Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Salomon Buber
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 139 - 140 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Salomon Buber. 14Q JVlidrasch Mischle, Midrasch Aggada, Midrascli Suta, Midrasch Echah, Jalkut Hamraakhiri und viele, viele andere. Bubers Publikationen bilden zusammen 26 oder 28 Bände, eine imponierende Ernte. Dabei war Salonion Buber nicht ehrgeizig. Er langte nicht nach den Lorbeeren eines Abraham Epstein, J. H. Weiss, Frankel, Theodor, Friedmann, Bacher, die diese ganze Literatur als eine Reihe von Dokumenten entschwundenen Geisteslebens betrachteten, deren Text sie mit ungeheurem Scharfsinn durchforschten, um auf ihm die Kulturgeschichte verschollener Zeiten wieder aufzubauen. Buber zog es vor, die verschiedenen Hypothesen und alle Lesarten, die er auftreiben konnte, nebeneinander zu stellen und es dem Leser zu überlassen, die zu wählen, die ihm am meisten zusagte. Er betrachtete es als seine Aufgabe, mit Gewissenhaftigkeit und genauester Sachkunde Bausteine zusammenzutragen, die mühsamste Vorarbeit für einen späteren Bau zu leisten, dessen Ausführung er anderen ermöglichte und neidlos überliess. Auch die Bearbeitung des so überaus reichen linguistischen Stoffes, den seine Publikationen boten, überliess er anderen, wie z. B. Kohut, Jastrow, Fürst, Kraus. Es war nicht seine Schuld, wenn die genannten Männer oft eigene Wege gingen. Ihn störte nnd kümmerte das nicht, er war unermüdlich. Das voü ihm erwählte Gebiet liebte er mit ausschliesslicher Liebe, so dass für ihn zuletzt der Begriff Literatur fast mit dem eines alten noch nicht publizierten Midrasch identisch wurde. Es kam ihm seltsam vor, dass die Leute Gedichte, Dramen, Romane, philosophische und naturwissenschaftliche Bücher schrieben,, während noch so viele unedierte Midraschim im Dämmer der Bibliotheken schlummern. Andererseits war er in wissenschaftlicher Hinsicht von unerschöpflicher Freigebigkeit und stets bereit., jedem, der auf seinem Gebiet mitarbeiten wollte, mit seinem Rat und seiner Erfahrung beizustehen. Wer seine Werke nur dem Namen nach kannte und ihm näher trat, war erstaunt, auf einem vergleichsweise so engen Gebiet solche Fülle von Gelehrsamkeit und positivem Wissen anzutreffen, und musste inne werden, dass Fleiss, Emsigkeit und Hingabe imstande sind, der Kleinheit selbst innere Grösse zu verleihen. Aus seinem Gebiet trat er nur selten heraus. Noch im vorletzten Jahr erfreute er alle Verehrer Raschis durch Herausgabe des „Sefer Haorah", eines den Namen des grossen Kommentators tragenden Sammelwerkes, das bisher nur aus Exzerpten bekannt war. Nun ist er selber hingegangen dorthin, wo Raschi seit acht Jahrhunderten weilt. Er ist hingegangen, „alt und satt an Tagenu wie die Patriarchen der Bibel, und lässt hier unten keinen zurück, der seinen Platz ausfüllen würde. JACOB H. SCHIFF. Nachdruck verboten. In der vorigen Nummer haben wir unserem grossen amerikanischen Glaubensgenossen Jacob H. Schiff zum 10. Januar, seinem 60.Geburtstag, unseren Glückwunsch dargebracht, Heute zeigen wir unseren Lesern den berühmten Philanthropen im Bilde. Er ist in Frankfurt a. M. geboren, wo seine Familie seit dem 14. Jahrhundert ansässig ist und sich wachsenden Ansehens erfreut hat. Nachdem er — wir folgen hier den Angaben eines zuverlässigen Berichterstatters — die zu jener Zeit allgemein übliche Realschulbildtmg genossen und seine kautmännische Lehrzeit in der Tuchhandlung Moses Amschel durchgemacht hatte, ging er achzehnjährig nach New-York, wo er bei einer Brokerfirma Frank & Gans eintrat. Nach zweijähriger Tätigkeit gründete er 1867 da s Ban khaus Budge Schiff & Co., das im Jahre 1873 wieder aufgelöst wurde. Schiff weilte dann einige Zeit in Europa, wo er viele wertvolle Beziehungen anknüpfte. Nach Amerika zurückgekehrt, trat er am 1. Januar 1875 als Teilhaber in das angesehene New- Yorker Bankhaus Kuhn Lob & Co. ein, in dem er bald die leitende Persönlichkeit wurde. Seinem Wirken war es vorwiegend zu danken, dass dieses Jacob H. Schirl. Bankhaus in den amerikanischen Eisenbahnangelegenheiten bald eine führende Stellung erlangte. Er war die treibende Kraft bei der Reorganisation der Union Pacific-Bahn und führte sie in glänzender Weise durch. Ausser der Verwaltung dieser Bahn gehört Schiff auch derjenigen der Baltimore and Ohio, der Norfolk Western, der Pennsylvania, der Chicago Bulington and Quincy-Bahn an, und seine Firma übt die Kontrolle über ein gewaltigesEisen bahnnetz aus. Bei vielen hervorragenden amerikanischen Eisenbahn - Geschäften hat Schiff eine massgebende Stellung eingenommen, so auch bei dem bekannten Kampf um die Northern Pacific-Aktien, uud seiner Mässigung war es zu danken, dass dem New-Yorker Markte damals eine schwere Katastrophe erspart blieb. Für die Unterbringung der japanischen Kriegsanleihen hat hat Schiff mit seinem Hause eine ausschlaggebende Tätigkeit entwickelt und hat im vorigen Jahre auf Einladung des Kaisers von Japan das Land bereist, wo er mit fürstlichen Ehren empfangen wurde. Mit Wort und Tat hat Schiff eifrig und erfolgreich für die so schwer bedrückten russischen Juden