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Ost und West · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. Seite 775 - 776

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Kongresstypen
Date
1903-11-01
Page
Seite 775 - 776 (sequence 4)
Language
German
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775 D. F.: Koiigresstypen. 776 Nationalfonds zu folgen. Der Garten des Stadtkasinos ist daher von Delegierten gefüllt, die in milder Abenddämmerung Erholung suchen. Sie finden sie aber kaum. Wie von selbst finden sich auch hier Gruppen, die das Pro und Contra aus dem Kongresssaal hierher verlegen und mit derselben Leidenschaftlichkeit und demselben Eifer erörtern. Hie Afrika hie Zion!! Während ein Gesinnungsgenosse aus Russland — Ruw oder Magid ist schwer zu entscheiden — mit Bibeistellen das Ostafrikaprojekt zu rechtfertigen sucht und hierfür bei seinen jugendlichen Zuhörern nur Hohn erntet, schildert Dr. Levvin in einem andern Kreise die Gefahren und Schrecknisse in Russland im verflossenen Jahre und kommt zu dem Ergebnis, dass er trotzdem gegen die Besiedelung Ostafrikas sei. Denn Zion' ist das Ziel. Mit jugendlichem Temperament tritt ihm ein junger, eben aus Genua kommender Arzt entgegen, dessen Wiege in Berlin stand. Er bemüht sich, um seinen Zuhörern recht verständlich zu sein, im Jargon zu reden, in der Sprache, die seinen Eltern sehr geläufig ist, von ihm aber nur ungeschickt Das goldene Bucli des gehandhabt wird. Wenn er die Antiafrikaner auch nicht zu seiner Auffassung bekehrt — die eine Ueberzeugung müssen sie mitnehmen, dass derZionsgedanke in Deutschland nicht minder begriffen wird als in Russland. — ... Und die Abendschatten senkten sich nieder — und Nacht deckt die Strassen und Plätze Basels. In den Conventikeln und' Landsmannschaften schallt es aber noch von Red und Gegenrede, denn ,,sie ruhen und rasten nicht, die Hüter Israels." Der neue Tag ruft sie zum letzten Strauss. Noch wogt die Redeschlacht, noch stehen sich im bitteren Kampfe Anhänger und Gegner gegenüber. Als aber der Tag zur Rüste geht, als die Sabbatruhe ein Halt gebietet, besinnen sich alle darauf, dass es dasselbe Ziel ist, dem sie zustreben, dasselbe Gefühl, das sie durchglüht, und mit dem letzten Schlusswort des verehrten Führers umfängt alle ein einziges brüderliches Band. Hat der Kampf auch noch so sehr getobt, gerade dieser Kongress hat allen die Hoffnungsfreudigkeit wiedergegeben, die in dem Schlusslied ihren Ausdruck findet: Aud lau owdo tikwoseinu. jüdischen Nationalfonds. STERBLICHKEIT UND KRANKHEIT BEI JUDEN UND NICHTJUDEN. Von Dr. Hugo Hoppe, Nervenarzt in Königsberg. III.* Die Massigkeit der Juden erklärt vor allem ihre Widerstandsfähigkeit gegen Infektionskrankheiten. Bei allen Epidemien der Neuzeit hat man die Erfahrung gemacht, dass besonders nach Trinkexcessen Erkrankungen in gehäufter Zahl auftreten, und dass Trinker am meisten ergriffen wurden und am schnellsten erlagen, während Mässige oder gar Enthaltsame weit seltener befallen wurden und die Krankheit leichter überstanden. In neuster Zeit ist auch der experimentelle Beweis dafür an Tieren erbracht worden, dass Alkohol die Widerstandsfähigkeit gegen die verschiedensten Infektionsgifte bedeutend herabsetzt und einen schwereren Krankheits verlauf herbeiführt. Für unsere Betrachtungen ist besonders beachtenswert, dass sowohl die gefährlichste und verbreiteste aller akuten Infektionskrankheiten, die Lungenentzündung, die Trinker, wie schon lange bekannt ist, besonders häufig befällt und für dieselben fast stets tötlich ist, als auch dass die Erwerbung der verheerendsten aller chronischen Seuchen und aller Krankheiten überhaupt, die Tuberkulose, welche den 6. Teil aller Todesfälle verursacht, durch den Alkohol besonders begünstigt und gefördert wird. Wie die Lungenentzündung, so zeigt auch die Lungenschwindsucht bei Trinkern die weiteste Verbreitung und den schwersten und schnellsten Verlauf. Nunmehr verstehen wir, warum die Juden bei den meisten Epidemien in so auffälliger Weise verschont wrorden sind, warum der „schwarze Tod" im Mittelalter den Juden „nichts gethan" hat, warum selbst in den dichtbevölkertsten und unge- *) Siehe „Ost und West" Heft 9.

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