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Ost und West · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. Seite 185 - 186

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Moritz Steinschneider
Date
1907-03-01
Page
Seite 185 - 186 (sequence 3)
Language
German
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185 Dr. S. Almoni: Moritz Steinschneider. 186 gutes Buch war für ihn mir ein solches, das in einer Auflage von höchstens dreihundert Exemplaren gedruckt wurde. Das Thema seiner Forschungen eignet sich tatsächlich nicht direkt selbst für gebildete Laien. Und das konnte er weder verstehen noch ertragen, dass andere die von ihm herbeigeschafften kulturgeschichtlichen Bausteine zu hohen und luftigen Gebäuden, allen zugänglich, benutzten. Hätte er es gekonnt, so würde er dies verhindert haben. Ich kann das Wort nicht unterdrücken; es war dies ein unjüdischer Zug in seinem Wesen. Denn bei Juden galt es stets als das grösste Verdienst, die Schätze des menschlichen Wissens freigebig zu verteilen, und im Talmud wird der am heftigsten getadelt, der sein Wissen für sich behält oder nur wenigen mitteilen will. Aber glücklicherweise ist auch dieses Ideal Steinschneiders, die Wissenschaft sorgfältig vor den Augen nicht Eingeweihter zu verbergen, nicht verwirklicht worden Er hat für das jüdische Volk mehr geleistet, als in seiner Absicht lag. Er hat sich oft im Leben über die Unberufenen beklagt, die sich in die Wissenschaft des Judentums verliefen. Dies mag in manchen Fällen bedauerlich sein, aber der Wissenschaft hat es nicht geschadet. Wenn die Kenntnis des Judentums, wie wir hoffen, dereinst, sei es in der ersten Quelle, oder durch Popularisierung, allen Juden eigen sein wird, so wird man auch Steinschneiders unsterbliche Leistungen zu würdigen verstehn, trotzdem er dies gar nicht wollte. Was jüdische Gelehrte und Forscher auf dem Gebiet des Judentums geschaffen haben, ist der geistigen Kraft des jüdischen Volkes entnommen und gehört für immer der jüdischen Gesamtheit an. DANIEL OSIRIS. Am 4. Februar starb zu Paris im Alter von 82 Jahren der Offizier der Ehrenlegion Daniel Osiris Iffla. Osiris — er pflegte sich nicht mit seinem Familiennamen zu nennen — war der Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Bordeaux und kam im Alter von 14 Jahren nach Paris, wo er im Kontor eines Bankgeschäfts seine finanzielle Karriere begann. Er gelangte sehr rasch zu grossem Reichtum, der ihm die Möglichkeit gab, schon bei Lebzeiten philanthropische Werke von bewundernswerter Art zu stiften. Er war nicht nur ein hochherziger Wohltäter der leidenden, sondern auch ein verständnisvoller Wohltäter der „geniessenden'4 Menschheit. Er war nicht nur ein Erbauer von Krankenhäusern, sondern —" in erster Linie — ein tatkräftiger Förderer der Künste und Wissenschaften. Seine Vaterstadt schmückte er mit öffentlichen Brunnen, der Stadt Nancy schenkte er eine Statue der Jungfrau von Orleans., Jüngst noch bedachte er die Stadt Paris mit einem Standbild Murrets, das vor dem Theätre Frangais aufgestellt worden ist. Im Jahre 1889 stiftete er aus Anlass der Pariser Weltausstellung einen Preis von 100 000 Franks für das wertvollste Werk auf dem Gebiete der Kunst, der Wissenschaft oder der Industrie; 1900 stiftete er einen neuen Preis von 100 000 Franks für die nützlichste i Daniel Osiris wissenschaftliche Entdeckung. Die ersten Empfänger dieses Preises waren der verstorbene Professor Curie für die Entdeckung des Radiums und Brandly, der Erfinder der drahtlosen Telegraphie. Im Jahre 1905 schenkte er dem Staate das Schloss Malmaison, die frühere Residenz der Kaiserin Josefine. Noch viele andere grossartige Stiftungen sind dauernd mit dem Namen Osiris verknüpft. Sein Steckenpferd aber bildete gleichsam das Erbauen von Synagogen. Hierbei verfuhr er streng nach dem Prinzip, nur für den äusseren Bau zu sorgen, die innere Einrichtung und die Ausschmückung der Gotteshäuser überliess er den G-emeinden. Trotz seines unermesslichen Reichtums verschmähte Osiris für seine Person jeden Luxus, ja selbst manche Bequemlichkeiten, auf die sogar der „bessere Mittelstand" nicht verzichten würde. Nur für die Ausschmückung seiner letzten Ruhestätte gab er eine grössere Summe her. An seiner Familiengruft auf der jüdischen Abteilung des Montmartre-Friedhofs Hess er eine Marmornachbildung des „Moses" von Michel Angelo anbringen. Später erschien ihm der Marmor an diesem Orte nicht passend, und er ersetzte ihn durch eine Kopie aus Bronze. Das Marmorstandbild aber schenkte er der Alliance Israelite Universelle für ihr Lehrerseminar, in deren Garten es jetzt steht.

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