Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- Berühmte jüdische Weltreisende
- Date
- 1903-09-01
- Page
- Seite 613 - 614 (sequence 2)
- Language
- German
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613 Dr. Adolph Kohut: Berühmte jüdische Weltreisende. 614 Einer der ältesten Geographen im Mittelalter war wohl Eldad, ein Spross des Stammes Dan, der Ende des 9. Jahrhunderts lebte. In seinen Reiseberichten mischte sich freilich Wahrheit mit Dichtung, und die Phantasie scheint bei ihm oft mit dem klaren Verstände durchgegangen zu sein. Sein Schreiben nach Spanien vom Jahre 883 wurde als „Sefar Eldad Hadani" zuerst in Konstantinopel 1575 gedruckt. Sehr interessant ist, was er von den vier Stämmen Dan, Naphtali, Gad und Ascher zu berichten weiss; sogar einen Kriegsgesang derselben teilt er mit, der folgendermassen beginnt: Nicht schön ist's dem Helden, zu fliehen! Schön ist's, zum Kampfe zu ziehen! Der Jüngling sterbe und fliehe nicht; Stark mach' er sein Herz. Gott ist sein Licht! Ihm soll er vertrauen, In der Schlacht auf zu ihm schauen! Seines Schwertes Schärfe Freud' ins Herz ihm werfe. Sein Jubel werd' gemehrt, Da kühn sich bäumt sein Pferd! Auf! Fasse als Beute Aethiopiens Frauen....... Ein Weltreisender im wirklichen Sinne des Wortes muss Abraham Ibn Jakob genannt werden, der im 10. Jahrhundert von Arabien nach Magdeburg als Deputierter zu Kaiser Otto dem Grossen reiste. Er hat eine wertvolle Reisebeschreibung in arabischer Sprache hinterlassen, die Georg Jakob unter dem Titel „Ein arabischer Berichterstatter aus dem 10. Jahrhundert über Fulda, Schleswig, Soest, Paderborn und andere deutsche Städte" in deutscher Uebersetzung herausgegeben hat. (Berlin 1891.) Zur Charakteristik der Schreibweise dieses Globe-Trotters mag hier nur mitgeteilt werden, was er über Schleswig uns zu melden weiss: „Schleswig*), eine sehr grosse Stadt am äussersten Ende des Weltmeeres. In ihrem Inneren giebt es Quellen süssen Wassers, ihre Bewohner beten den Sirius**) an, ausser einer kleinen Anzahl, welche Christen sind und dort eine Kirche besitzen. Sie feiern ein Fest, bei dem sie alle zusammenkommen, um den Gott zu ehren und um zu essen und zu trinken. Wer ein Opfertier schlachtet, befestigt an der Tür seines Hauses ein Holz und tut das Opfertier daran, sei es ein Rind, oder Widder, Ziegenbock oder Schwein, damit die Leute wissen, dass er es opfeit zur Ehre seines Gottes. Die Stadt ist arm an Gütern und Segen, die Hauptnahrung ihrer Bewohner besteht aus Fischen, von denen sie eine Menge haben. Werden einem von ihnen Kinder geboren, so wirft er sie ins Meer, um die Ausgaben zu sparen. Tartusi erzählt, dass das Recht der Scheidung bei den Frauen ist. Das Weib scheidet sich selbst, wenn sie will. *) Ueber Schleswigs Welthandel im Mittelalter vergleiche Adam v. Bremen (Band IV. S. 1). **) Ueber die Gestirne in der deutschen Mythologie siehe Jakob Grimm, Deutsche Mythologie, S 684, und Simrock, Deutsche Mythologie, S. 25. I. KAUFMANN. ADDITION. Auch giebt es dort eine künstlich hergestellte Augenschminke, bei deren Gebrauch die Schönheit niemals abnimmt, sondern noch zunimmt bei Männern und Frauen. Auch sagt er, „nie hörte ich hässlicheren Gesang, als den der Schleswiger; er ist ein Gebrumm, das herauskommt aus ihren Kehlen gleich dem Gebell der Hunde." .... Unwillkürlich muss man beim Lesen dieses letzten Passus an den bekannten Spruch denken: „Holsatia non cantat" („Der Holsteiner kann nicht singen.") Sehr bemerkenswert ist, was er vom oströmischen und byzantinischen Reich erzählt. Er schildert die dort herrschenden Bräuche von dem Duell, der Feuer- und Wasserprobe und dergl. Nicht minder lehrreich sind seine Notizen hinsichtlich Irlands, bezw. der Normannen, die dort ihren festen Wohnsitz hatten. Genau beschreibt er den Walfischfang, wie er noch heutzutage betrieben wird. Nur verwechselt der Verfasser zuweilen den Walfisch mit den diesem nahe verwandten Delphin. Ein hervorragender Weltreisender und Geograph war Binjamin ben Jona aus Tudela im spanischen Navarra, einem kleinen Orte am Ebro, im 12. Jahrhundert. Er war der erste Europäer, der Asien bereiste und der etwa neun Jahre lang eine Reise von Saragossa aus über Katalonien, die Provence, Italien, Griechenland, den Archipelagon, Rhodos, Cypern und Cilizien nach Syrien, Palästina, Mesopotamien, das Khalifat und Persien unternahm und Küstenstädte, wie Yemen, besuchte, um dann über Egypten und Sizilien nach Kastilien zurückzukehren. Seine öfter herausgegebenen Reiseskizzen in hebräischer Sprache : „Massaoth schel