Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- Boris Schatz
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 317 - 318 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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317 Dr. M. Ehrenpreis: Boris Schatz. 318 Freiheitskämpfen darstellen; einer dieser Denkmalsentwürfe wurde letzthin preisgekrönt. Jedoch habe ich den subjektiven Eindruck, als ob diese Versuche gewissennassen illegitime Seitensprünge seines Talents wären, und dass seine Kraft und seine Zukunft auf ganz anderen Gebieten liegen. Seine Kraft und seine Zukunft — man darf an beide zuversichtlich glauben. Aus Allem, was er geschaffen, spricht ein starkes Talent, das in stetem Wachsen begriffen ist. Seine bisherigen Arbeiten haben ihm vielfache Genugtuung und Anerkennung gebracht: Er hat Medaillen, Orden und BORIS SCHATZ. Ehrenpreise erhalten, zuletzt hat ihn die französische Regierung zum „Officier de racademie" ernannt — aber das sind keine Genugtuungen für ihn. Sein Ehrgeiz geht höher: Er will sich die Anerkennung des jüdischen Volkes verdienen, er will an dem Werden der neugeborenen jüdischen Kunst mitschaffen. Ob er es auch können wird? Schatz ist ein Künstler, der sein Bestes noch in sich trägt. Sein grosses Talent braucht günstigere Schaffensbedingungen. Was er uns gegeben hat, sind ernste Versprechungen; man muss es ihm möglich machen, sie zu erfüllen. RELIEFPORTRAITS. SOZIALISMUS UND JUDENTUM IN RUMAENIEN. Von B. Librescu (z. Z. Wien). Die sozialistische Bewegung in Rumänien begann vor ungefähr fünfundzwanzig Jahren. Es war eine exotische Pflanze, von grossmütigen Träumern hergebracht und gesäet, und es hat nicht viel gefehlt, so wäre sie in Rumänien gediehen, was sehr zur Erhebung dieses Landes beigetragen hätte. Aber, von den Gärtnern selbst verlassen, von rohen Händen ausgerottet, Hess sie nur wenige Keime zurück, so wenige und so schwache, dass man ihnen mit Sicherheit jede Keimfähigkeit absprechen kann. Sollte sich jetzt noch eine derartige Bewegung hervorwagen, so müsste sie ganz neue Elemente haben, sie müsste von Neuem geboren werden. Der Sozialismus in Rumänien ist also um so interessanter und lehrreicher, als alle seine Phasen vor uns liegen, — sein Leben und sein Tod, — als seine Geschichte jetzt schon der Vergangenheit angehört und wir darin wie in einem offenen Buche lesen können. Hier werde ich aber nicht diese Geschichte erzählen, sondern nur die Beziehungen der rumänischen Juden zum Sozialismus besprechen und die für militante Judensozialisten zu folgernden Schlüsse den Lesern selbst überlassen. Ein gewisser Dr. Russell, ein Jude, der jetzt, nach einem abenteuervollen Leben, irgendwo in einem Inselreiche der Farbigen Ozeaniens, die Ministerwürde bekleidet, war der erste, der die sozialistischen Prinzipien in die Moldau hineinschmuggelte. Er wurde durch das absichtlich seinetwegen geschmiedete, gegen ihn zum ersten Male in Kraft getretene Ausweisungsgesetz vom Lande verjagt. Seine Jünger aber, meist Rumänen aus der Klasse der Intellektuellen, gingen tapfer ans Werk und gründeten zuerst die kulturelle sozialistische Bewegung, später die sozialdemokratische Partei. Die Stadt Jassy, wo die Bewegung geboren wurde,