Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1903)
- Article
- Synagogale Kunst
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 421 - 422 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2583875-2583904-2583911-2587279--02997-2587358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
421 Ben. Samuel: Synagogale Kunst. 422 Gregor Ciolek Fürst Poniatowski, Bischof von Plock, den Juden von Rozana allerhand Freiheiten und Rechte. So wurde nach und nach für die Juden von Masovien eine Atmosphäre des Wohlstandes und der Ruhe geschaffen — zumal das Verhältnis zu der christlichen Bevölkerung ein durchaus friedliches und ungetrübtes war. Und wie beinahe stets und überall, wann und wo es unserem Volke auch nur halbwegs gut erging, erwachte bei ihm das ideale Bedürfnis. Zahl reiche noch erhaltene Gotteshäuser von Holz und Stein legen Zeugnis ab von einer regen Bautätigkeit unter den Juden. Doch die von Bersohn ausführlich gesenil deite Synagoge von Nasielsk existiert nicht mehr, da sie vor nicht langer Zeit wegen Baufälligkeit auseinander genommen werden musste. Sie war das Werk eines jüdischen Baumeisters aus Luck, namens Simchah ben Salomo Weiss, und stammte aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Es war dies ein leichter anmutiger Bau, das Metalldach hatte drei sich übereinandertürmende Stockwerke, zu beiden Seiten flankierten den Bau zwei Türme, deren Dächer auf schön geschnitzten Gesimsen aufruhten, beide waren vor einer langen Gallerie mit geschnitzter Balustrade verbunden. Alle Pfeiler, Stützen, Gesimse, Türpfosten waren mit bescheidenen, aber geschmackvollen Schnitzerein bedeckt. Auch diese Synagoge wurde von den Schweden geplündert, die alle Kostbarkeiten mitgehen hiessen. Von den wenigen noch erhaltenen Stücken der inneren Ausstattung führt uns Bersohn zwei Messingtafeln vor. In der Metall arbeit hatten es die Juden in Polen zu einer bedeutenden Kunstfertigkeit gebracht, von der zahlreiche, noch heute vorhandene Tafeln in Kupfer und Silber Zeugnis ablegen. Der Stickereikunst lagen die jungen Mädchen emsig ob, doch TAFEL IN DER SYNAGOGE ZU UZLANY. AUS DER SYNAGOGE ZU NASIELSK. wurde diese Kunst mehr dillettantisch betrieben. Ein interessantes Produkt dieser Hauskunst führt uns Bersohn in Abbildung vor: es ist dies ein Parocheth (Vorhang) mit verschiedenen Ornamenten und Tempelgeräten von naiver Arbeit, die aber eines gewissen Reizes nicht entbehrt. Ungleich bescheidener als die beiden geschilderten repräsentiert sich die dritte von Bersohn beschriebene Synagoge zu U z 1 a n y, Gouv. Minsk. Nur das für die altpolnischen Synagogen charakteristische mehrschichtige, spitzzulaufende Dach kennzeichnet dieses mehr als bescheidene und schlichte Bauwerk als ein Gotteshaus. Die jüdische Gemeinde von Uzlany war stets klein und wenig wohlhabend. Ihre Synagoge stammt aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts und weist im Innern an Sehenswürdigkeiten nur eine hübsche heilige Lade von leichten, anmutigen, wohlproportionierten Formen auf, das Werk eines jüdischen Schnitzers namens Beer ben Israel, dessen Arbeiten auch andere Synagogen in der Umgebung von Uzlany bewahren. Von den drei hübsch ziselierten Silbertafeln dieser Synagoge verdient besonders eine Beachtung, deren Ornamentik, nach Bersohn, für die Geschmacksrichtung der damaligen jüdischen Zeichner typisch ist. Die Tafel stammt, ebenso wie die beiden anderen, aus dem Ende des 18. Jahrhunderts und enthält sinnig ineinander verflochtene Tier- und Pflanzenornamente. — Wie wir erfahren, beabsichtigt Herr Bersohn noch in diesem Jahre eine Fortsetzung seiner Arbeit herauszugeben; zugleich wird das erste Heft seines gross angelegten Werkes über die altpolnischen Steinsynagogen erscheinen. Es ist zu wünschen, dass es dem greisen Verfasser vergönnt sein möge, seine Arbeiten zu einem gedeihlichen Ende zu führen.