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Ost und West · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. Seite 565 - 566

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Article
Sterblichkeit und Krankheiten bei Juden und Nichtjuden
Date
1903-08-01
Page
Seite 565 - 566 (sequence 1)
Language
German
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565 56$ STERBLICHKEIT UND KRANKHEITEN BEI JUDEN UND NICHTJUDEN. Von Dr. Hugo Hoppe, Nervenarzt in Königsberg.*) „Eine imposante Ruine steht das Judentum noch heute da", so beginnt Glotter, weiland Direktor des Wiener statistischen Amts, seine Studie über „Die Lebenschancen der Israeliten gegenüber den christlichen Konfessionen" (1856). Aber Ruine ist sicher eine falsche oder wenigstens nur in nationaler Beziehung giltige Bezeichnung; denn diese Ruine zeigt ein kräftiges, unverwüstliches Leben. Glotter selbst weist darauf hin, dass, „während hunderte von Nationen bis aut den Namen untergegangen sind, während Zersetzungen und Sektierungen das Christentum heimgesucht haben, das Judentum sich wenig berührt durch den Wechsel der Zeiten, und materiellen und geistigen Verfolgungen trotzend, sich mehr oder weniger unverändert in seiner ursprünglichen Gestaltung und Lebenskraft erhalten hat." Diese Zähigkeit im Leben des Volkes findet ihren entsprechenden Ausdruck in der Lebenszähigkeit der Individuen, aus denen sich dasselbe zusammensetzt. Seit langer Zeit ist es aufgefallen, dass die Juden eine viel grössere Lebenszähigkeit haben als die Völker, unter denen sie wohnen. Aber erst die moderne Wissenschaft der Statistik hat den zahlenmässigen Beweis dafür erbracht. Dieselbe ergiebt zunächst, dass die Sterblichkeit bei den Juden geringer ist als bei den Nichtjuden. So starben in Preussen auf 1000 Personen jährlich den Jahren bei den Christen bei den Juden M. W. M. W. 1822—40 28,7 27,0 22,1 19,1 1841—66 30,2 28,2 19,8 17,9 1878- 82 25,23 17,53 1888—92 23,26 15,71 1893—97 21,84 14,73 Wir sehen hier übrigens, dass, während das Missverhältnis zu Ungunsten der Christen bis 1866 zugenommen hat, dasselbe seit 1878 gesunken ist. Immerhin ist auch noch im Jahrfünft 1893—97 die Sterblichkeitsquote von 14,73 p. Mille bei den Juden eine so geringe, „dass sie von keinem Staate der Welt erreicht wird und als Ideal der Hygiene angestrebt werden könnte" (A. Ruppin, Jahrb. f. Nationalökonomie 1902, S. 380). Aehnliches er- *) Von dem Autor dieses Artikels ist eine ausführliche Abhandlung über dieses Thema soeben bei S. Calvary & Co. erschienen. Dieselbe ist besonders beachtenswert wegen der darin enthaltenen zahlreichen statistischen Zahlenbelege und Litteraturangaben. geben die Statistiken in andern Ländern, von denen ich hier nur noch die amerikanische von John Billings über New-York (nach dem Censusbericht vom Jahre 1890) anführen möchte, welche bei den Russen und Polen (fast ausschliesslich Juden) eine Sterblichkeit von 14,85 p. Mille ergiebt, während dieselbe bei den Ungarn und Deutschen, die auch noch stark mit jüdischen Elementen durchsetzt sind, 22,43 resp. 24,27 p. Mille, bei den Engländern 25,67 p. Mille, bei den Nordamerikanern 32,4 p. Mille, bei den Iren 32,5! p. Mille, bei den Böhmen 43,57 betrug. Dabei ist zu bedenken, dass die Russen und Polen zum grössten Teil in Armut und Elend leben und in den erbärmlichsten Quartieren zusammengepfercht wohnen. Auch in diesen ungesundesten Distrikten ist, wie eine weitere Statistik zeigt, die Sterblichkeit bei den Russen und Polen nicht wesentlich verschieden von der Sterblichkeit derselben in der ganzen Stadt, während sie bei den übrigen Nationalitäten in jenen Distrikten ganz bedeutend grösser, zum Teil doppelt so gross ist, als dem Durchschnitt von ganz Nevv-York entspricht. So offenbart sich aufs deutlichste die unvergleichlich grössere Wiederstandsfähigkeit der Juden gegenüber schädlichen Einflüssen, wie solche in diesen armen, ungesunden Distrikten reichlich vorhanden sind. Auch der neueste Censusbericht vom Jahre 1896 ergiebt eine ganz erhebliche Mindersterblichkeit der Juden. Speziell die Kindersterblichkeit ist, wie die Statistiken aller Länder zeigen, bei den Juden wesentlich geringer als bei den Nichtjuden. J. G. Hoffmann hat zuerst im Jahre 1843 auf die auffallend geringe Kindersterblichkeit bei den Juden (in Preussen) aufmerksam gemacht; nach seinen Ermittelungen verlieren die Christen fast Vs aller ehelich Geborenen (inkl. Totgeborenen) vor dem 5. Lebensjahre, die Juden aber von den ehelich und unehelich Geborenen nicht ganz 1 6, wobei zu beachten ist, dass die Sterblichkeit unter den unehelichen Kindern un verhältnismässig gross ist. Nach Ruppin ist jetzt in Preussen die Sterblichkeit der Kinder unter 15 Jahren bei den Christen mehr ais doppelt so gross als bei den Juden; Körösy fand 1897 in Budapest bei den Christen eine 2—3 mal so grosse Sterblichkeit der Kinder unter 5 Jahren Auch die Zahl der Totgeburten ist bei den Juden erheblich geringer als bei den Nichtjuden. Ruppins neueste Statistik ergiebt, dass in Preussen von 1875—1899

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