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Ost und West · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. Seite 155 - 156

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Einiges über den geschichtlichen Begriff des Amhaarez
Date
1907-03-01
Page
Seite 155 - 156 (sequence 5)
Language
German
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155 Dr. Max Steif: Einiges über den geschichtlichen Begriff des Amhaarez. 156 und Sitte abgesprochen werden, er hat doch zu allen Zeiten hoch über dem Ungebildeten der ausserjüdischen Kreise gestanden. In den Tagen dunkelsten Mittelalters, wo es mitunter selbst Fürsten nicht unerhebliche Mühe verursachte, den eigenen Namen zu unterfertigen, hat der Amhaarez im engen Ghetto in hebräischen Lettern lesen und schreiben gekonnt. Es gab auch eine besondere Amhaarezliteratur, d. h. Werke in jüdisch-deutscher Mundart für Ungelehrte, Frauen und Kinder. Hierher gehörte unter anderem der Josippon (entstanden im 10. Jhrdt. in Italien), eine verschlechterte volkstümliche Bearbeitung des Josephus Flavins, später das im Anfang des 17. Jahrhunderts entstandene Deutsch-Chumesch, Zeenah-Reenah von Jacob b. Isak Janow aus Polen, eine populäre Bibelerklärung, untermischt mit zahlreichen talmudischen Sagen und Legenden. Aber auch eine ganze Reihe ausserjüdischer Dichtungen und Erzählungen fand auf eigenartigen Umwegen in diesen Teil jüdischer Literatur Eingang, so dass man nicht ohne gewisse Berechtigung behaupten darf, dass der Amhaarez indirekt zum Pfleger und Erhalter mancher schon für verloren gehaltenen deutscher Literaturerzeugnisse geworden ist. HENRYK GLICENSTEIN. Von Piero Jacchia (Rom). Nachdruck verboten. >^f- ' V ' \~.'£i'f':& Är;-:-*-r>:'f^l w:tr^.£V> -x%v ■ '•&£&-<*Gr& "~> -r. Henryk Glicenstein, über den wir nachfolgend den Artikel eines hervorragenden römischen Publizisten veröffentlichen, ist den Lesern dieses Blattes kein neuer Name. Sie kennen die merkwürdige Geschichte seines Lebens. Wir haben es wiederholt unternommen, durch Reproduktionen eine Anschauung seiner Kunst zu vermitteln. Aber heute, wo wir den Werken des jungen Meisters im Kunstsalon Schlüte selbst gegenüberstehen, glauben wir ihm zum ersten Male zu begegnen. Welche photographische Nachbildung wäre auch im Stande, einen Begriff von der Grösse dieses Schlafenden Messias zu geben, von der Wucht und Kolossalität seiner übermenschlichen Formen. Das merkwürdige dabei ist, dass dieser Eindruck des ganz Ungeheuren nicht durch besonders überraschende Dimensionen hervorgerufen wird; wie an der Sphinx, die sich in einem der Nachbarsäle befindet, machen wir die Erfahrung, dass Grösse eine innere Eigenschaft ist. Wir begegnen zuweilen Bildwerken von ungeheuren Maassen, und sie wirken klein; und hier haben wir anderthalb der natürlichen Grösse, und die Illusion des Ueberweltlichen wird erzeugt. Eine Tempelstille umgibt dieses religiöse Bildwerk, religiös in einem neuen Sinne. Was kümmert uns die bemalte Leinwand an den Wänden, das [grüne Gestrüpp, mit dem eine HENRYK GLICENSTEIN Selbstportrait (Zeichnung.) unglückliche Hand den Sockel umgeben hat. Auch die fremden Beschauer ringsum haben wir vergessen; das Gleichgültige der Welt rauscht irgendwo in der Ferne. Wo Religion ist, da wölbt sich das Gotteshaus. Gleichwohl möchten wir dem Werk am liebsten in der geheimnisvollen Tiefe eines Grabgewölbes oder auf der freien Weite des Gottesackers begegnen. —Viel stärker leidet unter den unglücklichen Eaumverhältnissen der Bar Kochb a, das andere Hauptwerk Glicensteins. Ein Springer braucht Eaum vor sich, ein Bildwerk von heroischen Formen einen erhabenen Standpunkt; hier ruht es aut einer umgestürzten, flachen und schmalen, nicht einmal verkleideten Kiste, eigentlich ein wenig schamlos aufgestellt; eingezwängt zwischen Plastiken von zum Teil entmutigendem Dilettantismus, im Kücken eine Treppe, vor den Füssen der Eingang zum Nachbarsaal. Es hat übrigens seinen Eeiz, die kleine Treppe hinter der Figur hinabzusteigen und die federnde Kraft und gesammelte Energie des zu Sprung und Schlag in Einem Ausholenden (die Midraschstelle lautet: er springt aut eine Meile und schlägt auf eine Meile) an dem Muskelspiel über Bein und Rücken zu gemessen. Bekannt, und doch nicht bekannt aus der Abbildung ist uns der Jüngling mit dem Stab über der Schulter (bei Schulte ROM.

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