Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1903-09-01 · Heft 9 (September 1903) · p. Seite 621 - 622

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 9 (September 1903)
Article
Die Juden von Buchara
Date
1903-09-01
Page
Seite 621 - 622 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2583875-2583904-2583914-2587672--03265-2587729
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

621 622 DIE JUDEN V( Reiseberichte von Ich war aufs Aeusserste gespannt, näheres über die Lage der Juden in Buchara zu erfahren, welche, wie ich schon in Europa von verschiedenen Seiten gehört hatte, sehr gedrückt sein sollte, so dass ich mir Yorgenommen hatte, den Israeliten in jeder Weise behilflich zu sein, wo ich etwas zur Besserung ihres Schicksals beitragen konnte. Dass das viel sein würde, hoffte ich allerdings selbst nicht. Wenige Stunden nach unserer Ankunft in Samarkand machten wir bereits die Bekanntschaft eines Juden, welcher als offizieller russischer Dolmetscher fungierte und uns vom General Korolkow jedenfalls zur Begleitung mitgegeben worden wäre, wenn die Juden nicht gerade ihr Laubhüttenfest gefeiert hätten, während dessen Dauer sie keine Dienste verrichten dürfen. Er erklärte uns deshalb, er könne nicht mit uns nach dem Grabmale Tamerlans fahren, doch verbot sein Gewissen ihm nicht, sich zu Fuss dorthin zu begeben. Unterwegs erzählte *) Die Illustrationen zu diesem Artikel verdanken wir der Liebenswürdigkeit des Herrn Dr. Max Ginsberg, Berlin. Es sind Reproductionen nach an Ort und Stelle gemachten Originalaufnahmen. (Red.) M BUCHARA.*) enry LandsdelL er uns, dass die Juden in Asien die Gesetze viel strenger beobachteten, als in Europa. Während wir die Hochschulen besichtigten, verliess er uns, jedoch trafen wir ihn später im Judenviertel im Hause eines Religionsgenossen Raphael Moses Kalendarow wieder; letzterer war anscheinend ein sehr wohlhabender Mann, da er wahrscheinlich die Synagoge, die denselben Namen trug wie er, auf seine Kosten hat bauen lassen. Im Hofe oder Garten war ein baumwollenes Zelt aufgeschlagen, wo während des Festes die Mahlzeiten eingenommen wurden und Laubschmuck in Gestalt eines grossen Kandelabers angebracht war, an welchem Aepfei, Quitten und Safran-Blüten hingen, während auf der mit Teppichen belegten Erde Schüsseln mit gedorrten Erbsen, Pistazien, Weintrauben, Pfirsichen und Aepfeln, sowie Fleisch- und Möhren-Pasteten, geröstete Aprikosen- und Pflaumenkerne standen. Zahlreiche Leute kamen herein und hockten, aber nicht mit übergeschlagen Beinen, an den vier Wänden des Zeltes nieder. Ich knüpfte sofort eine Unterhaltung mit ihnen an, um mich über ihre Lage und die ihrer Religionsgenossen in Buchara zu erkundigen. Bezüglich der letzteren wurde uns hier

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.