Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- Boris Schatz
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 315 - 316 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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315 Dr. M. Ehrenpreis: Boris Schatz. 316 £mw7 mifa-~i^sF$\ Kp^^ ^^^:^^P^ '3?'^^ %'. '^J&::'. ^&V^ ■ i :'^W*£i. " **Z£*\ v / ■■•ä'Jl'S^- S^%c.2^gi§r; ' ^2 :^rWJik '-? ■'■ m^üm^w ■. W "^^ß^sa^i^^^^y!\ ' ■ B. SCHATZ. fELLER. B. SCHATZ. TELLER. dämonisch, und ein atavistischer Mordinstinkt blitzt aus ihnen. Dieses Menschenantlitz gleicht eher einer Löwenfratze. Wie scharf gesehen und gezeichnet sind diese furchtbaren Augen, diese mörderische Stirn, dieses Haar, diese Finger! Zärtlich umklammern diese Finger das Mordwerkzeug, das der Inhalt seines Lebens ist, der Genosse seiner Tage und das Träumen seiner Nächte. Diese kleine Reliefstudie, ein Meisterwerk psychologischer Detailschilderung, gehört zu dem Besten, das Schatz geschaffen. Nicht minder wirksam und überzeugend sind andere Studienköpfe, wie „die Wahrsagerin" (Medaille dargent), mit ihrem unnatürlich breiten, in seiner Schweigsamkeit beredten Munde und den weiten, wissenden Augen; der „betende Zigeuner", eine Art Verkörperung des Menschen im Tiere; der verwundete Soldat aus dem russischtürkischen Kriege, der in rührender Fürsorge ein aufgelesenes Kind in seinen Mantel hüllt und ihm zu essen giebt — ein Stück ergreifender Menschlichkeit, mit jüdischen Augen gesehen. Das sind stark kondensierte Lebensextrakte, weil sie oft ein ganzes Leben, bisweilen das Wesentliche einer ganzen Klasse oder eines ganzen Volkes, ausdrücken. In gewisser Hinsicht wirkt auf mich diese Studienserie wie eine Sammlung von Sprichwörtern oder Volksliedern. Sie erzählen in ihrer gedrungenen Knappheit das Tiefste und Eigenste von den Menschen oder den Völkern, die sie darstellen. B. SCHATZ. <?X - i-^i^^^^^1'^^^^^'' ~ ä»^-^C M l^^' '%S^l ^¥-v-\* tw^bss X - xmM- ^^mm^ vi. Schatz pflegt auch mit Erfolg das Porträt und die dekorative Kunst. Er hat viele Zeitgenossen, wie Antokolski, Rubinstein, Strakosch, Pasteur (zuletzt auch Theodor Herzl), in Büsten und Reliefs porträtiert, die viel bewundert wurden. Sie sind fast alle von grosser Lebenswahrheit und lassen stets das Individuelle scharf hervortreten. Seine Porträtstudien sind Ergebnisse einer individualisierenden Auffassung — suum cuique. Man sehe seinen leidenden Antokolski, seinen finsteren Rubinstein, seinen excentrischen Strakosch. Diese Reliefporträts sagen uns nicht nur, wie diese Männer aussehen, sondern auch was sie erlebt, wie viel oder wie wenig Sonne in ihrem Dasein gewesen. Probleme ganz anderer Art hat sich Schatz in seinen zahlreichen dekorativen Arbeiten gestellt, die er in den letzten Jahren, zumeist im Auftrage der bulgarischen Regierung, ausführte. Hier handelt es sich vorwiegend um konstruktive und technische Aufgaben, bei denen Schatz sich bemühte, aus alt - bulgarischen, kirch - liehen und nationalen Motiven einen bulgarischen Kunststil zu rekonstruieren. Hierher gehören mehrere Albums (Geschenke für Tzar Nikolaus II), Kassetten, Teller, Bilderrahmen und Aehnliches. Im Zusammenhange damit stehen einige von Schatz ausgearbeitete Denkmalsentwürfe, welche Begeben- TELLER. heiten aus den bulgarischen %f&m Mä&t J!w igfe wm m m ^jPj ■ 'JSfSßs m ~-7x?*t*z&y