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Ost und West · 1903-09-01 · Heft 9 (September 1903) · p. Seite 615 - 616

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 9 (September 1903)
Article
Berühmte jüdische Weltreisende
Date
1903-09-01
Page
Seite 615 - 616 (sequence 3)
Language
German
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615 Dr. Adolph Kohut: Berühmte jüdische Weltreisende. 616 Rabbi Benjamin" erschienen zuerst in Konstantinopel 1543 und sind als erste Berichte von Sitten und Zuständen des Orients in hohem Grade bemerkenswert. Er reiste als Kaufmann und war ein kritischer Beobachter, denn er schied scharf zwischen dem, was er gesehen und dem, was ihm nur erzählt wurde. Wie viel er geschaut hat, mag man schon daran erkennen, dass er nicht weniger als 248 bedeutende Männer nennt. Seine Reisebeschreibungen sind lür die Geschichte, namentlich für die Kulturgeschichte, seiner Zeit von hohem Wert. Besonders wichtig aber sind sie für die Geschichte der Juden im Mittelalter, da er überall die namhaftesten Israeliten jener Zeit, ihr Leben und Wirken, wenn auch nur flüchtig, schildert. Ein Zeitgenosse von ihm war P et ach ja ben Jakob aus Prag, der von 1175 —1190 von Regensburg durch Polen, Russland, das Chazarenreich, Armenien, Medien, Persien, Babylonien und Palästina reiste und dann über Griechenland zurück kam. Seine Notizen hat sein Landsmann Jehuda ben Samuel, der Fromme, unvollständig und ohne Ordnung aufgezeichnet. Davon sind uns nur Auszüge und Bruchstücke erhalten, die Wagenseil Ende des 17. Jahrhunderts herausgegeben und mit einer lateinischen Uebersetzung versehen hat. Der erste und wichtigste Topograph Palästinas ist der in der Provence im Anfang des 14. Jahrhunderts geborene und aus einer alten Gelehrtenfamilie stammende Estori ben „Mose ha Parchi. Schon in jungen Jahren verliess er die Heimat und wanderte zuerst nach Barcelona, wo er ein medizinisches Buch ins Hebräische übersetzte, dann nach Aegypten und schliesslich nach Palästina, welch letzteres Land er sieben Jahre lang naeh allen Richtungen durchzog. Das Werk, das er über das heilige Land herausgab, nannte er „Kaphtor wa-pherasch" (Knospe und Blüthe) und es wurde zuerst 1549 in Venedig in hebräischer Sprache gedruckt. Darin giebt er ein Verzeichnis der von ihm besuchten Ortschaften nebst Untersuchungen über die Grenzen derselben, den Umfang, die Gebietsteile des Landes* die Lage und Entfernung der Orte etc. Mit kritischer Schärfe und seltener Beobachtungsgabe bestimmt dieser Geograph die Lage von Jerusalem, die palästinensischen Gewächse usw. Solche Palästinageographen und Palästina-Schriftsteller des Mittelalters waren noch der Kabbaiist B. Jizchak ben R. Joseph aus Aragonien, R. Elia v. Ferrara, der weit bekannte Erklärer der „Mischna" R. Obadja da Bartinoro u. a. m. Die grossen Entdeckungen Spaniens und Portugals im 15. und 16. Jahrhundert, welche Staaten namentlich auf dem Gebiete der Schiffahrt eine ausserordentliche^ Tätigkeit entfalteten, blieben auch auf die jüdischen Weltreisenden und Forscher nicht ohne Einwirkung, wie dies u. a. M. Kayserling in seinem prächtigen Werke über ,,Christoph Columbus" (Berlin 1894) nachgewiesen hat. So hat z. B. ein Jude aus Barcelona Juceff Faquin die ganze damals — im 14. Jahrhundert — bekannte Welt umschifft, wie Jaime IV., der letzte König von Mallorca, selbst ihm bezeugte. Der portugiesische Jude Mestre Jaime im 15. Jahrhundert, ein Kosmograph, der Verfertiger der berühmten Cataluna, war der Lehrer der Portugiesen sowohl in der Schiffahrtskunde als auch in der Kunst des Verfertigens von nautischen Instrumenten und Karten, in der ihm keiner seiner Zeitgenossen gleich kam. Ebenso hatte er sich um die Verbesserung des Kompasses und um die Anwendung des astronomischen Astrolabs in der Schiffahrt unbestrittene Verdienste erworben. Der jüdische Pilot Gaspar begrüsste Vasco de Gama an der Küste Indiens. (Schluss folgt.) AUF DEM WEG NACH SCHEMENEZ! Stimmungen von Schalom Asch. . . . Und der Weg zieht sich dahin und verliert sich in der Ferne. Irgendwo, zwischen den Feldern, unter einem Berg. Und der Himmel lächelt auf die Felder hernieder. Und die Felder schmeicheln empor; und alles ist so ruhig, so selbstsicher und so fest gefügt. Und die ganze Welt umher ist so klar und steht festgewurzelt im scholligen Grunde. Nur ich allein irre umher zwischen Himmel und Erde. . . . Und zwischen Himmel und Erde herumirren zu müssen — fürchte ich — ist mir bestimmt nun Jahr um Jahr . . . Die Meilensteine zur Rechten und Linken sagen mir: Sich losreissen von allem, was uns lieb ist, aus dem Freundeskreise entlaufen ist garnicht so leicht. Ueberail sind Menschen, und allüberall die Werke ihrer Hände ... Nur gut, — denk' ich — dass die Menschenhände - nicht bis zum Himmel hinaufreichen, sonst würden sie auch ihn ausmessen, nach Wersten und Meilen . . . Und dann machten sie eine grosse Aktiengesellschaft und erhielten ein Monopol, die Sonne auszubeuten, den Mond und die Sterne. Und Millionen Wächter würde es geben und Millionen Aufseher. — . . . Dämmer sinken. Weithin zieht sich der Weg. Und weit zwischen Himmel und Erde wird es dunkler und dunkler. Ganze Herden losgetrennter Wolken wallen und ■ fliessen und ducken sich und ballen sich wieder zusammen und reissen sich wieder los. Und ein anderes Stück Himmel umhüllt sich mit leichten und zarten Silberschleiern. Und die Schleier zittern empor, heften sich aneinander. Und es wird so heimlich, so freundlich umher, wie einst, als wir Kinder Versteckens spielten . . . Kein Haus im weiten Umkreis. Nur Gottes Welt. Und die taubedeckten Felder schmiegen sich empor an

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