Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Vererbte Übersetzungs-Fehler
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 129 - 130 (sequence 8)
- Language
- German
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129 M. A. Klausner: Vererbte Uebersetzungsfehler. 130 richtung des Altars kein Lebewesen ausser seinem Sohn erblickt, vermutet er in diesem das ersehene Opfer, und er ist bereit, den Sohn in Erfüllung des vermuteten Gottesbefehls hinzugeben. Das war die Versuchung, und diese Versuchung hat er bestanden. Jetzt erfolgt die Intervention des Gottesengels, jetzt erblickt auch Abraham den mit den Hörnern in die Hecke verstrickten Widder und erkennt in ihm das Opfer, das Gott sieh ersehen hat. Auch jetzt noch hält er daran fest, dass er nichts als natürlichen Gehorsam geübt hat, und nennt den Ort nach der Bestätigung seiner Zuversicht: Gott ersieht. Hätte Abraham die Diener und den Knaben absichtlich getäuscht, so wäre darin ein Zweifel an Gottes Berechtigung zu dem Opferbefehl zum Ausdruck gekommen, und das wäre schon ein Zweifel an Gott selbst gewesen..... # Nicht aus Freude an Neuerungen, nicht aus Geschmack an Ueberraschungen habe ich dieser Darlegung "Worte geliehen, sondern weil ich glaube, dass die Schrift durch jede bessere Einsicht nur gewinnen kann. Die Gesamtheit meiner Ausführungen aber bildet, glaube ich,, einen Beweis dafür, dass die prüfende Rückkehr zu den Quellen immer wieder frische Aufschlüsse bringt und darum immer wieder notwendig ist. DR. PHILIPP KRONER. Ein Nachruf von M. A. Klausner. Am 2. Januar d. J. ist in Berlin der Rabbiner und Schulmann Dr. Philipp Kroner gestorben Mit seinen 73 Jahren hatte er die Schwelle des Greisenalters überschritten. Doch aufrecht und kräftig war er bis zuletzt geblieben, arbeitsfähig" und arbeitsfroh, voller eifrigen Menschenliebe — ein echter Jude, an dem kein Falsch zu finden. „Ich will euch Hirten senden nach meinem Herzen." Dieses Prophetenwort war als Text der Rede zu Grunde gelegt, die am 4. Januar gehalten wurde, als die Verwandten" und Freunde den Verewigten zur letzten Ruhe geleiteten. Rabbiner Dr. Emil Cohn hätte für die Grabrede keinen passenderen Spruch finden können. Ein Hirte nach dem Herzen der grossen Propheten Israels ist Dr. Kroner gewesen, vom Beginn seines Amtswirkens an bis an sein sanftes Ende. In früher Jugend schon auf sich gestellt, hat er sich selbst zur Selbstlosigkeit erzogen und in dieser vornehmsten Tugend sich geübt, die Quell und Inbegriff aller Menschenliebe ist. Sein ganzes bewusstes Leben war fortgesetzte Betätigung einer Menschenliebe, die durch keine üble Erfahrung, durch keinen Undank sich erschöpfen oder auch nur ermüden Hess. Sein Glaube an die Menschheit und an die Menschen grenzte an Aberglauben. Für bösen Willen fehlte ihm das Verständnis — er glaubte nicht an ihn. Sein kindliches Herz war voll von jener Weisheit des Himmels, die kein Arg kennt. Darum waren vor allem die Kinder ihm zugetan. Sie fühlten, dass in ihm ein kindliches, kinderreines Gemüt lebte. Daruni war er auch der geborene Pädagoge. Ungehorsam ihm gegenüber gehörte einfach zu den Unmöglichkeiten. Und dieser friedfertigste der Menschen konnte in heiligen Zorn geraten: Jene Bewegung, die eine Schmach unserer Zeit ist, rief ihn zur Apologetik, in der er sein seine scharfe Logik Philipp Kroner geb. in Deutsch-Krone am 11. Oktober 1833, gest. in Berlin am 2. Januar 1907. vielseitiges und umfangreiches Wissen, in den Dienst der Wahrheit stellte. Seine Homiletik hatte eigenartigen Reiz. Seine Predigten waren kurz und eindringlich. Sie schmeichelten sich durch ihre Form dem Ohr des Hörers ein und sättigten zugleich das Herz, dem sie Nahrung gaben. Wer offenen Herzens seinea Worten lauschte, der trug dauernde Erinnerung davon, dem blieb dauernder Gewinn zurück. Das Lehramt versah er in meisterlicher Weise. Ihm war gegeben, die Herzen der Jugend und ihren Verstand aufzuschliessen. Was er den Kindern sagte, ging nicht über ihren Horizont, und enthielt doch auch sclnn Keime der Belehrung für die kommenden Tage der Reife. Und was er den Jünglingen vortrug, die sich mit Begeisterung um ihn drängten, das hatte überzeugende, mitreissende Kraft. Der Glaube in ihm schuf Gläubige. Er predigte ihnen nicht Religion, er lebte sie vor ihren Augen, ein Vorbild, das zur Vereehrting und Nacheiferung zwang. Ein Schüler Diesterwegs ist Dr. Philipp Kroner gewesen. Er hat, was jener gelehrt, zur Tat gemacht. Nicht blos in der Schule, nicht blos in seinem Hause, sondern in seiner ganzen Lebensführung. Sein Herz jauchzte, wenn er loben durfte; es war ihm Erquickung, Anerkennung auszusprechen. Anderen helfen, war seine Freude. Er half mit Rat und Tat jedem, der sich an ihn wandte, jedem, den er hilfsbedürftig fand. Und für die Hilfe, die er brachte, wusste er aufrichtigen Dank. Klugen Rat erteilte er, ohne seine Ueberlegenheit fühlbar zu machen; seine Trostesworte waren eine Aufrichtung, denn aus echtem, innerem Mitgefühl waren sie geschöpft. Philipp Kroner, reine Seele, fahre wohl!