Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1903-06-01 · Heft 6 (Juni 1903) · p. Seite 397 - 398

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 6 (Juni 1903)
Article
Max Liebermann
Date
1903-06-01
Page
Seite 397 - 398 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2583875-2583904-2583911-2587257--02942-2587346
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

397 Georg Hermann: Max Liebermann. 398 tere Tage das Umgekehrte meinen werden,- und gerade in der schlichten Vermenschlichung das Allgemeingiltige des Biblischen sehen. Eigentlich stellt die Simsonlegende ja nichts weiter wie den Geschlechtskampf dar, männliche Heldenkraft, über die das Weib triumphiert. Das ist in dem Liebermannschen Bild zu un- . getrübtem Ausdruck gekommen. Unter allen Figuren des alten Testaments steht uns Simsons Heldenschicksal menschlich am nächsten, und es ist kein Zufall, dass er der Liebling eines Rembrandt wurde. Soweitüber die Kunst Liebermanns. Ich fühle selbst, es ist unzulänglich, zwängt nicht den gewaltigen Stoff ein, aber vielleicht hat der Leser doch einen Begriff bekommen, worauf es ankommt bei seiner Kunst. Als die Schick'schen Tagebücher über sein Zusammen- MAX LIEBERMANN. LESENDE DAME IM LEHNSTUHL. arbeiten mit Böcklin erschienen, dachte alle Welt, poetische Offenbarungen zu erleben, und was gab's? Gespräche über Malgründe, Zeichnen, Komposition, Farbenkreis; Werkstattsgespräche, cfie bewiesen, dass Böcklinjkeineswegs mit flatternden Locken und kühnem Shlips heruntergestrichen hat, sondern es sich verflucht sauer hat werden lassen. Und erst wenn man in diese Dinge eingedrungen, werfen sie ihr Gewand ab und man sieht, was dahinter steckt. Poetisieren und philosophieren über Kunst führt in Irrgassen, erst müssen wir sie verstehen lernen, und dann werden wir sie ganz erleben. Fast von gleicher Bedeutung für die Gegenwart ist der Einfluss der Liebennannschen Kunst, seine Stellung, sein Verdienst als Kunsterzieher — doch das wäre wieder ein Kapitel für sich. OELGEMAELDE (1902). SECHER JABES. (Eine biblische Legende) von Richard Huldschi n er. Sie sassen unter der Terebinthe und hielten das Abschiedsmahl. Rizpa aber, die Mutter, hielt sich abseits und verhüllte ihr Haupt. Zadok, der Jüngling, dem der Flaum um Kinn und Wangen sprosste, richtete die grossen Augen auf Armoni, den ältesten Bruder, und fragte mit bebender Stimme: „Also es ist wahr, wir sollen sterben?" „Ja, wir sollen sterben." „Warum aber, Bruder? Wem haben wir ein Unrecht getan? Wer kann unsern Tod wollen? Was sollen wir sühnen?" Da nahm Meribaal, ungestüm von seinem Sitz in die Höhe fahrend, das Wort und sprach: „Gott hat seine Hand abgezogen von Saul und seinem Hause. Unser Vater Saul ist dahin-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.