Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Aus Benjamins Chederjahren
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 53 - 54 (sequence 6)
- Language
- German
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53 S. Meiseis: Ans Benjamins Chederjahren. 54 verabreichten ihm eine beträchtliche Anzahl Prügel, so dass er in — ein lautes Weinen ausbrach. Wie aus der Erde wuchs plötzlich Reb Mendel in schmutzigem Schlafhemde und Unterbeinkleide aus. „Was macht ihr, Bengel: Nennt ihr das — Lernen — —? Wie steht geschrieben? Moses sagte: Rosche«, Bösewicht, weshalb schlägst du deinen Freund! Das letzte Wort elektrisierte alle Schüler. Sie wurden wie gelähmt. Sie schämten sich ihrer bösen Tat . . . An dieses Wort Moses dachten sie gar nicht . . . Mendel bestrafte diesmal die Missetäter nicht, sondern hielt ihnen eine Moralpredigt. Hieraul schickte er sie nach Hause, zumal da es bereits zu dämmern anfing. Benjamin war der letzte, der das Schulhaus verliess. Mit schwerem Herzen und wehen Gliedern schlenderte er durch die menschenleeren Strassen der Stadt. Er ging nicht nach der Wohnung seines Onkels, sondern lenkte seine müden Schritte über den Quai dem Schlossberge zu . . . Als er ihn erklettert hatte, setzte er sich in das taufeuchte Gras. Die ersten purpurnen Streifen des Sonnenaufgangs zeigten sich auf dem Horizonte ... Er wendete seinen Blick von diesem Himmelspunkt . . . vergrub sein Gesicht . . . und — weinte . . . €in Traum. nad)öruch verboten. Ich) träumt - id; wäre in £l=Hefd;ibs Canöen, Wo Sreifyeit unb Gerechtigkeit fid} fanben Unö eine Rrone um bie CDenfcfyen wanben Von £ieb unb Treu. Id) \a\) oie Sreifyeit auf bem Zrjxorxe fitzen, €in Diabem auf ityrem Raupte binden, Unb Recfyt unb Ciebe bienten \\)x als Stü^en Im t)ol)en Amt. Unb fonnverwanbt war ih>r gerechtes Walten: Sie liefe bie £ebenskeime frei entfalten; Sie fpenbef £id;t ben Jungen wie ben Alten In gleichem (Pafo. Der F5afo entwid), ber 3wift fanb l)ier ein €nbe, Vereint, verbrübert waren alle Stänbe, Die lang €nt3weiten reichten jict> bie ßänbe . . . Id) freute mid). ler; harn ja aus bem fd)aurig finftern Horben, Wo Tagesarbeit ift bas <Denfd)enmorben, Das £anb burd)3ier;en beftienwilbe ßorben, Des Böfen Brut. Wo Bäd)e fliefeen von ben vielen tränen, Wo Srauen jammern unb bie (Dänner ftöfynen Unb jebe Bruft burerrtobt ein mächtig Seinen Dad) Cid)t, nad) Cid)t . . . Dod; t)ier ift Sriebe, r>ier ifts gut 311 worjnen; Wo Sreil)eit thront, ba mufe aud) ODilbe thronen, t5ier wirb ber Starke wor;l ben Sd)wad)en fd)onen, Wie ficr/s gebührt. Cr;arlottenburg. Von biefer Stelle werb id) aud; nicf)t weichen, ßier foll bie Wanberung ih>r Gnb erreichen, Unb meinen Wanberftab, bes Clenbs 3eid;en, Begrab id; l)ier . , . „ loe, Alter, auf! 1er; müfct euer; fonft beftrafen, In biefem park ift nid;t erlaubt 3U fcfylafen, F5ier ift für hergelaufne frembe Sklaven ftein Dad;tafYl! - Ir;r feib ein Srember, mübe ferjon vom Wanbem? - F5ier ift kein piatj für eud; fud;t einen anbern; \\)x bauert mid;, bod; müfet ih>r fd;leunigft wanbern 3ur Stabt tynaus!" So weckte micr; ein (Dann vor (Dorgengrauen. Id) \a\) \\)n an unb wollt bem Blick nid)t trauen, Id) mufcte immer wieber auf ir;n flauen, Den (Dann bes Rechts. Da griffen nad) bem Wanberftab bie Bänbe, Unb weiter ging es, weiter or;ne €nbe. Öott ein3ig weife, ob je bas Cos fid; wenbe Des Wanbersmanns. Id; bleib ja ftets ber wanbernbe Gefelle, Getyetjt, gejagt von jebes Kaufes Schwelle, Der Blitje Siel, ein Spielball jeber Welle, Das Ceiben felbft. \&) träumt -- id; wäre in €l=Refd)ibs Canben, Wo Sreir;eit unb Gerechtigkeit fid; fanben . . . Dod) als ber junge Zag kaum war erftanben, Verflog ber Traum. — 5amuel (Deifeb.