Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1903)
- Article
- Revue der Presse
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 719 - 720 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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719 Dr. Max Jungmann: Revue der Presse. 720 Mal sich mit „praktisch-sozialen Materien'1 befasst habe, — Was den Zionismus anbelangt, so meint das „Familienblatt", er hätte nur für die östlichen Juden Bedeutung, und wundert sich daher, dass trotzdem so viele russische Zionisten gegen das Afrika - Projekt stimmten. Ausserordentlich wenig weiss die „Israelitische Wochenschrift* vom Kongress zu erzählen, desto mehr aber die »Jüdische Presse4. Dort gibt Willy Bambus sein Urteil über den 6. Kongress ab. Bambus war in alten Zeiten der „Führer" der Berliner Zionisten und palästinensisch wie irgend einer. Es fiel ihm, so lange er in der Partei eine Rolle spielte, gar nicht ein, an der Möglichkeit eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina zu zweifeln. Wenn er jetzt über den „Judenstaat" und was damit zusammenhängt, spöttelt, so scheint er sich aus dem Himmel in die Hölle gemausert zu haben. Es ist daher kindlich unklug, wenn er auch in die Musik einstimmt: „Ist die Mauserung des Zionismus so weit vorgeschritten, dass jetzt ein Zusammenarbeiten der Ica und der Zionisten möglich ist, so wäre dies mit grösster Freude zu begrüssen etc." sie ungehört von der Hand weisen. Weiter kommt er darauf zu sprechen, dass man sich rühme, zum ersten Mal als Vertreter des Judentums mit den Grossmächten verhandelt zu haben. Bambus meint, man habe kein Recht, sich darauf etwas einzubilden; denn Baron Hirsch und die Vertreter der Ica hätten den gleichen Vorzug genossen. Der Unterschied ist aber der — und gerade darauf allein kommt's an —, dass der eine als Baron Hirsch, der andere als Vertreter der Ica empfangen wurde, dass man aber mit den Zionisten als Vertretern des jüdischen Volkes politisch verhandelt hat. Aber ich gebe gerne zu, dass es nicht so leicht ist, anerkennen zu müssen, was man lieber verurteilen möchte. Die gleiche ablehnende Haltung nimmt natürlich auch der Mainzer „Israelit" ein. Es ist wohl nicht angebracht, auf eine Kritik seiner Ausführungen einzugehen. Man wird sich: den Kommentar selbst bilden können, wenn ich den Anfang seines Artikels „Vom Zionismus" zitiere, wo es wörtlich heisst: , Die grosse Mehrheit der gesetzestreuen Glaubensgenossen in Deutschland kümmert sich das ganze Jahr hindurch nicht viel um den Zionismus. Was innerhalb der zionistischen Kreise zu kongresslosen Zeiten vorgeht, ist ja auch im allgemeinen nicht dazu angetan, dass es die Aufmerksamkeit Aussenstehender erregen dürfte. Ob man irgendwo eine Ortsgruppe gegründet oder ob ein Tanzkränzchen von zionistischen Schriftstellergattinnen stattgefunden, kann das Interesse nichtzionistischer, namentlich ernster Leute nicht gut wachrufen." Wer denkt dabei nicht an den berühmten Korfanty-Artikel? Damit mögen die Besprechungen ihren Abschluss finden. Freilich hat nur ein kleiner Teil der Pressstimmen hier Erwähnung finden können; die Ansichten der Blätter, die noch übrig bleiben, wird man auf Grund ihrer Parteirichtung leicht voraussetzen können, ohne dass man sie gelesen hat. Das nächste Heft von „Ost und West" erscheint am 5. November und enthält u. a. noch drei ausführliche Abhandlungen über die ostafrikanische Frage von Berthaid Feiwel, Fabius Schach und Leo Motzkin, eine Schilderung der „Kongresstypen'4 von Dr. D. Feitelberg, eine Uebersicht über die Entwicklung der jüdischen Turnbewegung von Max Zirker, sowie zahlreiche Illustrationen vom VI. Zionistenkongress. Redaktion von „Ost und West." Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50, für das Ausland Mark 4»— für Russland ganzjährig 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte a 35 Kop. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen Reiches unter No. 6174 der Postzeitungsliste sowie durch alle Postämter Oesterreichs und Russlands und durch die Expedition dieser Zeitschrift. Anzeigen 50 Pfennig die viergespaltene Petitzeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und 'Angebote zum halben Preise. Adresse lür die gesamte Korrespondenz: S. CALVARY & Co. (Inn. HUGO BLOCH & Dr. P. GOTTHELF) Verlagsbuchhandlung und Antiquariat, Berlin NW., Neue Wilhelmstrasse 1. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag von S. Calvary & Co., Berlin NW. 7. Druck von J. S. Preuss, Berlin S.W. 19. — Ciiches von der Graphischen Kunstanstalt Richard Labisch & Co., Berlin S.W-