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Ost und West · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. Seite 705 - 706

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
Pro und contra
Date
1903-10-01
Page
Seite 705 - 706 (sequence 2)
Language
German
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705 Dr. Julius Brutzkus: Pro und Contra. 706 und Leben in diesen gequälten, verfolgten und mit tiefem Schmerz beladenen Söhnen des alten Volkes weckte. In grosser Besorgnis um das Schicksal der Brüder und die Ehre des Volkes waren die Delegierten diesmal in Basel erschienen, und jetzt nach qualvollen Schwankungen und Kämpfen kehrten sie heim, schwere Befürchtungen um das Schicksal des Zionismus mitnehmend. Der Waggon, in den ich eingestiegen, war fast ganz von Delegierten besetzt. Es war ein wunderbarer Frühmorgen. Vor uns lag der Schwarzwald in seiner grünen Pracht, aber niemand interessierte sich jetzt für die Schönheit der Natur. Etwa fünfzehn Herren drängten sich in der Mitte des Waggons zusammen und fuhren fort, jene qualvolle Frage zu besprechen, der die ganze Aufmerksamkeit des Kongresses gehört hatte. Mit grossem Temperament sprach ein Afrikagegner, der auf dem Kongress eifrig für Palästina eingetreten war und nach der Lösung der Frage seine Tränen nicht hatte zurückhalten können. —- „Es ist eine Schmach, eine Schmach!" rief er aus, „was werden wir jetzt den Wählern, die uns nach Basel geschickt haben, sagen; wir fuhren hin, um uns mit den Angelegenheiten Zions zu beschäftigen, und kehren als Afrikaner zurück. Wo ist denn unser festes Programm, das auf der ganzen Geschichte des Volkes aufgebaut wurde, wo sind die Ideale, die unserem Leben einen Sinn und Hoffnung aui eine Zukunft verliehen! Bei dem unbedeutendsten Hindernis sind wir bereit, uns von ihnen loszusagen, sie für ein Linsengericht zu verkaufen. Aus Prinzip verzichteten wir auf Nordamerika und Argentinien; das Volk hat uns damals verstanden, unsere Gegner waren nicht einverstanden, versagten uns aber nicht ihre Achtung. Jetzt aber klammern wir uns an ein unbekanntes Ostafrika. Wir lebten mit den Idealen des Volkes, wurden in seiner Geschichte auferzogen, hatten einen Boden unter den Füssen und schritten fest unserem Ziele entgegen. Es beruhte auf dem Volke, auf seiner Vergangenheit. Der Glaube an die zukünftige Renaissance auf dem Heimatboden gab dem Volke die Möglichkeit, die Jahrhunderte der Erniedrigung zu ertragen, die Verwirklichung dieses Ideals rief eine nationale Wiederbelebung in der Gegenwart hervor. Wo ist nun unser Zion, wo sind unsere Ideale. Das Volk wird uns jetzt Betrüger nennen, und mit Recht!" Die letzten Worte des aufgeregten Neinsagers riefen stürmische Proteste hervor. Einer seiner Gesinnungsgenossen, der aber etwas mehr gemässigt und besonnen war, versuchte ihn zu beruhigen. Diese Befürchtungen, meinte er, wären übertrieben. — „Das Volk wird ruhiger und richtiger die Sache auffassen, als die Delegierten, die von der unerwarteten Ueberraschung des Projekts aufgeregt waren und empört über die Art, wie es auf dem Kongress durchgeführt wurde. Sie werden in dem Afrika-Projekt keine Gefahr für den Zionismus erblicken, sondern das Bestreben der Zionisten, der unaufschiebbaren Emigrationsnot zu Hilfe zu kommen. Und diese Hilfe wird um so mehr Sympathie hervorrufen, da sie in einer für die Nichtzionisten sehr unangenehmen Form, in der Form einer jüdischen Autonomie vorgeschlagen wird. Die hungrigen, heimatlosen russischen Juden, die gezwungen sind, ein Recht auf Leben und Arbeit in der ganzen Welt zu W. KUHNERT. Elephanten an einem Wassertümpel in einer ostafrikanischen Steppe. N. E. OELGEMÄLDE.

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