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Ost und West · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. Seite 209 - 210

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Die Israeliten in Tripolis
Date
1907-03-01
Page
Seite 209 - 210 (sequence 3)
Language
German
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209 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: [Die Israeliten in Tripolis. 210 nient, allein imstande, sogar die benachbarten Muselmanen zur Arbeit anzuregen. Das gilt bis an das äusserste Ende von Djebel Nefussi, wohin immer die jüdischen Kaufleute, die Schnapsfabrikanten (deren beste Kunden die Juden selbst siad) und Schmuckhändler dringen. Die Beziehungen zwischen Juden und Berbern sind besser als die zwischen Juden und Arabern. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden die Juden als Sklaven betrachtet. Die Türkei beseitigte diese erniedrigende Einrichtung, hat aber noch nicht Zeit gehabt, die moralischen Erniedrigungen zu unterdrücken, denen die Juden von Seiten ihrer arabischen Nachbarn ausgesetzt sind. Ein Beispiel von hundert: Der Bezirksrabbiner macht eine Reise nach Nalut. Eingeborene zwingen ihn, von seinem Maultier abzusteigen, weil ein Jude in Gegenwart von Muselmanen nicht auf einem Sattel sitzen darf. Wollte der Rabbiner wagen, sich zu beklagen, so wäre er in Gefahr, alle Seinigen von den Arabern umgebracht zu sehen. Die verehrtesten Heiligtümer, die ältesten Friedhöfe werden von den Muselmanen entweiht; auf dem Felde nehmen die Araber ohne Bedenken den Ernteertrag ihrer jüdischen Nachbarn in Anspruch. Die oberen Behörden haben guten Willen, aber die Einzelheiten entgehen ihnen. Djebellffren, ehemals Sitz gelehrtester Rabbiner, ist gänzlich in Verfall. Ein Vertreter der Alliance könnte das materielle und soziale Niveau dieser interessanten jüdischen Gruppe heben. Indem ich den Spuren der alten jüdischen Einrichtungen folgte, kam ich nach Djebel Nefussa. Alte Synagogen, Friedhöfe, die in die entferntesten Zeiten zurückreichen, halbzerstörte jüdische Städte In der Nacht zum 9. Februar 1907 ist, hochbetagt, in Frankfurt a. Main Doktor Hermann Baerwald gestorben. So lange Rüstigkeit in ihm wohnte — und er hatte das Glück, weit über die Grenze des biblischen Lebensalters hinaus Rüstigkeit und geistige Regsamkeit sich zu wahren — war er Mitglied des Central-Comites und somit Mitglied der Deutschen Conferenz-Gemeinsehaft der Alliance Israelite Universelle. Erst der 78jährige erkannte in seiner Pflichttreue und in seinem Arbeitseifer, dass die Last der Tage ihm die Möglichkeit nehme, im gewohnten Umfang für die Alliance tätig zu sein. Diese Erkenntnis, die sein Pflichtbewusstsein ihm eingab, bestimmte ihn, aus dem Central- Comite auszuscheiden, das ihn in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenmitglied machte. zeugen von dem überwiegenden Einfluss, den der Judaismus auf dieses bisher den Europäern unbekannte Gebiet ausgeübt hat. In den letzten Jahren haben die Türken Djebel vollständig pazifiziert, und unsere Glaubensgenossen fangen an, sich von neuem in den Ortschaften niederzulassen, aus denen ihre Vorfahren haben weichen müssen. Vor allem aber täte eine Intervention bei den türkischen Behörden dahin not, dass den Abkömmlingen der vormaligen eingeborenen Juden alle Heiligtümer und Friedhöfe, die heute noch vorhanden sind und von den örtlichen Traditionen und von den Eingeborenen selbst als solche an mehr als 50 Stellen bezeichnet werden, zurückgegeben werden. Nach dreitägigem Wüstenmarsch verweilte ich in der Küstenstadt Zauia, die etwa 800 unserer Glaubensgenossen einschliesst. Ihre soziale Lage lässt zu wünschen übrig. Die fanatische Bevölkerung der Oase erspart den jüdischen Nachbarn keine Bedrückung. Bei meiner Rückkehr nach Tripolis hatte ich zweimal Gelegenheit, den oberen Behörden zu schildern, wie ich die Juden der Oasen gefunden habe. Ich freue mich, dass ich bei den leitenden Männern die freundlichsten Absichten hinsichtlich unserer Glaubensgenossen gefunden habe. Man hat mir die Versicherung gegeben, dass ein Rundschreiben an die Ortsbehörden ei gehen wird, dass sie die Eingeborenen an Rechtsverletzungen gegenüber den Juden hindern sollen. Unter allen Umständen erwarten die Aufsichtsbehörden, dass die nahe bevorstehende Einrichtung von Katasterämtern den Besitzungen und den Ernteerzeugnissen der Juden im Innern des Landes wirksameren Schutz verschaffen wird. Nachdruck verboten. Hermann Baerwald war am 7. November 1828 in Nakel in der Provinz Posen geboren. Sein Vater war ein Mann von vielseitiger Bildung und hohem Streben, seine Mutter eine Frau von vorbildlicher Güte und Herzensreinheit. Der patriarchalische Geist, der in dem Elternhause gewaltet hat, ist von dauerndem Einfluss auf Hermann Baerwald geblieben. Den Jugendunterricht genoss Hermann Baerwald im wesentlichen auf dem Elisabethgymnasium in Breslau, das er 1850 mit dem Zeugnis der Reife verliess. Die Ereignisse der Revolutionszeit und das Bestreben, die Begebenheiten des Tages aus der Kenntnis der vaterländischen Vergangenheit zu verstehen, führten ihn zum Studium der Geschichte. Schon als junger Student lieferte er in Breslau eine wissenschaftliche Preisarbeit. In Berlin DR. HERMANN BAERWALD. Ehrenmitglied des Central-Comites der A. I. U. Ein Erinnerungsblatt.

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