Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Geskel Saloman
- Date
- 1903-04-01
- Page
- Seite 247 - 248 (sequence 2)
- Language
- German
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247 Dr. Adolph Kohut: Geskel Saloman. 248 im Dienste der Schönheit. Immer war er aufs eifrigste bemüht, die Malerei als eines der wirksamsten Mittel zur Bildung und sittlichen Läuterung des Volkes in Anwendung zu bringen. Auch als Mensch erfreute er sich^weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus allgemeiner Sympathie. Offenheit und Wohlwollen leuchteten aus den blauen, klaren Augen des liebenswürdigen Mannes. Sein lebhaftes Interesse für alles, was gut, schön und edel ist, seine umfassenden Kenntnisse, speziell auf dem Gebiete der Altertumsforschung und der Kunstgeschichte, seine frische Arbeitsfreude und seine anregende Unterhaltungsgabe gewannen ihm im Flug alle Herzen. Nie hörte man aus seinem Munde abfällige oder wohl gar verletzende Urteile über einen Kunstgenossen. Als Künstler sah er nur das Schöne und freute sich darüber und als Mensch sah er am liebsten das Gute und hob es hervor. Als Mitglied der Akademie der Künste in Stockholm trat er oft als Vermittler zwischen der alten Traditionen huldigenden Akademie und der Gruppe der mehr als radikalen jungen Künstler auf, und oft gelang es ihm, die klaffenden Gegensätze wenn nicht zu überbrücken, so doch wenigstens zu mildern. Dieser gefeierte, national-schwedische Künstler erblickte aber nicht auf dem Boden Schwedens das Licht der Welt; denn er wurde in der dänischen Stadt Tonder am 1. April 1821 von israelitischen Eltern deutscher Nationalität geboren, war also, wie die bekannte, rein arisch-christliche, schwedische Schriftstellerin Cecilie Bääth-Holmberg sich ausdrückt, „dem Blujte nach ein Sohn von Sems Stamm und ein würdiger Sohn dieser reich- und edelbegabten Race, der Nationalität nach indessen ein echter Deutscher." Der Vater Geskel Salomans, ein wohlhabender Kaufmann von stattlichem, Aeusseren und ungewöhnlicher musikalischer Begabung war ein oft und gern gesehener Gast an dem Augustenburgischen Hofe, wo Herzog Friedrich Christian, verheiratet mit der Tochter Karoline Mathildes und Struensees, residierte. Einer der Brüder Geskel Salomans, der Komponist Siegfried Saloman, hat sich durch seine, musikalischen Werke einen europäischen Ruf erworben. Schon frühzeitig zeigte der Knabe Geskel ein ausgesprochenes Talent für GESKEL SALOMAN. ihm die grösste Freude, jedes Bild, das ihm in die Hände kam, zu kolorieren. Leider verarmte sein Vater, und so war es Geskel Saloman zunächst nicht vergönnt, dem Triebe seines Herzens zu folgen und sich ganz der Kunst des Apelles zu widmen. Seine musikalische Be-. gabung kam ihm nun sehr zu statten. Sein Vater wurde, nachdem er sein Geschäft aufgegeben, Kantor an der Synagoge zu Kopenhagen, während Geskel als Chorknabe beim Gottesdienste fungierte. Mehrere Gönner des jungen Mannes ermöglichten ihm schliesslich die Aufnahme seiner Künsterlaufbahn. Er wurde Zögling der Königlich Dänischen Kunst-Akademie, und im Jahre 1843 wurde Eckerberg, der Begründer der neuen Kunstmalerei in Dänemark, sein Lehrer. Schon sein erstes Bild, „Eine Partie l'hombre", wurde gleich nach Norwegen verkauft, und für das zweite, „Der erste Violin-Unterricht", erhielt er bei der Ausstellung 1846 eine lobende Erwähnung. Schon in diesem letzteren reizenden Genrebild zeigt sich die ganze Eigenart des gemütvollen, tief fühlenden und scharf beobachtenden Künstlers. Wir sehen einen Dorfmusikanten, der die Finger des kleinen Knaben so fest gegen die Saiten drückt, dass es diesem weh thut und ihm die Thränen in den Augen stehen. Das Gemälde ist mit grosser Lebenswahrheit geschaffen; denn es enthält eine Kindheitserinnerung. Der gequälte Knabe war nämlich Geskel Saloman selbst. Daneben übte er sich fleissig im Porträtieren, und so manches lebenswahre und farbenfrische Bildnis auf der Kopenhagener Ausstellung vom Jahre 1847 fand den Beifall der Kenner und der Presse. Sein Name wurde in weiteren Kreisen bekannt, als er 1848 den Neuhauserschen Preis von 400 Reichsthalern für das Porträt des bekannten Lustspieldichters Overskon erhielt. Im Jahre darauf feierte sein schon genannter Bruder Siegfried in Gotenburg seine Hochzeit mit der berühmten Primadonna Henriette Nissen, der erfolgreichen Rivalin der schwedischen Nachtigall Jenny Lind, und da Geskel eben in Kopenhagen das graziöse Bild „Die Schreibstunde" verkauft hatte, reiste er frohgelaunt nach Gotenburg, um als Brautführer zu fungieren. In dieser schwedischen Stadt gefiel MUSEUM GOTENBURG. es dem jungen Künstler so Zeichnen und es machte SELBSTPORTRAIT. sehr, dass er seit jener Zeit