Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Politische Revue
- Date
- 1903-11-01
- Page
- Seite 791 - 792 (sequence 3)
- Language
- German
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791 Politische Revue. 792 auf Grund entsprechender Erforschungsarbeiten und nach einem einheitlichen PJane erfolgen; es soll durchaus legal sein und sich mit der -Erstrebung immer höherer rechtlicher Garantien verbinden. IL Als Mittel zur Erreichung dieser Zwecke werden empfohlen: Die Belebung der bestehenden Palästina-Kolonisations- Vereine durch eine kräftige Propaganda und die Gründung neuer Vereine dieser Art; das Zusammentreten und die zentrale Organisation aller Kolonisationsvereine; der loyale Zusammenschluss letzterer mit allen jüdischen Körperschaften, die sich für Palästina interessieren, und die Herbeiführung einer dauernden Verständigung unter denselben zwecks einheitlicher Führung des Ansiedelungswerkes. III. Die Versammlung spricht dem Baron Edmund Rotschildschen Palästina-Komitee und der J. C. A. für ihre bisherige Tätigkeit, durch welche das jüdische Ansiedelungswerk im Orient begründet und gefestigt wurde, ihre wärmste Anerkennung aus. „Wenn wir diese Resolutionen beschliessen und sie unseren Gesinnungsgenossen empfehlen — schloss Dr. Nossig - , so entrollen wir damit allerdings nicht ein so bestechendes und verlockendes Programm, wie es die Idee einer sofortigen Staatsgrimdung war. Unser Weg ist ein langer und mühevoller, aber er hat eines für sich: es ist der einzige, der zur wirklichen und sicheren Erreichung des angestrebten Zieles führt. Dort, im Orient, können wir die Freude erleben, Jahr für Jahr eine Reihe neuer, blühender Kolonien entstehen zu sehen, und dabei das Bewusetsein haben, dass durch jede von ihnen unsere eigentliche Aufgabe gefördert wird, das Werk der endgültigen Erlösung des jüdischen Volkes/ Dass die vom Vortragenden angedeutete Kräftigung der Kolonisationsbewegung, sowie die Anbahnung einer Verständigung zwischen allen Kolonisationsfaktoren Aussichten haben, sich zu verwirklichen, bewiesen Eriefe und Telegramme, welche anlässlich der Versammlung eingetroffen waren und die allerorts bestehenden Sympathien für die Palästina-Kolonisationen bekundeten. Erwähnt sei ein sehr ermunterndes Schreiben von Narcisse Leven an Dr. Alfred Nossig (welches jedoch nicht zur Verlesung gelangte), ein Kollektivtelegramm aus Wien, welches die eben erfolgte Begründung eines neues Vereines der Palästinafreunde anzeigte, ein Schreiben aus Budapest, endlich ein Brief von Dr. Natan im Namen des „Hilfsvereins deutscher Juden1', dem wir folgende Erklärung entnehmen: „Unser Hilfsverein der deutschen Juden steht allen Bestrebungen, ein gemeinsames Arbeitsfeld in Palästina zu schaffen, sympathisch gegenüber und ist gern bereit, so weit das in sein Tätigkeitsgebiet gehört, dieser Sympathie praktisch Ausdruck zu verleihen." In der auf den Vortrag folgenden Diskussion ergriff zunächst Willy Bambus das u Wort und entwickelte in: eingehender Darstellung den gegenwärtigen günstigen Stand der Palästinakolonisation und die Aussichten einer Besiedelung in grösserem Umfange. Professor Warburg, der Vorsitzende der Ostafrika-Kommission, erklärte, dass das ostafrikanische Projekt noch keineswegs ganz ernstlich ins Auge gefasst wurde, und empfahl für die Rettungsaktion besonders Vorderasien, welches er als das vorzüglichste und aussichtsreichste Kolonisationsgebiet der Erde bezeichnete. Dr. Franz Oppenheimer betonte es, dass er auf öffentlich-rechtliche Sicherung des Ansiedelungswerkes Gewicht lege und daher, so lange eine solche in Palästina nicht zu erreichen sei, angesichts der dringenden Notwendigkeit einer Rettungsaktion sich auch für ein englisches Gebiet entscheiden würde. Dem gegenüber führte Dr. Hildesheimer aus, dass gerade die Grösse des jüdischen Elends und die Dringlichkeit einer Abhilfe es zur Pflicht machen, nicht die Erreichung eines Charters abzuwarten, sondern zunächst auf kolonisatorischem Wege die Rettungsaktion in erreichbarem Umfange zu führen und sie nach dem Lande unserer Väter hinzulenken. Ephraim Kohn überbrachte den Gruss der jüdischen Pioniere in Palästina und betonte, dass man im Heiligen Lande die Tätigkeit des Esra hoch bewerte. Davis Trietsch erklärte seine volle Uebereinstimmung mit dem Nossig'schen Referat und empfahl insbesondere die industrielle Kolonisation in der Nähe der Städte als Mittel, um grössere Mengen jüdischer Bevölkerung im Orient anzusiedeln- Bertold Feiwel sprach vom Standpunkte des politischen Zionismus, dessen Verhältnis zur Kolonisationsbewegung er zu präzisieren versuchte. Da ein Redner gegen die Fassung der Resolutionen vom Standpunkt der Satzungen des „Esra" einen Einwand erhoben hatte, so wurde eine Wendung derselben geändert, worauf die Resolutionen von der Versammlung einstimmig angenommen wurden. Weitere Versammlungen von Palästinafreunden sollen demnächst in anderen Städten stattfinden. Die Propaganda - Kommission gedenkt überdies eine rege Agitationstätigkeit auch ausserhalb Deutschlands zu entfalten. *) Diese Einschränkung der Kolonisation in den Nebenländern machte das bisherige Statut des „Esra" erforderlich. E. M. Lilien. Sein Werk. So heisst das 350 Seiten starke Buch, das soeben in dem bekannten Verlage von Schuster & Löffler erschienen ist und ungefähr 100 der besten Zeichnungen aus allen Schaffensperioden des Künstlers enthält. Ein Prospekt vom Verlag Schuster & Löffler, das obige Buch betreffend, liegt dieser Nummer bei. Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50, für das Ausland Mark 4,— für Russland ganzjährig: 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte a 35 Kop. 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