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Ost und West · 1903-09-01 · Heft 9 (September 1903) · p. Seite 633 - 634

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 9 (September 1903)
Article
Sterblichkeit und Krankheiten bei Juden und Nichtjuden
Date
1903-09-01
Page
Seite 633 - 634 (sequence 2)
Language
German
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633 Dr. Hugo Hoppe: Sterblichkeit und Krankheiten bei Juden und Nichtjuden. 634 der bekannten Massigkeit der Juden eigenlich selbstverständlich. In New-York starben von 1885 bis 1890 auf. 100000 Einwohner an Alkoholismus bei den Iren 31, bei den Deutschen 10, bei den Amerikanern 9, bei den Negern 6, bei den Italienern 3, bei den Juden aber nur ein einziger. Dafür spricht auch, dass der Säuferwahnsinn und die übrigen alkoholischen Geistesstörungen bei den Juden so gut wie gar nicht vorkommen. Von nicht infektiösen Erkrankungen sind noch die Erkrankungen der Atmungsorgane, der Nieren und der Leber, sowie der organischen Erkrankungen des Nervensystems nach der amerikanischen Statistik bei den Juden selten Von Infektionskrankheiten ist nur die Diphterie, diese mörderische Kinderkrankheit, welche vorzugsweise in den engen und schmutzigen Quartieren der Armen wütet, bei den Juden häufiger. Ferner sind die Darmkrankheiten, die Krankheit der Knochen und Gelenke, gewisse Hautkrankheiten (Krätze, Erbgrind), Unterleibsbrüche und vor allem die funktionellen Nervenkrankheiten bei den Juden häufiger als bei den Nichtjuden. Die funktionellen Krankheiten des Nervensystems sind es besonders, unter welchen die Juden wesentlich mehr zu leiden haben als die Nichtjuden. Den Übergang zu dieser Krankheitsgruppe bildete die Zuckerharnruhr, welche zum Teil auf nervöser Grundlage beruht und nach dem Urteil der meisten Autoren gerade bei den Juden ausserordentlich häufig ist. Der berühmte Kliniker Frerichs fand 25 % Juden unter seinen Diabetikern, Stern in Neu-York unter den 1895 dort vorgekommenen Todesfällen an Diabetes 26%, welche Juden betrafen; dabei handelte es sich in der grössten Zahl der Fälle um arme Juden. Übrigens sind auch andere konstitutionelle Krankheiten oder Stoffwechselstörungen, wie Fettsucht, Gicht, Nierensteine, Gallensteine, bei den Juden verhältnismässig häufig. Was nun die Nervenkrankheiten betrifft, so sind es vor allem die „modernen" Krankheiten der Neurasthenie (Nervosität) und Hysterie, zu welchen die Juden das grösste Kontingent stellen. Es herrscht darüber bei den Nervenärzten aller Länder nur eine Stimme. Die Klientel der grossstädtischen Nervenärzte, besonders in Russland und in Deutschland, rekrutiert sich zu einem erheblichen Teil aus Juden, besonders russischen, die von einer Autorität zur andern ziehen, um Heilung zu suchen. Die männliche Hysterie, die sonst verhältnismässig selten ist, kommt bei Juden, und wiederum gerade bei russischen Juden, sehr häufig vor. Die jüdische Bevölkerung von Warschau allein bildet nach Reymond die unerschöpfliche Quelle des Krankenmaterials an männlichen Hysterikern für den ganzen Kontinent. Während wir aber bei der Nervosität resp. Neurasthenie und der Hysterie auf die Beobachtungen einzelner Ärzte angewiesen sind, existieren über das Vorkommen der Geistesstörungen in allen Kulturländern recht genaue und umfassende Statistiken, welche das unzweifelhafte Resultat ergeben, dass diese Störungen bei den Juden verhältnismässig weit häufiger sind als bei den Nichtjuden. So kamen in Preussen im Jahre 1895 auf je 100 000 Ortsanwesende desselben Bekenntnisses bei den Protestanten 261, bei den Katholiken 250, bei den Juden aber 498* Geisteskranke. In der Wiener Irrenanstalt bildeten nach Pilcz von 1898 bis 1901 die jüdischen Geisteskranken 10,99 % aller Insassen, während die Juden nur 8,86% der Wiener Bevölkerung bilden. Nach Beadles in London sind besonders die Geistesstörungen im Wochenbett bei Jüdinnen sehr häufig, und es zeigen die Juden auch eine weit grössere Neigung zu Rückfällen, was aber nur bedeutet, dass die periodischen und cirkulären Formen der Geistesstörungen bei den Juden sehr häufig sind, eine Beobachtung, die z. B. auch Pilcz in Wien gemacht hat. Überhaupt ist der Prozentsatz der Juden bei den funktionellen Geistesstörungen (neben den periodischen Geistesstörungen), der Melancholie, der chronischen Verrücktheit, der hysterischen Geistes Störung, dem akuten Wahnsinn, am grössten. Bekannt ist auch das häufige Vorkommen des Schwachsinns und der Idiotie bei den Juden. So kamen z. B. nach Mayr im Jahre 1880 auf 10 000 Juden in Preussen 15,27, in Bayern 20,73, in Baden 26,07 Idioten und Schwachsinnige, während diese Zahl bei der Gesamtbevölkerung nur 13,6 resp. 14,4 resp. 15,8 betrug. Eine sehr seltene und schwere Form der Idiotie, die sog. familiäre amaurotische Idiotie, ist bisher so gut wie ausschliesslich in jüdischen Familien beobachtet worden, Es giebt aber auch eine Reihe von Nerven- und Geisteskrankheiten, die bei den Juden sehr selten sind. Dazu gehört neben den alkoholischen Geistesstörungen, die bei den Juden so gut wie unbekannt sind, in erster Linie die E p i 1 e p s i e. Pilcz z. B. hat in der Wiener Irrenanstalt unter 85 Epileptikern nur 4 Juden oder 4,7 % gefunden. Ich selbst erinnere mich nicht, während einer 13jährigen Tätigkeit an grossen öffentlichen Irren-

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