Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Das Judentum in der Beleuchtung eines jungen Philisophen
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 825 - 826 (sequence 2)
- Language
- German
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825 Dr. Bernhard Münz: Das Judentum in der Beleuchtung eines jungen Philosophen. 826 - 4t ■■'v<wim& '5 :JtS\T^ "^-^ v . $ Eätf ' " Reich, dessen Gründung Jesus selbst zu erleben, später durch sein Blut zu erkaufen hoffte, war das Reich, von dem Israels Propheten seit Jahrhunderten schon geweissagt hatten, das Israel seit Jahrhunderten erwartete. Wie hätte es denn auch anders sein können, da es, um mit dem streng katholischen Schriftsteller Josef von Gör res (Mythengeschichte, IL 507) zu sprechen, „das Charakteristische, Auszeichnende der mosaischen Grundansicht ist, dass sie die Gottheit gleich sehr der Vermessenheit der ergründenden Vernunft geschlossen hält, wie sie keusch und enthaltsam, mit dem sinnlichen Taumel derEinbildungskraft sie zu beflecken verbietet, und imEthischen allein ihr klares, ungetrübtes Strahlen zu einem erhabenen Gesichte, zu einem grossen dräuenden und segnenden Meteore auseinanderbrechen lässt/ Nach alledem hat der wahre Jude einen Glauben, auf den er stolz zw sein allen Grund hat, und das gelassen ausgesprochene grosse Wort, dass der echte Jude von dem Gott im Menschen, dem „Gott, der mir im Busen wohnt", nichts weiss, und dass ihm aus Mangel an Tiefe die Genialität versagt ist, fällt in nichts zusammen. Zu einem Anwalt Spinozas, der nach der Ansicht des jüngsten Philosophen „der gedankenärmste und phantasieloseste unter allen Gestalten war, welche die Geschichte der Philosophie aufzuweisen hat" brauche ich mich wohl nicht aufzuwerfen. Dies hiesse Eulen nach Athen tragen. Es sei mir nur gestattet, das Urteil eines gottbegnadeten Dichters dem Wetningers gegenüberzustellen. Adolf Pichler lässt sich in dem Buche: „Zu meiner Zeit" über Spinoza also vernehmen: „Sein ganzes Dasein war ein gotterfülltes; für ihn ordnete sich alles einem grossen Gedanken unter, oder vi elmehr: HOMER. " - -" ' ~ ■■ ■ '■mwhk-' ÄW^-Sfv •*.-r a-v v J'?> MOSES EZEK1EL. Er kannte nur das Wesenhafte und liess alles Zufällige darin aufgehen. Der Nachthimmel ist so klar, so tiefblau und ruhig! Wenn ich einen seiner Sätze lese, ist mir auch, als ob ich in den Nachthimmel schaute: ein einziger bestimmter, durch nichts zerrissener Eindruck. Wird es nötig, bisweilen sich irn Gemüte zu sammeln, um nicht ganz im Vielerlei täglicher Geschäfte unterzugehen, so erscheint mir dabei niemand so hilfreich als Spinoza. Man nennt ihn kalt, poesielos, und doch spricht sich das Genie nirgends ursprünglicher und naiver aus: ursprünglich darum, weil alles, was er sagt, reine Anschauung durch den Geist ist; naiv deswegen, wreil er das ihm ewig Wahre durch die mathematische Methode zu beweisen sucht und es dennoch unter der Form des Axiomes als Voraussetzung hinstellt. Seine Sätze sind Krystalle, aber man merkt es wohl, dass sie einst flüssig waren am Feuer des edelsten Herzens. Was dürfen wir Harmonie nennen, ist es nicht das Wesen dieses einzig grossen Mannes?" Weininger hält es für geraten, einen Befähigungsnachweis für sein Attentat gegen das Judentum zu erbringen. Er bemerkt in einer Fussnote, dass er selbst jüdischer Abstammung ist. Natürlich hat er aber dank jener gründlichen philosophischen Einsicht, die ihn vor einem Lazarus. Steinthal, Hermann Cohn, Theodor Goniperz und anderen jüdischen Denkern auszeichnet, seinen Geburtsfehler gut gemacht; er hat sich zu der dem Juden so wichtigen und so nötigen Erkenntnis dessen, was das Jüdische und das Judentum eigentlich ist, emporgerungen und demgemäss die „seelische Taufe des Geistes" an sich vollzogen, welcher die äusserliche des Körpers symbolisch ROM. folgte. igK^ X rvjK^^g**. n.. v 'V3E«?' N xm if* DIE FROMME KATZE. Von'J. L. Perez. (Aus dem Jüdischen übertragen von Frida Moses.) Nachdruck verboten. Drei Singvögelchen sind in einer Stube gewesen, und allen Dreien — einem nach dem andern — hat die Katze den Garaus gemacht. . . . Das war keine gewöhnliche Katze, nein, eine wirklich und wahrhaftig fromme Seele war das, welche nicht umsonst das weisse gut-jüdische Rockel trug, und Augen hatte, in denen sich der Himmel spiegelte. . . . Sie war eine fromme Katze, eine „Twiio-Katze!)"! l) Die die gebotenen Reinigungen befolgt.