Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die Sendung Muhammeds
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 43 - 44 (sequence 5)
- Language
- German
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43 Dr. Julius Reiner: Die Sendung Muhammeds. 44 Tochter Abu Bekrs. Ohne diese zwei Persönlichkeiten, die dem Propheten mit Rat und Tat beistanden, wäre der Islam gewiss nicht über die ersten Anfänge ähnlicher Versuche, neue Religionen zu stiften, hinausgekommen. Von nun an wächst die Macht und das Ansehen des Propheten. Sein Anhang ist sogar so stark, dass er auf die gewaltsame Ausbreitung seiner Lehre sich einlassen kann. Die Aussicht auf Beute mag nicht wenig beigetragen haben, den Mut seiner Anhänger zu steigern. Muhammed offenbarte nämlich im Namen Gottes, dass die Beute gleichmässig unter die Kämpfenden verteilt werden solle. Das war kein geringer Ansporn für so manchen armen Teufel, dem übrigens der Prophet neben den irdischen Gütern für die Teilnahme am heiligen Krieg — so nannte Muhammed seine Raubzüge — noch himmlische Freuden in Aussicht stellte. Der Verlauf der Ausbreitung des Islams kann hier als bekannt vorausgesetzt werden. Keine Religion hat in ihren Anfängen so viel Menschenleben gekostet, wie der Islam. In der anderen Hälfte seiner prophetischen Laufbahn war Muhammed von seiner göttlichen Sendung weniger überzeugt, als in der ersten. Er sah, dass das Schwert viel wirksamer sich erwies, als die Berufung auf Gott, auf den sich ja auch seine Gegner zu berufen pflegten. Trotz der Verdienste, die man dem Stifter des Islam nicht aberkennen kann, erscheint er als Mensch Teppich-Abteilung. i (Bezalel. Abbildung XII.); und Prophet in etwas unklarem Licht. Seirje geistige und moralische Physiognomie war weit entfernt von jener Reinheit und Selbstlosigkeit, die wir von einem Religionsstifter zu verlangen pflegen. Mit dem Massstab seiner grossen Vorgänger unter den Religionsstiftern gemessen, erscheint uns der Prophet von Mekka verschwindend klein, das Allzumenschliche haftet zu sehr an ihm. Er hat auf dem Gebiet der Religion keinen einzigen Gedanken hervorgebracht, der nicht schon früher bekannt gewesen wäre. Vom Standpunkt der Theologie betrachtet, ist der Islam ein ziemlich schwacher eklektischer Versuch, und der Stifter selbst hat sogar nicht immer im Sinne seiner eigenen Vorschriften gelebt. Und dies ist es in erster Reihe, was die Person Muhammeds in weitem Abstand von den anderen Religionsstiftern zeigt. AUS BENJAMINS CHEDERJAHREN. Eine Skizze aus dem Osten. — Von S. Meiseis. Nachdruck verboten. Benjamin hiess er, aber seine Eltern nannten ihn, ihren Einzigen, ihren Liebling, liebkosend und verzärtelnd »Muniu". Sie sprachen diesen Namen in polnisch verweichlichtem Akzent aus. Tiefempfundene Liebe, Elternliebe, die sich zuweilen in den kleinsten Dingen äussert, lag in dieser Namensnennung; innerliche Zärtlichkeit, die schon im zarten Kinderherzen ein Gefühl von Wurde und selbstbewusster Wertschätzung erweckte. Benjamin war in einem polnischen Dorfe geboren. Sein Vater, der Gutspächter Saul Glück, war ein reicher Mann, vielleicht der reichste Mann im Dorfe, ohne dass er dadurch den Neid oder die Missgunst der Bauersleute irgendwie erregte. Alle wussten es,