufen sie den Eindruck des Gewordenen in uns hervor. Man sagt, dass die Juden kein Naturempfinden haben. Nun dieser Maler - r der ein Jude war — hat vieleicht das stärkste Naturempfinden, den stärksten Landschaftssinn, der sich je in einem russischen Künstler offenbart hat. Man sagt ferner, dass die luden Kosmopoliten sind und heimatlos wären, dass , sie Fremde blieben in dem Volk, das sie in sich aufgenommen hat. Nun die Eigenart der russischen Seele mit ihren Rätseln und ihrem schwermütigen Lyrismus, ihrer Wurzelständigkeit, und ihrer inbrünstigen Liebe zur Scholle, sie haben sich wohl in keinem russischen Maler stärker offenbart, wie in ABEND. diesem jüdischen Künstler.