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Ost und West · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. Seite 667 - 668

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
Vom sechsten Zionistenkongress
Date
1903-10-01
Page
Seite 667 - 668 (sequence 5)
Language
German
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667 Dr. Theodor Zlocisti: Vom sechsten Zionistenkongress. 668 Expedition entschied - sich Szenen von so titanischer Gewalt haben abspielen können. Es war ein erschütternder Aufschrei, der einem das Blut erstarren machte. Viele sanken ohnmächtig zusammen; einige brachen in Weinkrämpfe aus; andere zerrissen ihre Kleider, rauften'sich ihr Haar aus — es schien ein dritter Untergang Jerusalems, ein Chorben Jeruscholajim. Aber auch nachdem die Erregung einer besonneneren Auffassung — bei vielen der Besonnenheit der Erschöpfung — gewichen war, zitterte noch ein besorgtes Misstrauen nach. Alle Anträge, die zu Palästina in Beziehung standen, gingen unter tosender Begeisterung debattelos durch. Sie waren alle schon längst vorher vom Aktionskomitee angenommen worden; aber viele glaubten doch durch die Plenumannahme den „Ostafrikanern" einen Stich zu versetzen. Die Nationalbibliothek in Jerusalem erhielt ihre Jahressubvention. Und eine auf verständigen Prinzipien aufgebaute, mit einem Etat von 15 000 Franken ausgestattete Palästinaerforschungskommission, von der viele segensreiche Arbeit zu erwarten ist, wurde eingesetzt. Auch bis tief in die verzettelte und schwammige Nationalfonddebatte wirkte die nachbebende Erregung hinein. Konnte auch aus ernsten politischen Erwägungen noch keine gesetzliche Form für den Fonds geschaffen werden — es ist vielleicht ratsamer, nicht alle unsere Institutionen in England einzubürgern —, so mochte man am liebsten die Zweckbestimmung des Kapitals für Zeiten festlegen, bei denen die Ewigkeit einigen Verängsteten noch zu gering erschien. Dagegen sollte mit den Landankäufen so früh wie möglich begonnen werden — und die erschwerenden Bedingungen, welche die Nationalfondskommission für den Anfang der Landkäufe beschlossen hatte, wurden in der gegebenen Situation wie von einem Sturmwind umgeblasen und den Forderungen der Minsker Zusammenkunft angepasst. Zu den vielen segensreichen Einwirkungen, welche die Ostafrikadebatte zeitigen wird, dürfte auch ein schnelleres Anwachsen des Nationalfonds. gehören, der in den 19 Monatenseines Bestehens erst auf 400000 Mark gebracht werden konnte, aber schon auf diesem Kongress bedeutsame Förderung erfuhr . . . * * •* Es ist keine Frage, dass dieser Kongress einen Wendepunkt in unserer Bewegung bedeutet. Als gegen den Schluss der Tagung der Abend tiefer und tiefer sank und ein seltsam weiches Dämmerlicht über dem Saale zitterte, da war es wie Sabbatfriede, der sich segnend niedersenkte, da war es wie Neilah'stimmung, in die noch leise das schaurige Unessanne taukef hineinbebte. Wer wird leben? Und was wird leben? Die grossen Reden, die einst das Gerippe des Kongresses waren, sind schon jetzt nur noch Füllsel, Zwischenaktmusik, damit die Pausen, in denen die ernste Arbeit der Kommissionen wächst, würdig ausgefüllt werden. Die grossen Schlagworte, wie demokratisch, werden sie als Schlagwörte sterben und umsinken, wie zwa; gefahrdrohende, aber doch wertlose baufällige Häuser? Oder werden sie als die Inhaltsangabe grosser Prinzipien — Majorität, nicht Autorität — leben? — — — —- —■ — — — —-- Tage von historischem Charakter sind nun vorüber. Wird nun wieder ein historisch wertvolles Leben in unserem Volke beginnen? Werden die Versprechungen Russlands, welches die russischen Staatsinteressen (wie sie Russen sehen! . .) für die national-jüdischen Ziele einspannen will sich erfüllen und werden sie in Gemeinschaft mit der Fürsprache Englands uns die Heimat bringen, wer kann es sagen? Aber das wissen wir, wem wir die gewaltige Wandlung in unserem Volksleben schulden. Schlage sich jeder an seine Brust und frage sich, was er getan, und dann blicke er auf den Mann, der mit seiner Person ganz versteckt im Hintergrunde, still aber rastlos für uns und an uns gearbeitet, der die Träumer zu Wachen und die Wachen zu Schaffenden gemacht, der die dumpfe Sehnsucht, die weichlich machte und zerfahren, vor den Wagen unseres Volkes gespannt hat, damit er das Erbe unserer Ahnen in die Heimat bringe* Was Theodor Herzl uns ist, das hat der Schluss des Kongresses gezeigt. Erst langsam, dann aber anschwellend wie das Brausen des Meeres löste sich die lastende Spannung der grossen Tage. Nur in einem Schrei, in dem unser jüdisches Sein sich ausgab in seinem Sehnen und Hoffen, seinem Lebenswillen und seiner Verzweiflung und aller Todesverachtung, in einem wilden, bebenden und wie die Heimatsonne glühenden Barkochbaschrei brach vulkanisch unsere ganze Seele heraus: Hoch Herzl, Hoch Zion! Denn weit anders noch als Mensch, weit anders noch als Führer ist uns Herzl:. Herzl ist uns ein Symbol, das heilige Symbol unserer jungen Einheit, unseres alten Heimatsehnens. — Und Zion? — Zion ist uns alles . .!

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