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Ost und West · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. Seite 843 - 844

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
Die Juden in dem Werke "Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild"
Date
1903-12-01
Page
Seite 843 - 844 (sequence 2)
Language
German
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843 Die Juden in dem Werke „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild*. 844 Standpunkt zu bieten. Doch das Gefühl der Enttäuschung wich bald dem der — Bewunderung. Ich fand nämlich in diesem kleinen Aufsatz eine solche Fülle des Neuen, Originellen, ja — Unglaublichen, dass ich aus dem Staunen gar nicht herauskam. Es drängt mich, wenigstens einen kleinen Teil von all dem Neuen, das ich aus dieser Studie über Juden und Judentum gelernt, den Lesern dieser Zeitschrift mitzuteilen. Zunächst erfuhr ich, dass Chanukah sieben Tage dauert. „Zu Anfang des Wintersbelehrt uns der Verfasser, findet das siebentägige Makkabäerfest — Chanukah" statt. „Am ersten Abend zündet man ein Lämpchen an und an jedem folgenden um eins mehr, bis zu s i e b e n." Ebenso neu war es mir, zu erfahren, dass am Simchath-Thora die Männer zum Zeichen des Jubels „Freudenschüsse abgeben!" Auch meine bisherige Ansicht über die Bedeutung des Feststrausses am Laubhüttenfeste musste ich richtigstellen: „Zur Erinnerung an das gelobte Land wird Jbeim Morgengottesdienst ein Strauss aus Palmzweigen, Myrthen und Gedern (Ethrogim) geschüttelt." Ich hatte etwas davon gehört, dass die vier Arten (unser Herr Verfasser reduziert sie auf drei) noch im Tempel zu Jerusalem gebraucht wurden, ja, schon in der Bibel (Leviticus 23, 4-0) soll etwas darüber stehen. Nun wreiss ich's besser. Das alles dient „zur Erinnerung an das gelobte Land". Am Jom-Kippur eilt alles „barfüssig in die mit Heu bestreute Synagoge, über deren Eingängen derEngel mit dem Schwerte droht!" Vergebens habe ich mir über diesen Engel mit dem Schwerte meinen armen Kopf zerbrochen. Unserm so gründlichen Herrn Verfasser scheint der Paradiesengel sich mit dem riemenschwingenden Schamas verwechselt zu haben. Doch das ist eine Kleinigkeit, wichtiger ist es zu erfahren, dass die „Tefilin" (der Herr Verfasser meint offenbar die Thephillin) im Grunde nur „Gebetriemen sind, an denen kleine, steife, l .e d e rn e Würfel befestigt sind, welche auf Pergamentstreifen das mosaische Glaubensbekenntnis enthalten". Alle Lehr- und Handbücher der jüdischen Geschichte werden in Bezug auf ein wichtiges Datum korrigiert werden müssen. Wir alle hatten bisher gelernt, dass die Polygamie unter den Juden bereits in thalmudischer Zeit, obwohl juridisch zulässig, nur äusserst selten geübt wurde; im Jahre 1020, so lernten wir weiter, verhängte Rabbi Gerschon Maör-Haggolah den grossen Bann über alle, die sich mehr als eine Frau antrauen Hessen, womit er (infolge eines besonderen Vorkommnisses) nur einen Grundsatz sanktionierte, der seit vielen Jahrhunderten im Rechtsbewusstsein des Volkes lebte. Von nun ab werden wir diese Ansichten aufgeben müssen. „Der Polygamie hat erst im 13. Jahrhundert der grosse" Bann autoritativer Rabbiner ein Ende gemacht", belehrt uns der Herr Verfasser. Auf ein paar Jahrhunderte kommt es ihm offenbar nicht an. Wenn uns der Herr Verfasser weiter versichert, dass beP den Juden „die Frau bloss als ein halber Mensch gilt", und dass in früheren Zeiten „die Frau# nicht die Gefährtin, sondern fast die Leibeigne des Mannes wrar", so wird man dies nach alldem seiner gediegenen Gelehrsamkeit aufs Wort glauben. Hochinteressant ist es, zu erfahren, dass in den jüdischen Schulen Galiziens bis zum Jahre 1782 „die Unterrichtssprache überall die hebräische war". Schade nur, dass wir nicht näher erfahren, was der Herr Verfasser sich eigentlich unter Hebräisch vorstelle; denn das, was wir gewöhnlichen Sterblichen als Hebräisch kennen, war in Polen nie Unterrichtssprache, war Unterrichtssprache spätestens noch in den palästinensischen Akademien! An anderer Stelle belehrt uns der Herr Verfasser . . . „der jüdisch-deutsche Jargon" sei eine Sprache mit „eigner, sehr kurzer, von rechts nach links gehender Schrift, aber ohne regelmässige Formbildung und von willkürlicher Syntax". Sprachforschung scheint nun einmal nicht die starke Seite unseres Herrn Verfassers zu sein; MOSES EZRKIEL. ROM. Skizze Leonardo da Vinci

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