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Ost und West · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. Seite 777 - 778

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Sterblichkeit und Krankheit bei Juden und Nichtjuden
Date
1903-11-01
Page
Seite 777 - 778 (sequence 2)
Language
German
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777 Dr. Hugo Hoppe: Sterblichkeit und Krankheiten bei Juden und Nichtjuden. 778 sundesten Bezirken von New-York und London die Tuberkulose unter den Juden so ausserordentlich viel weniger Opfer fordert, als in der übrigen Bevölkerung. Die Juden verdanken diese wunderbare Widerstandsfähigkeit eben zum grössten Teil ihrer Massigkeit, oder die Christen verdanken ihre grössere Morbidität und Mortalität der allgemein unter ihnen verbreiteten Unmässigkeit. Dazu kommt noch die so vielfach betonte Entartung und Schwächung der Nachkommenschaft durch die Trunksucht der Eltern, wodurch der bei den Christen so verbreitete Alkoholmissbrauch zur Erhöhung ihrer Morbidität und Mortalität beiträgt, während die durch unzählige Generationen fortgesetzte Mässigkeit der Juden sich in einer erhöhten Widerstandsfähigkeit nnd Zähigkeit der Rasse wirksam zeigt. Jetzt können wir auch an die Erklärung der oben mitgeteilten Ermittlungen Ruppins über die Zahl der Totgeburten in jüdischen Ehen, in christlichen Ehen und in Mischehen zwischen Christen und Juden herangehen. Es ergab sich, dass das jüdische Element in einer Ehe die Lebenschancen der Kinder vermehrt, das christliche sie vermindert, und dass in Mischehen dies besonders von dem männlichen Teil gilt. Es erklärt sich dies daraus, dass in den Jahren der besten Manneskraft, welche für die Zeugung hauptsächlich in Betracht kommen, der Alkoholismus, die Syphilis und auch die Tuberkulose die grösste Rolle spielen, welche bei den Juden verhältnismässig selten sind oder so gut wie ganz fehlen, und dass diese Krankheiten, besonders aber der Alkoholismus und die Syphilis, einen ausserordentlich verderblichen Einfluss auf die Nachkommenschaft ausüben und sehr häufig zu Totgeburten führen. Und da der Alkoholismus, aber auch die Syphilis vorzugsweise bei den Männern eine Rolle spielt, während wenigstens bei uns in Deutschland die Frauen von beiden Krankheiten, besonders vom Alkoholismus, wenig berührt sind, wenn auch in dieser Beziehung ein geringer Unterschied zu Gunsten der jüdischen Frauen besteht, so wird verständlich, warum in christlichen Ehen die Zahl der Totgeburten wesentlich grösser ist als in jüdischen, und in Mischehen, wo der Mann Christ ist, die Zahl der Totgeburten in rein christlichen Ehen fast völlig erreicht wird, während in Mischehen, wo der Mann Jude ist, die Zahl der Totgeburten nur etwas grösser ist als in rein jüdischen Ehen. Unfraglich ist auch die grosse Kindersterblichkeit bei den Christen im Vergleich zu den Juden zu einem nicht unerheblichen Teil eine Folge des unter ersteren herrschenden Alkoholismus, daerfahrungsgemäss eine erschreckend grosse Zahl der Kinder von Alkoholikern (und Syphilitikern) in denerstenLebensjahren zu Grunde geht. Es bleibt nun noch die zweite biologische Eigentümlichkeit der jüdischen Rasse, ihre Neigung zu den (nicht gerade lebenverkürzenden) Nerven- und Degenerationskrankheiten, zu erklären. Unzweifelhaft haben dieselben tausendjährigen Verfolgungen, welche auf der einen Seite eine gewisse Auslese der Widerstandsfähigsten bewirkt haben, auf der andern Seite die Nervosität und Degeneration gezüchtet, an welcher die Juden zu leiden haben. Es ist ja bekannt, dass die Gesundheit des Nervensystems durch nichts so sehr erschüttert und aufgerieben wird, als durch Jammer und Sorgen, Bedrückungen und Not, Schrecken und Bitternisse. Das alles haben die Juden zahlreicht Generationen hindurch in reichlichstem Masse durchkosten müssen. Gehetzt und verfolgt, mussten die Juden mit den erbärmlichsten Quartieren vorlieb nehmen und froh sein, wenn sie gelitten wurden und ruhig ihren Geschäften nachgehen konnten, immerdar gewärtig, aufgestört und vertrieben zu werden, immer scheu und unsicher, immer in Furcht vor Plünderungen und Gewalttaten, immerdar gewärtig, aufgestört und vertrieben zu werden und den Wanderstab ergreifen zu müssen, um bettelarm in fremden Orten oder gar in fremden Ländern sich unter den grössten Mühen eine neue Existenz zu gründen. Welche Zeiten voll Jammer und Elend, welch Gräuel- und Schreckensscenen haben unsere Ahnen durchgemacht, Scenen, in welchen das Blut zu Eis erstarrt in einer Nacht! Und dies gilt zum Teil, zumal für den östlichen Juden, auch noch in der Gegenwart. Ich brauche nur an die Konitzer Vorgänge und besonders an die jüngsten Schreckenstage von Kischinew zu erinnern, welche sicher mehr Nerven- und Geistesstörungen unter den Betroffenen gezeitigt haben resp. zeitigen werden, als sonst in vielen Jahren vorgekommen wären, um Ihnen klar zu machen, wie solche Hetzen und Metzeleien auf Seele und Gemüt wirken müssen, besonders wenn sie sich immer und immer wiederholen. Und dazu die dumpfe Verzweiflung und der ohnmächtige Ingrimm über die schimpflichen Verfolgungen und die unschuldig erlittenen Unbilden und die brutalen Gewalttaten. — Verspottet und verfolgt, gemieden und verachtet, fanden die Juden den einzigen Ersatz, die einzige Genugtuung im Erwerb, im Sammeln von Vermögen, von Reichtümern, welche gleichzeitig ihre einzige Waffe gegen ihre Verfolger bildeten. Das war für Viele

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