Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1903)
- Article
- Vor Hermann Struck's Herzl-Portrait
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 713 - 714 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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713 Nathanja Sahuwi: Vor Hermann Struck's Herzl-Portrait. 714 VI. ZIONISTENKONGRESS „MISRACHIMa-GRUPPE Rabbiner Reines (1) und Rabbiner Rabinowitz (2\ Führer der „Misrachim"-ParteL schon heut — so früh! — dieser schmerzlich-sinnende Zug gegraben. Mir ist, als läge auch auf seinen Lippen etwas, das in Worte zusammengepresst, klänge wie: „Hab ich denn dieses Volk unter meinem Herzen gehabt; hab ich's denn geboren, dass ich es in meinen Armen tragen soll in das Land, das Du, o Gott, seinen Vätern versprochen hast? Ich kann es nicht. Vernichte mich lieber, dass ich all das Böse nicht zu sehen brauche," * * # Ich blicke wieder auf die Zeichnung: dieses dunkle Auge, das in die Unendlichkeit schaut. Diese vollendet durchgearbeitete Stirn und Schläfe mit den tiefen Falten, welche das graue Leben der Seele gegraben. Oder wollte der Künstler anderes sagen? Mir ist es gleich. Ist doch jedes Kunstwerk nur ein Wegweiser. Ein Wegweiser für unsere nachschaffende Phantasie und unsere schöpferischen Träume. . . . REVUE DER PRESSE. Von Dr. Max Jungmann. Ein Heer von Journalisten hatte sich in Basel eingefunden. Es wäre also nicht zu wenig über den Kongress geschrieben worden, selbst wenn kein Ereignis von Bedeutung die Gemüter erregt hätte. Da kamen die verblüffenden Ueberraschungen der modernen jüdischen Diplomatie, und an einem Tage hat der Kongress eine ganze Literatur aus dem Boden gestampft Ein weiser Mann wird sich zur Gestaltung eines eigenen Urteils lediglich an den Teil der zahlreichen Schriften halten, die eine objektive Darstellung der Vorgänge bringen; wer aber aus tendenziösen Blättern lernen will, hat die Mühe, erst die Parteischminke abwaschen zu müssen, um ein natürliches Bild des Kongresses kennen zulernen. Der eine verhimmelt, was der andere verflucht, und der dritte packt die Wahrheit am Kragen und schlägt sie zum Krüppel. Die einzigen jüdischen Blätter, die nach meiner Kenntnis ohne Begeisterung für den Zionismus, aber auch ohne Animosität gegen ihn die reine Wahrheit sagten, sind der Londoner „Jewish Chronicle" und der in Berlin erscheinende „Generalanzeiger für die gesamten Interessen des Judentums." Diese beiden Wochenschriften haben sich redlich angestrengt, ihr Publikum sine ira et studio über die Baseler Verhandlungen zu unterrichten und haben dadurch unbewusst der zionistischen Bewegung einen grossen Dienst geleistet. Die interessanteste publizistische Tätigkeit entfaltete die hebräische Presse, die ja selbst erst auf der fruchtbaren Erde der Zionsidee zu prächtiger Blüte gedieh. Sie arbeitete mit einer erstaunlichen Schnelligkeit und hatte einen Apparat in Szene gesetzt — ganz ä la Scherl. Zumal ein Warschauer Blatt liess sich die Sache Geld kosten Gewöhnlich wurden die bedeutenden Reden, unmittelbar nachdem sie beendet waren, in extenso an die Redaktion telegraphiert, sodass beispielsweise der Wortlaut der Eröffnungsansprache schon am gleichen Nachmittag in der polnischen Metropole bekannt war; und um 6 Uhr desselben Tages konnten die Subabonnenten in der Provinz die denkwürdigen Ausführungen Dr. Herzls lesen. Auch das offizielle Organ