Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Erew-Jom-Kipur
- Date
- 1903-11-01
- Page
- Seite 785 - 786 (sequence 4)
- Language
- German
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785 David Pinsky: Erew-Jom-Kipur. 786 „Ich brauche auch, und Schmerel braucht auch, Sage mal, Schmerel, du brauchst doch auch, wie?" „Oh, und wie noch!", antwortet dieser. „Ich habe Sie auch .wirklich bitten wollen." „Siehst du, he?" wendet sich Reb Elih an Ejser. „Simcheh!" ruft er einen vierten. Er will schon den ganzen Zwischenlall mit Ejser vergessen. „Aber ich muss es heute unbedingt haben," dringt Ejser. „Bis heute will Bejnisch der Wucherer nur noch warten. . „Bist kindisch, wahrhaftig! sagt Reb Elih noch immer weich, obwohl ihn Ejsers Eigensinn schon zu ärgern beginnt. „Bist kindisch," wieder hoher in seinem süssesten und herzlichsten Tone, „gebe ich dir, dann muss ich Boruch geben, muss Schmerel, muss Ephro'im geben — muss ich allen geben. Weiss ich's denn nicht, dass alle brauchen? Nicht wahr, bei dir, Ephroim, ist doch eine Tochter Braut geworden? Wie geht's ihr?" fragt er mitleidig. „Wie soll's ihr gehn? Liegt! Hätt' ich Geld. . ." antwortet Ephroim mit Ueberwindung und verzweifelt. Ejsers Gesicht ist vor Herzweh entstellt Er blickt sich um im Kreise seiner Kameraden .— sie blicken alle finster vor sich hin. Sogar auf Boruchs Gesicht ist Zorn zu lesen. „An einen Geber gekommen!" flüstert er. „Als ob er ihn garnicht kennnen täte," murmelt Simcheh. „Ae-äch!" seufzt Efro'im. „Erew-Jom-Kipur — nicht. Erew-Jom-Kipur. . ." brummt Getzel in Boruchs Tonfall. Ejser seufzt und drückt sich aus dem Kontor. „Erew-Jom-Kipur! Reb Ejser!" ruft ihm ein junger Arbeiter nach. „Ae-ä-äh," wehrt Ejser mit der Hand ab und geht. Reb Elih fühlt, dass die Arbeiter ihn beim Herrgott verklagen. „Das ist eine Bande!" denkt er, während er einen Arbeiter nach dem andern vorruft. „Fällt es ihnen auch mal ein, sich in meine Lage zu versetzen? Gib! und genug, Mehr wissen die nicht!" Es verdriesst ihn zwar schon, dass er mit Ejses so angebunden — aber, da es nun mal so gekommen ist — äh! „Getzel!" ruft er weich. Sogar diesen seinen schlimmsten Feind will er heute freundlich behandeln. „Da bin ich!" ruft der Spassvogel schreiend und steuert auf den Tisch los. „Morgen ist Jom-Kipur, Getzel!" warnt Reb Elih. „Getzel, morgen — Jom-Kipur." „Aach, ich weiss!" krächzt Getzel. „Bist ein Schegez, Getzel! ein grosser Schegez!" fährt Reb Elih in seinem Predigertone fort, während er ihm das Geld auszahlt. „Bist ein Schegez, ein grosser Schegez?" wiederholt Reb Elih durch die Zähne und ruft einen andern Arbeiter. Getzel ist unzufrieden. Er hat zu wenig und zu schlecht geantwortet. Er hätte ihn stechen sollen, dass es ihm in die tiefste Seele dringt. Auch die Kameraden sind unzufrieden, sie haben sich so viel von diesem Schauspiel versprochen. Schweigend verlässt Getzel das Kontor. Schweigend folgen einer nach dem andern die jungen Arbeiter, nachdem sie ihren Lohn ausgezahlt erhalten. Reb Elih verdriesst es, dass sie weggehen. Er hält sie aber nicht zurück. Er weiss, es wäre verlorene Mühe. Nicht einmal ein Erew-Jom-Kipur macht ihr Herz weicher. Hartgesottene Sünder! Und er wird den übrig bleibenden gegenüber immer milder und milder. Den Knaben steuert er sogar etwas bei für Gebetbücher — — und blickt triumphierend zu den Alten hinüber. Und Boruch denkt bei sich, dass in Reb Elih zuguterletzt doch ein gutes jüdisches Herz wohnt. Die Auszahlung ist zu Ende. Reb Elih erhebt sich mit sehr freundlicher Miene. „Nun, Brüderchen," sagt er lebhaft, „jetzt wollen wir uns verabschieden, wie sich's gehört. Einen Schnaps nehmen, etwas „zubeissen" Er beginnt die Gläschen zu füllen. Boruch, Schmerel, Ephoim, Simcheh sind die ersten. „Auf Ihr Wohl, Reb Elih! Wünschen Ihnen, der Herrgott soll Ihnen geben ein glückliches Jahr . . ." „Amen. Euch auch!" antwortet Reb Elih andächtig und freundlich. „Geht gesund nach Hause, habt einen leichten Fasttag. Betet, Brüder, ein gutes Jahr aus, gute Geschäfte ... ha, Bärke, nimm doch etwas Schnaps, so — — Gebe Gott, das neue Jahr soll besser sein als das alte.---Warum trinkst nicht das Ganze aus? Schlemihl du! Ha, ein Stückchen Torte — — Man darf nicht sündigen, der Mensch muss Gott danken für jeden Tag, den er lebt." „Gepriesen sei der Allmächtige jeden Tag wie's heisst . „Eine böse Welt, Reb Elih! giebt ein gutes Beispiel . . Spassvogel. fällt Boruch seufzend ein. „Natürlich," fährt Reb Elih fort. „Aber, das neue Jahr mag doch besser sein---* „Nun, Kinder, nehmt doch etwas Schnaps, so--Nun, und ich verzeihe euch alles, alles. Das, letztens, war zwar von euch nicht ordentlich — aber, wollen's vergessen . . . Nun, Lejbe, warum stehst du so von Weitem? — aber, wollen's vergessen . . ." „Sie dürfen schon gegen uns sicher nichts haben," kann sich Ephroim nicht zurückhalten. „Nein, es war sehr nicht fein von euch," Niemand Besitze der von Dr. Chasanowitz besteht Reb Elih auf den Seinen. „Der Streik! begründeten jüdischen Nationalstichelt der Bibliothek in Jerusalem. Ge- Lässt sich nichts sagen! Aeh, lasst s euch schenk des Dr. Awinowitzki aus ± . , . , ., u , . .m Odessa. gesagt sein. Das heisst, mit Gewalt bei mir