Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Prinzessin Goldhaar
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 175 - 176 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Prinzessin Goldhaar 176 Böse, was wir ihm und seinen Söhnen getan haben." So lauerten sie ihm eines Tages auf, schlugen ihn zu Boden und rissen ihn in Stücke, Glied um Glied. Als die Nachricht, dass Jochanan erschlagen und von seinen Mördern in Stücke gerissen war, zum Könige kam, war dieser und die Königin gar sehr betrübt. Und die Königin sprach: „Führe mich zu dein Ort, wo seine zerstreuten Gliedmassen liegen.4' Sie führten sie hin. Und die Königin sammelte die Gliedmassen und fügte sie aneinander, wie sie zusammengehörten. Und sie nahm ihren Ring und als sie die Wunden mit dem Stein berührte, wuchsen die Knochen und Muskeln wieder zusammen, denn eine seltsame Kraft lag in dem Ringe. Dann nahm sie Wasser aus dem Garten Eden, wusch damit seine Haut, so dass sie geheilt wurde und dass er das Aussehen eines schönen Jünglings erhielt. Dann kniete sie nieder, presste ihren Mund auf den seinen und küsste ihn. Und sie betete zu Gott und er gab ihm auch die Seele wieder, so dass er wieder lebendig wurde, sich erhob und auf seinen Füssen wandelte. Als das Volk sah, dass sie Tote beleben konnte, wunderte es sich über alle Massen. Und der König sagte: „Lasst uns ausziehen und einen Krieg mit dem Nachbarvolke beginnen. Falle ich in der Schlacht, so wird sie kommen und mich wieder ins Leben rufen." Und der König zog aus mit seinem Gefolge und seinen Soldaten, um einen andern König zu bekämpfen. Sie stellten sich in einer langen Schlachtlinie auf. Aber der König, seine Fürsten und seine Diener wurden getötet. Da kamen die königlichen Ratgeber zu der Königin und sprachen zu ihr: ,.Komm und belebe den König und seine Getreuen, denn sie sind vom Schwerte erschlagen." Und sie ging zusammen mit Jochanan zu dem Orte, wo die Erschlagenen lagen, und tat ihnen, was sie Jochanan zuerst getan hatte. Aber dann nahm sie statt des Wassers aus dem Garten Eden solches aus der Hölle und besprengte sie damit, worauf sie sogleich alle zu Asche verbrannt waren. Dann sagte sie: „Siehe die Wunder Gottes; denn nicht mein ist die Kunst zu töten und zu beleben. Gott ist es, der tötet und belebet, der Wunden schlägt und heilt, der erniedrigt und erhöht. Es gefiel ihm nicht, diese bösen Menschen zu beleben, wie er diesen guten Mann wiederbelebt hat. Ich kann nur seinem Willen gehorchen/1 Dann kehrten sie nach Hause zurück und das Königreich blieb ohne König, bis das Volk seine Blicke auf Joehanan richtete und ihn zum König machte, denn alle, die ihm nach dem Leben trachteten, waren nun tot. Und sie gaben ihm auch die schöne Frau zum Weibe. Sie lebten miteinander in Friede und Freude viele, viele Jahre und bekamen Söhne und Töchter. So kann man auch hier sagen; „Wirf Dein Brot ins Wasser; wenn die Zeit kommt, wirst Du es wieder finden." (Eccles. XL) ML •.........___ III ' m '■ WwffsSLL*' - ' **' ' - -/! Die Synagoge in Kingston. Zerstört durch das Erdbeben.