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Ost und West · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. Seite 287 - 288

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
Revue der Presse
Date
1903-04-01
Page
Seite 287 - 288 (sequence 2)
Language
German
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287 Revue der Presse. 288 diesen subtropischen Landstrichen jüdische Ackerbau- Kolonien für unsere Volksgenossen aus dem jüdischen Niederlassungsgebiete in Russland zu gründen. Das neue Experiment der „Ica" mit den russischen Juden soll nunmehr darin bestehen, dass die Juden in Rio Grande nicht in Farmers, wie es in Argentinien der Fall war, sondern in bescheidene Ackerbauer verwandelt werden sollen, die sich mit einem kleinen, aber sicheren Verdienste begnügen. Diese Meldung ruft in dem der „Ica" freundlichen „Woskhod" Betrachtungen hervor, die beachtenswert sind. Das russische Blatt wendet sich nicht nur gegen das neue Kolonisationsprojekt, sondern gegen die kolonisatorische Tätigkeit der „Ica" überhaupt. „Die Ergebnisse der abgelaufenen zehnjährigen Tätigkeit der „Ica", sagt das Blatt unter anderem, „entsprechen den übermässigen Hoffnungen nicht, welche man auf dieses Unternehmen gesetzt hat. Bis jetzt leben in den Kolonien (in Argentinien) im ganzen nur io82 Familien. Die ökonomische Lage der grössten dieser Kolonien ist noch immer unsicher. Wir werden uns kaum irren, wenn wir sagen, dass das neue grandiose Unternehmen der „Ica<( unter den denkenden Juden keiner Sympathie begegnen dürfte." * Ueber ,,die Juden als Soldaten" veröffentlicht der Londoner „Specfator" in seiner Nummer vom 4. Januar einen bemerkenswerten Artikel, der in ganz England gewiss grosse Beachtung finden dürfte. Anknüpfend an die grosse Beteiligung der Juden am südafrikanischen Kriege hebt das Blatt hervor, dass die Juden noch aus den Zeiten Davids und Bar Kochbas kriegerisches Blut in ihren Adern führen und dass die Verfolgungen des Mittelalters ihren ererbten militärischen Geist wohl unterdrücken, aber nicht erdrücken konnte. Russland zählt jetzt jahraus jahrein 50000 aktive jüdische Soldaten in seinem Heere und ein grosser Teil der Infanterie der österreichischen Armee besteht aus galizischen Juden, wie man sie in ihrer kleidsamen dunkeln Uniform in den Strassen von Lemberg und Krakau zu Hunderten sehen kann. In Frankreich sind die Juden seit fast 100 Jahren verhältnismässig stark in der Armee vertreten, und zur Zeit weist das französische Heer nebst vielen Officieren niederen Ranges fünf Brigaden- und einen Divisionsgeneral auf. Die englische Armee zählt gegenwärtig nur drei jüdische Coloneis, nämlich den Artillerieoberst Montefiore, den Colonel Leverson und den Oberst Goldsmidt. Dagegen wies die Armee des Marschall Wellington einen allerdings getauften jüdischen Generalmajor, den tapferen General Goldsmidt auf, dem in der Schlacht bei Waterloo zwei Pferde unter dem Leibe erschossen wurden. Nachdem der Verfasser des Artikels auch den gegenwärtigen italienischen Kriegsminister, den orthodoxen jüdischen General Ottolenghi, gebührend gewürdigt hat, erwähnt er, dass in den Vereinigten Staaten während des Unabhängigkeitskrieges ein Jude, der Oberst Frank, Privatsekretär und Flügeladjutant Washington^ war. Ein Jude, der Commodore Mordechai Manuel Noah, war einer der ersten Kommandeure der jungen nordamerikanischen Flotte. Sein Schiff war wohl das erste und einzige Kriegsfahrzeug, das je von einem Juden geleitet worden ist, da die Juden zur See noch nie hervorgetreten sind. Sehr interessant sind die Daten, welche Verfasser über die Juden in der indischen Armee gesammelt hat. Die bekannten Beni Israel wurden in Berichten der Indischen Kompagnie aus dem 18. Jahrhundert als „Söldner von Beruf" bezeichnet. Thatsächlich haben die Beni Israel der eingeborenen Armee verhältnismässig mehr Soldaten als irgend ein anderer Stamm Hindostans zugeführt. Für die Heldenthaten, die Samuel Ezekiel Kharceldar 1799 bei der Erstürmung von Seringapatam verrichtet hatte, erhielt er eine Broncemedaille. Ein anderer jüdischer Held, der Subadar Major Ellojee Davorjee Israel vom 7. eingeborenen Infanterie-Regiment, erhielt für seine Heldenthaten bei Kirki und Poona, sowie für Tapferkeit im Felde während einer 27jährigen Dienstzeit (1799— 1826) eine speziell für ihn geprägte silberne Medaille. Der Subadar Dameljee Israel vom 16. Infanterie-Regiment erhielt 1830 eine goldene Medaille, die 1862 auch dem Subadar Ezekiel Bapurgee verliehen wurde. Endlich hat 1882 der Subadar Major Moses Bapurjee Malkar vom 12. Infanterie-Regiment für Tapferkeit den goldenen Stern der ersten Klasse des britisch-indischen Ordens erhalten. Zahlreiche Stämme in Nordwestafrika, d. h. in Marokko, sind Juden, und es dürfte Wenigen bekannt sein, dass die Riff-Cabylen, die den Spaniern so viel zu schaffen machen, keine Mohammedaner sondern Juden sind. Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3.50» für das Ausland Mark 4»— für Russland ganzjährig 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. ,____^__Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen ___________^ -—-"---- Reiches unter Nb. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. ------- Anzeigen 50 Pfennig die viergespaltene JPetitzeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Babatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: S. CALVARY & Co. (Inn. HUGO BLOCH & Dr. F. GOTTHELF), Verlagsbuchhandlung und Antiquariat, Berlin NW., Neue Wilhelmstrasse 1. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag von S. Calvary & Co., Berlin NW. 7. Druck von J. S. Preuss, Berlin SW. 19.

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