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Ost und West · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. Seite 821 - 822

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
Die Juden in Schweden
Date
1903-12-01
Page
Seite 821 - 822 (sequence 4)
Language
German
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821 Robert Jaffe: Die Juden in Schweden. 822 MOSES EZEKIEL. ROM. MEIN VATER. König Oskar II für die Besten unter den schwedischen Juden ein besonderes Wohlwollen. Mit dem Stockholmer Rabbiner Professor Klein soll er in der freundschaftlichsten Weise verkehren, und da er ein ausserordentliches Interesse für Orientalistik hat, mit ihm wissenschaftliche Gespräche führen. Wenn der König auf der in der Nähe von Gothenburg gelegenen Insel Marstrand seinen Sommeraufenthalt hat, geschieht es oft genug, dass jüdische Grosskaufleute zum König geladen werden. Dies ging sogar so weit, dass der schonische Adel, der früher in Marstrand etwa das hatte, was der mecklenburgische in Heiligendamm, infolgedessen sich nach und nach immer mehr zurückzog. So konnte man fast fürchten, dass sich in Schweden die jüdische Bevölkerung noch einmal restlos und ganz unauffällig in der obigen auflösen möchte, wie es doch im Laufe der Jahrhunderte bereits einmal in China geschehen ist. Eine Kehrseite der Medaille ist in der Tat auch die, dass die Zahl der Mischehen eine beträchtliche sein mag. Eine jüdische Statistik, giebt es freilich darüber nicht und kann es auch nicht geben. Während nämlich in Deutschland alle Mischehen vor dem Standesamt geschlossen werden, giebt es in Schweden kein Standesamt. Mischehen werden in der Stadt vor dem Magistrate und auf dem Lande vor dem Kronvogte geschlossen. Aber darüber wird nichts veröffentlicht. MOSES EZEKIEL. ROM. MEINE MUTTER Den einzelnen Religionsgemeinschaften wird von den Behörden mitgeteilt, dass dies oder jenes Mitglied eine Mischehe eingegangen sei. Aber die Religionsgemeinschaften führen keine Statistik darüber. In Schweden wäre ja auch eine solche Statistik ganz besonders schwierig, weil dort z. B. als eine Mischehe es auch schon gilt, wenn ein gläubiger Protestant sich mit einer Protestantin verheiraten will, die nicht getauft worden, oder nicht konfirmiert worden ist, oder nicht das Abendmahl empfangen hat. Jedoch in ungefährem Ueberblick lässt sich immerhin so viel sagen, dass im allgemeinen die Zahl der Mischehen in Schweden ungefähr der in Deutschland entprechen wird. Bei den vornehmen Juden dürfte sie allerdings noch erheblich höher sein. Aber auch die vornehmen Juden in Schweden, die etwa von spanischen oder holländischen Vorfahren abstammen, haben von jenen spanischen Rittern jüdischen Geblüts den aristokratischen Zug, dass sie ihrem Judentum treu zu bleiben wissen. Sie schämen sich nicht ihres Judentums: sie sind stolz auf ihre Abstammung. Sie beteiligen sich an dem Gemeindeleben, sie nehmen an den Gemeindesitzungen teil, und sie sind Mitglieder der Chewra. Und während die vornehmen Christen, wenigstens die Männnr, niemals oder selten in die Kirche gehen> kommen die Juden in die Synagoge zu allen Feiertagen und oft auch noch an den Samstagen.

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