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Ost und West · 1903-06-01 · Heft 6 (Juni 1903) · p. Seite 403 - 404

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 6 (Juni 1903)
Article
Secher-Jabes
Date
1903-06-01
Page
Seite 403 - 404 (sequence 4)
Language
German
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403 Richard Huldschiner: Secher-Jabes. 404 Die Nacht war wie ein verschlossenes Grabgewölbe, in dem die Minuten tropfengleich und eintönig aus der Höhe herab auf den Boden fallen und vergehen. Die Wöchnerin schlief, der Säugling wimmerte, der Greis träumte von Gott und seines Hauses Herrlichkeit, der Wind strich über Felsenhäupter und sang in den Schluchten der Berge — da glitt Zadok an des Bruders Mantel herab, sein Antlitz vergrub sich im Sande des Hügels und sein Herz stand still. Aber Meribaal rührte sich nicht. Hoch in den Lüften über ihm klang in dunkler Nacht ein schweres Flügelschlagen — einmal und noch einmal. Ein Sausen zerschnitt die Luft und Machir breitete zurücksinkend die Arme aus. Rose von Mahanaim, schläfst du? — Armoni starrte, ohne mit seinen Wimpern zu zucken, in das Dunkel. Bunte Sterne kreisten ihm vor den Augen; er hörte den finstern Schrei eines Nachtvogels. Ein Zischen war in der Höhe wie von tausend Pfeilen, die sich im Fluge kreuzten. Von wannen kommt der Todespfeil? Von Mittag? Von Abend? Wo ist die Sehne, die ihn sendet? Ist das Licht des Tages noch fern? Schwebt Gott über dem Dunkel? Hat Gott den Arm schon ausgereckt, der auch ihn zu den Vätern legen wird? Lasset uns Gott anbeten, den Herrn, der ein eifersüchtiger Gott ist und ein gerechter! Und wie Armoni sich niederwarf, da begann Meribaal leise zu sprechen: „Ich war ein Krieger. Ich zog aus gegen die Feinde Israels. Ich schwang mein Schwert und achtete nicht der Ruhe. Ich hoffte zu sterben als ein Mann in offner Schlacht, Brust an Brust dem Feinde. Nun rafft Gott mich dahin im Dunkel der Nacht. Aus dem Hinterhalt empfängt mein Leib den Todesstoss. Die Sonne wird über Sauls erschlagenen Söhnen ihren Feuerball erstehen lassen. Ausgerottet ist der Same Sauls, dahin das Erbe Kis'. Nimmer wird das Nass deines Auges versiegen, Rizpa." Da klang ein dumpfer Anprall, ein Verströmen, als ob ein fallender Stein in einer Lehmwand eine Wasserader erschlossen — und Armoni war dahin gegangen, wo das Dunkel ist und keine Rückkehr. An den Stein auf Secher-Jabes lehnte Meribaal die Körper der Gefallenen, Bruder bei Bruder, jedes Antlitz nach Sonnenaufgang gewendet; und als er das Werk vollbracht, da lachte er, dass es weit in die Nacht hinausklang. Dann stand er still und sog gierig die Morgenluft ein, die kühl von dem Gebirge Seir herniederstrich. Gegen Mittag hatten sich Nebel gelagert, über denen es wetterleuchtete. Aber Meribaal achtete dessen nicht. Er beugte sich über Ammiel, der im Schlafe leise seufzte, strich ihm die Locken aus der Stirn und betrachtete ihn lange und zärtlich. Dann nahm er sein Schwert und tötete ihn. Und als der erste Sonnenstrahl die blutbefleckte Klinge traf, richtete er sie gegen die eigene Brust. Eine Wolke von Pfeilen, ein Hagel federbewehrter Eisenspitzen sank auf die Erschlagenen herab. Dann wurde es still. Weit und leer die Felder. Nur die Garben standen zu Häuf bis in unübersehbare Fernen hinaus, gelb und überreif im Strahl der Sonne. — — Rizpa! Mutter! harrest du noch immer der Söhne?" — Nein, ich harre nicht mehr der Söhne. Sie liegen erschlagen auf dem Hügel Secher-Jabes, rings um den grossen Stein mit dem seltsamen Zeichen, das nicht einmal Elkanan, der Priester, zu deuten vermag. Seht, die Ernte ist beendet 1 Gefallen ist das reife Korn unter der Sichel. Beschlossen und verrichtet ist das Werk. Nein, ich harre nicht mehr der Söhne. — Und Rizpa, Ajas Tochter, nahm ihr Trauergewand und machte sich daraus ein Lager zurecht auf dem Hügel Secher-Jabes, bis Regen vom Himmel auf die Toten herniederfiel, und wehrte bei Tag den Vögeln, bei Nacht den wilden Tieren, also dass sie sich nicht über die Erschlagenen hermachten. Und es war in den letzten Tagen der Ernte. MORIZ LAZARUS. Von Dr. Bernhard Münz. Was er seinem Freunde Bert hold Auerbach in Gemeinde, mit der er verwachsen, in der er festgewurzelt seinem Abschiedsgruss zugerufen, — die Worte: „Ein ist. Er kann den Wohnort wechseln; er gehört keiner deutscher Dichter hat nur eine Geburtsstätte, dann einen Stadt, keinem Stamm; er gehört dem Volke als Ganzes" Wohnort, aber keine Heimat, keine Stätte und keine sind an dem deutschen Philosophen Lazarus im Leben

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